IQ-Regelung: Interview mit einem der siegreichen Kläger

Meike Riebau

Die Uni hat sich in ihrem Elite-Wahn verkalkuliert: Vier Freiburger Studenten haben gegen die Ausnahmegelung für Hochbegabte und Stipendiaten geklagt und gewonnen. Thorsten Deppner ist einer der vier siegreichen Kläger. fudder-Autorin Meike hat mit ihm gesprochen.



Thorsten Deppner ist einer von vier Studierenden, die gegen die Hochbegabten-Regelung der Uni Freiburg geklagt hatten: Studierende mit einem Intelligenzquotienten von 130 oder höher oder solche, die von einer Stiftung gefördert würden, sollten von den Studiengebühren befreit werden [fudder berichtete]. Das Verwaltungsgericht entschied am vergangenen Freitag, dass diese Kriterien noch einmal überdacht werden müssen. Meike Riebau sprach mit einem der siegreichen Kläger.


Was genau kritisieren Sie an der Hochbegabten-Förderung?

Thorsten Deppner: Durch die Einführung der Studiengebühren an sich wird schon eine soziale Selektion betrieben. Und die, die dann von den Gebühren befreit werden, sind Leute wie ich: Ich habe, wie die meisten Stipendiaten der Studienstiftung, immer nur Büchergeld erhalten, weil ich nicht Bafög-befugt bin. Das zeigt, dass die meisten dieser Stipendiaten nicht aus finanziell schwachen Familien kommen. Also findet schon bei den Stiftungen eine soziale Selektion statt — und diese wird dann nochmal verstärkt. Außerdem werden sachfremde Kriterien mit einbezogen, wie etwa Konfession oder politische Meinungen. Daran darf sich die Uni eigentlich nicht orientieren.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir warten die schriftliche Begründung ab, die kommt in zwei bis drei Wochen. Wenn die Begründung dem folgt, wie sich die Richter in der Verhandlung geäußert haben, ist davon auszugehen, dass die Uni ein eigenes Auswahlverfahren ausrichten muss. Das muss sich dann streng an der Leistung orientieren, die die Studierenden an der Uni bringen.

Was bedeutet das Urteil für andere Studierende?

Dass sich auch Studierende, die keinen IQ von 130 oder eine besondere Förderung erhalten, um eine Befreiung bewerben könnten. Aber wir wissen noch nicht, wie die Uni reagieren wird. Sie könnte die bestehende Ausnahmeregelung beibehalten und sie nur um die Anregungen der Richter erweitern. Oder sie könnte sich ein eigenes Auswahlverfahren überlegen. Aber gerade das würde Probleme machen, da man den Stipendiaten eine Befreiung für die gesamte Dauer ihres Stipendiums zugesichert hat und nicht nur für das jeweilige Semester.

Aus welchen Gründen sollten Studierende überhaupt von Gebühren befreit werden?

Man sollte die knappen Mittel dort einsetzen, wo das Geld tatsächlich gebraucht wird. Man wird wahrscheinlich bei einem Stipendiensystem nicht darum herumgekommen, es mit Leistungen zu verknüpfen. Aber es muss eben immer mit der sozialen Frage verbunden werden: Brauchen diejenigen die Förderung, oder brauchen sie sie nicht?

Man könnte ja sagen, die Regelung an sich mag Nachteile aufweisen, aber immerhin müssen ein paar Leute nicht zahlen. Was meinen Sie dazu?

Es gibt schon Leute, auch in der Bewegung gegen Studiengebühren, die sagen: "Der Uni keinen Cent zu viel" — alles ist gut, was sie erst mal nicht bekommt. Die Ansicht teile ich überhaupt nicht. Denn wenn es Studiengebühren gibt, die wir weder juristisch noch politisch verhindern können, dann sollten Leute, die sich die Studiengebühren eigentlich nicht leisten können, davon befreit werden — und nicht die anderen.

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Personalien

Thorsten Deppner ist Student der Rechtswissenschaften und früherer Politikwissenschaftsstudent. Der Freiburger ist bis zu seinem ersten Staatsexamen in Rechtswissenschaften von der Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert worden. Danach hatte er eigentlich den Plan, sein Politikwissenschaften-Studium zu beenden. Die Studienstiftung fördert jedoch nur bis zur Vollendung des ersten Studiums, und somit fiel der Student aus der - vorher auch für ihn geltenden - Ausnahmeregelung heraus: Pünktlich zum Sommersemester 2007 schickte ihm die Uni eine Zahlungsaufforderung. Dies nahm der bei den Grünen aktive Student zum Anlass, gegen die Norm vor Gericht vorzugehen - mit Erfolg.

fudder.de: Die Hochbegabtenregelung ist rechtswidrig