Interview: Wie wird man eigentlich Opernsängerin?

Kyra Leibham

Seit ihre Oma ihr als Kind eine CD von Anna Netrebko geschenkt hat, möchte Juliane Stolzenbach Ramos Opernsängerin werden. Aber wie wird man das eigentlich? fudder hat mit ihr gesprochen und es herausgefunden.

Juliane, Du möchtest Opernsängerin werden. Wie geht das?

Juliane: In mache gerade meinem Bachelor in Musik an der Hochschule für Musik hier in Freiburg. Ich bin jetzt im sechsten Semester und studiere klassischen Gesang und belege dabei unter anderem das Modul Operngesang.

Gibt es auch andere Ausbildungswege als ein Studium?

Juliane: Es gibt vielleicht noch den Weg über einen Privatlehrer. Aber das ist eher selten. Für mich ist das nichts. Ich will auch von den anderen Fächern und Musik an sich was mitbekommen und nicht nur den ganzen Tag singen. Das wäre mir zu einseitig.

Was ist das größte Vorurteil, dass Leute haben, wenn du sagst, dass du Sängerin bist?

Juliane: Gesang wird außerhalb der Musikwelt sehr unterschätzt. Viele denken, man braucht einfach eine gute Stimme und dann reicht das. Aber das stimmt nicht. Klar brauch man eine gute Stimme und eine gewisse Musikalität. Aber ich merke immer mehr, was für ein harter Job das ist und was man für einen unfassbaren Druck hat. Man muss einfach immer das Beste geben. Dazu brauch man sehr viel Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Man muss sich selbst sehr gut kennen und sehr diszipliniert sein. Es hilft, wenn man sich ein dickes Fell anlegt.

Video: Hier kannst Du Juliane singen hören (ab Minute 1:10)



Kannst du erklären, wie der Anfang deines Studiums ablief?

Juliane: Also ich studiere klassischen Gesang. An der Hochschule gibt es drei Module, die man wählen kann. Das sind Operngesang, Konzert- und Liedgesang oder Pädagogik. Ich habe die Module Operngesang und Konzert- und Liedgesang. In den ersten vier Semestern haben wir noch viele theoretische Fächer. Da gibt es zum Beispiel Unterricht in Musiktheorie, Gehörbildung, Atemschulung, Italienisch, Sprecherziehung, Klavier und Schauspiel.

Musst du auch praktische Erfahrungen sammeln?

Juliane: Man muss nicht, aber es ist natürlich super wenn man während des Studiums Erfahrungen sammelt. Ich hab das Glück gehabt, schon an ein paar Produktionen am Freiburger Stadttheater teilzunehmen und auch an anderen Projekten. An der Musikhochschule gibt es auch die Opernschule, da gibt es jedes Semester ein Projekt mit Orchester und dieses Semester bin ich das erste Mal dabei gewesen. Darüber habe ich mich super gefreut.

Was war dein aufregendstes Projekt bis jetzt?

Juliane: Ich denke an einem besonders coolen Projekt habe ich im Sommer 2016 teilgenommen. Da habe ich mit der Bonner Jugendoper eine einaktige Oper von Mozart mit Orchester in Italien gespielt. Das war super spontan, weil ich erst fünf Tage vorher angefragt wurde, da sie Sängerin abgesprungen ist. Bei der Oper durfte ich eine der Hauptfiguren singen. Das hat richtig gut geklappt und ich war super stolz und glücklich.

Hast du Rituale, die du vor einem Auftritt pflegst um dich zu beruhigen?

Juliane: Vor einem Auftritt versuche ich mich ganz auf mich selbst zu konzentrieren und zu mir selbst zu kommen. Vorher für sich zu sein ist wichtig. Und ich esse eine Banane. Das gibt Energie und ist nicht zu schwer im Bauch.

Hast du eine Lieblings-Arie?

Juliane: Ich kann es tatsächlich nicht sagen. Es gibt so viele schöne Arien. Eine, die ich unglaublich schön finde, ist die sogenannte "Wahnsinns Arie" aus Lucia di Lammermoor von Donizetti.

Video: "Mad Scene" aus Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti


Was willst Du mit deiner Arbeit erreichen?

Juliane: Ich merke immer mehr, dass Musik eine unglaubliche Kraft hat. Und ich will Menschen damit berühren und sie aus ihrem Alltag raus holen damit sie ein bisschen träumen können.

Wohnst du in einer WG mit anderen Musikern?

Juliane: Nein. Das wäre mir viel zu viel. Es gibt Leute die mögen das, aber ich muss, wenn ich zu Hause bin, einfach mal ohne Musik sein. Das ist gut um auf dem Boden zu bleiben und zu sehen, dass es auch noch andere Dinge in der Welt gibt.
Zur Person:

Juliane Stolzenbach Ramos ist 21 Jahre alt und wurde als Tochter einer Geigerin in Portugal geboren. Ihr Stiefvater ist Chorleiter und Klavierlehrer. Aufgewachsen ist sie in Müllheim, mit viel klassischer Musik. Seit ihre Oma ihr als Kind eine CD von Anna Netrebko geschenkt hat, möchte Juliane auch Opernsängerin werden. Inzwischen wohnt sie mit ihrer besten Freundin in Freiburg und macht an der Hochschule für Musik in Freiburg ihren Bachelor im Fach Musik mit dem Hauptfach Gesang. Ihren Master möchte sie nicht in Freiburg machen. Die junge Sängerin träumt von Paris, Madrid und New York.
Sollte es in 10 Jahren mit dem Singen nicht voran gehen hat Juliane einen Plan B: Sie möchte anderen Menschen helfen und als Life-Coach arbeiten. Durch die Arbeit an sich selbst für die Gesangskarriere, hat sie Erfahrungen gesammelt, die sie mit anderen teilen will.

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