Interview: Wie Studenten mit "Pro Bono" kostenlose Rechtsberatung anbieten

Lisa Göllert

Deine Untermieterin zahlt nicht ihre Miete oder Dein Chef lässt Dich zu lange arbeiten? Philipp Drixler erzählt im Interview, wie Pro Bono durch kostenlose Rechtsberatung Studierenden hilft.

Philip Drixler studiert Jura im 6. Semester und ist seit einem halben Jahr im Vorstand der studentischen Rechtsberatung Pro Bono in Freiburg. Pro Bono bietet kostenlose Rechtsberatung für alle Studierenden an. Der Verein gründete sich im Oktober 2014 und hat mittlerweile 143 Mitglieder. 21 beratende Anwälte unterstützen die studentischen Rechtsberater. Seit 2014 gab es 180 Fallanfragen. Wenn der 21-Jährige nicht gerade Interviews für fudder gibt, arbeitet er momentan an seiner Seminararbeit – und geht bald für ein Semester nach La Réunion.


Fudder: Dürft Ihr überhaupt Rechtsberatung anbieten? Das ist doch fertigen Anwälten vorbehalten.

Drixler: Dass Studierende ohne fertige Ausbildung Rechtsberatung geben dürfen, liegt am Rechtsdienstleistungsgesetz aus dem Jahr 2008. Voraussetzungen dafür sind, dass die Beratung kostenfrei ist und von einem anleitenden Anwalt kontrolliert wird.

Fudder: Wie läuft eine Fallbearbeitung bei Pro Bono ab?

Drixler: Fallanfragen bekommen wir über unsere Webseite. Da haben wir ein Fallformular, in dem die Interessenten den Sachverhalt schildern können. Die Anfrage liest dann jeder von uns fünf Vorständen. Anschließend beraten wir, ob wir den Fall bearbeiten können. Wenn ja, dann wird der Fall an unsere Vereinsmitglieder ausgeschrieben, die sich darauf bewerben können. Danach bilden sich Fallteams von drei bis vier Studierenden. Das Team trifft sich dann mit ihrem Mandanten und schreibt das Gutachten. Schlussendlich geht das fertige Gutachten an einen unserer ehrenamtlich tätigen Anwälte. Er kontrolliert, ob inhaltlich und formal alles stimmt. Die Ergebnisse präsentieren wir anschließend unserem Mandanten.

Fudder: Bearbeitet Ihr Fälle aller Rechtsgebiete?

Drixler: Es gibt gewisse Beschränkungen. Wir bearbeiten vor allem Fälle aus dem Zivilrecht. Also kein Strafrecht. Zudem darf der Streitwert nicht 750 Euro übersteigen. Außerdem sollte die Frist für die Fallbearbeitung nicht zu knapp sein. Unsere Fallbearbeitungszeit liegt bei vier bis acht Wochen.

Fudder: Werden Eure studentischen Rechtsberater besonders geschult, bevor sie bei Euch anfangen?

Drixler: Erst einmal kann jeder Jura-Studierende ab dem dritten Semester bei Pro-Bono als Berater anfangen. Dabei sind die Noten nebensächlich – das Interesse zählt. Und ja, es gibt eine Vorausbildung am Lehrstuhl von Professor Paal. Außerdem bieten viele Kanzleien Workshops für Pro Bono-Mitglieder an. Nach der Vorausbildung erhält man ein Zertifikat und ist ausgebildeter Rechtsberater.

Fudder: In welchem Rechtsgebiet erhaltet Ihr die meisten Anfragen?

Drixler: Ganz klar: Mietrecht! 60 bis 70 Prozent unserer Fälle sind Mietrecht. Gerade in Freiburg ist das Wohnen ein besonderes Problem – auch wegen der Wohnungsknappheit. Das geht dann von Nebenkostenabrechnungen über Mietminderung bis Mietkündigungen.

Fudder: Ist Dir ein Fall besonders in Erinnerung geblieben?

Drixler: Einmal ging es um die Kündigung eines Sportabonnements. Unser Interessent hatte sich sich dauerhaft verletzt und konnte keinen Sport mehr treiben. Die Frage war, ob er den Vertrag mit dem Fitnessstudio einfach so kündigen kann. Ein anderes Beispiel war ein Arzthaftungsfall. Unser Mandant ist bei einer Impfung ohnmächtig geworden und wollte von uns wissen, ob er Schmerzensgeld von dem behandelnden Arzt verlangen könnte.

Fudder: Wie verhalten sich Eure Mandanten Euch gegenüber?

Drixler: Sie freuen sich alle sehr und sind begeistert. Das ist auch das Interessante an der Rechtsberatung. Im Jura-Studium selbst geht es vor allem um Theorie. Hier bei Pro Bono haben wir echte Mandanten und nicht bloß abstrakte Fälle, wie in der Uni. Wir versuchen, unseren Interessenten die Theorie, die wir im Studium gelernt haben, näherzubringen, sodass es ein Laie versteht. Das macht wirklich großen Spaß.

Fudder: Wie siehst Du Pro Bono in der Zukunft?

Drixler: Für die Zukunft wünschen wir uns natürlich noch mehr Mandanten. Am Schönsten wäre es, wenn Studenten mit Rechtsproblemen direkt an unsere kostenlose Hilfe bei Pro Bono denken würden.