Interview: Was steckt hinter Freiburgs neuer Lesebühne "Das große Ereignis"?

Brigitte Rohm

Texte und Trinkspiele: Am 8. Mai startet im Räng Teng Teng eine Literaturveranstaltung mit entzückend unbescheidenem Titel. Was die Zuschauer erwartet, verraten Thilo Dierkes und Jonathan Löffelbein im Interview.

"Das große Ereignis" klingt verheißungsvoll. Was verbirgt sich dahinter?

Thilo: Ich würde einfach sagen, die beste neue Literaturveranstaltung der Stadt – ich hab nen Preis gewonnen, hallo! (lacht)

Jonathan: ...Wenn nicht gar die beste Literaturveranstaltung Baden-Württembergs, oder – was reden wir? – der Welt!

Thilo: Eine Lesebühne, um genau zu sein...

Jonathan: ...mit immer einem Gast im Vordergrund, der seine Texte präsentieren kann. Wir machen Klamauk drumherum.

Thilo: Wir machen keinen Klamauk, du machst Klamauk.

Jonathan: Ja, und du trinkst in der Ecke.

Ist der Name des Programms Ironie oder der Ausdruck eines sehr stark ausgeprägten Selbstbewusstseins?

Jonathan: Das ist tatsächlich eher fast schon Marketingstrategie, denn wenn die Leute sich fragen "Was machst du heute?" – "Ich geh zum großen Ereignis!" – "Was?" – "Ja, hast du es noch nicht gehört? Das große Ereignis!", dann klingt das sehr toll.

Thilo: Außerdem haben wir noch ein paar Wortwitze vorbereitet für Folgeveranstaltungen.

"Lesebühne" klingt ja für manch einen eher langweilig. Was macht das Format sexy?

Jonathan (lacht): Wir machen das sexy.com.

Thilo: Man kann sagen, die Tatsache, dass wir nicht Ende dreißig sind und an einem Schreibtisch mit nem Wasserglas sitzen, macht die ganze Veranstaltung vielleicht ein bisschen cooler und hipper als man sich das unter dem Stichwort "Lesebühne" vorstellt.

Jonathan: Ja, es gibt natürlich sehr gute, lustige Texte, es gibt Alkohol und wahrscheinlich Trinkspiele – es wird eine lockere, lässige Angelegenheit werden.

Thilo: Und es wird auch Musik geben!

Warum habt ihr als ersten Gast Marvin Suckut eingeladen?

Jonathan: Auch eigentlich aus Marketinggründen, weil ein Lesebühnen-Neustart oft schwierig ist. Und Marvin kennt man vermutlich in Freiburg, weil er den Atlantik-Slam moderiert, er hat aber selbst fast nie hier Texte vorgetragen. Das heißt, dann können die Leute mal schauen, ob er auch lesen und schreiben kann.

Welche Gäste hättet ihr in Zukunft am liebsten dabei?

Thilo: Brecht.

Lebende Gäste?

Jonathan: Wir haben schon ein paar Gäste vorgeplant, zwei weitere haben wir schon angefragt.

Thilo: Leute, die berühmter sind als wir, die auch schon mehr Erfahrung haben...

Jonathan: ...und die insgesamt sehr gut sind. Ein Großteil hat einen Slam-Hintergrund, aber wir wollen auch schauen, dass wir das ein bisschen aufbrechen.

Thilo: Immerhin wollen wir den Literaten-Swagger in Freiburg ein bisschen auffahren, was sonst nur im Wiehre-Bahnhof stattfindet. Das ist etwas schade, weil ich immer arbeiten muss, wenn da Veranstaltungen sind. Jetzt kann ich mir einfach frei nehmen für meine eigene Veranstaltung, bei der wir dann Leute einladen, die wir mögen.

Ihr beide seid Slammer, Musiker, Autoren und Sprechkünstler. Welche dieser Facetten wollt ihr beim "großen Ereignis" zeigen?

Thilo und Jonathan: Alle.

Jonathan: Wir wollen schon, dass der Gast im Vordergrund steht, aber wir wollen auch unseren kleinen Spaß dabei haben und machen ein bisschen Texte und Musik.

3 Gründe, weshalb man "Das große Ereignis" auf keinen Fall verpassen darf?

Thilo: Grund 1: Wenn du es verpasst, sagen Leute eine Woche später alle zu dir in Gesprächen "Was, du hast es verpasst?" und du kannst dann nicht mitreden.

Jonathan: Grund 2 sind wir.

Thilo: Hauptsächlich.

Jonathan: Wir sind sehr gut.

Thilo: Dritter Grund: Das ist wahrscheinlich die letzte Chance, uns und die Leute, die wir einladen, zu sehen, bevor wir einen Nobelpreis bekommen und die Konzertkarten 40.000 Euro, na, 120 Euro kosten.
Der 1995 geborene Thilo Dierkes ist seit 2010 als Slam Poet aktiv. Seit 2014/15 studiert er Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaften /europäische Ethnologie in Freiburg. Er ist Teil des Sprechtheaterensembles "Laut & Lyrik" und der Singer-/Songwriter-/Rap-Band "Halbwegs Dope". 2016 erhielt er beim 24. Open Mike-Literaturwettbewerb in Berlin den 1. Preis für seinen Prosatext "Von Ajaccio her". Er hat bereits in mehreren Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht und arbeitet zur Zeit an seinem Romandebüt.

Jonathan Löffelbein wurde 1991 geboren und tritt seit 2012 als Slam Poet auf. Nach einem B.A. in Freiburg studiert er mittlerweile Rhetorik in Tübingen. Er ist Teil des Sprechtheaterensembles "Laut & Lyrik" und der Singer-/Songwriter-/Rap-Band "Halbwegs Dope". 2015 veröffentlichte er mit "Besucher" sein Romandebüt. Sein Drama "Der letzte Satz" wurde beim Literaturfestival "zwischen/wege" mit dem 2. Platz ausgezeichnet. Nebenher arbeitet er als Sprecher, Rezitator und am nächsten Buch.

  • Was: Lesebühne "Das große Ereignis"
  • Wann: Montag, 8. Mai, 21 Uhr, Einlass 20 Uhr
  • Wo: The Great Räng Teng Teng
  • Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro

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