Interview & Last-Minute Verlosung: The Robocop Kraus

Carolin Buchheim

The Robocop Kraus machen auch im zehnten Jahr ihrer Bandgeschichte tadellose Musik zwischen Post-Punk und Pop und spielen fleißig reihenweise tolle Konzerte. Morgen Abend tritt die Band aus Hersbruck im Café Atlantik auf. Was ein gutes Konzert ausmacht, und wie das so ist, als DIY-Band in der sterbenden Musikindustrie, darüber hat sich Caro mit dem Robo-Keyboarder Markus Steckert unterhalten. Und Tickets zu gewinnen gibt es auch.



Wie würdest Du den Sound von The Robocop Kraus einer tauben Person beschreiben?

Ich wüsste ja noch nicht mal, wie ich den Sound einer hörenden Person beschreiben sollte. Ich sage bei sowas einfach immer: Komm zum Konzert. Ich glaube, da würde auch eine taube Person einen Endruck bekommen.

Ich habe einen lustigen Pressetext von einem Festival über Euch gelesen, in dem ihr als die 'perfekte Band'bezeichnet werdet. Wenn man Musik-Nerd-Maßstäbe ansetzt, dann haben die Robocop Kraus ihre ersten zehn Jahre ganz unbeschadet überstanden: eine ganze Reihe gute Alben, tolle Konzerte und eure Seelen habt ihr auch noch nicht verkauft, indem ihr einen Song für Autowerbung hergegeben habt. Wie habt ihr das hingekriegt?

Wir waren schon mal kurz davor, unsere Seelen zu verkaufen. Vor eineinhalb Jahren hatten wir mal ein Angebot von der Zigarettenmarke Prince of Denmark. Da hätten wir fünf Konzerte oder so spielen müssen und hätten schönes Geld dafür bekommen. Wir haben damals ganz schön lange überlegt, denn von dem Geld hätten wir zwei Platten aufnehmen können. Die temporäre Abhängigkeit hätte uns letztendlich natürlich eine gewisse Unabhängigkeit verschafft. Sowas ist eine zweischneidige Sache.

Warum habt ihr es dann doch nicht gemacht?

Weil wir dann letztendlich doch keine Lust darauf hatten, für Zigaretten Werbung zu machen, obwohl wir in der Band zum Teil ja auch selbst rauchen. Das Ganze ging uns dann doch einen Schritt zu weit. Überhaupt haben wir auf das ganze Jägermeister-Rockliga-Getue und so auch keine Lust, das haben wir bisher immer abgelehnt, obwohl sie uns schon ein paar Mal gefragt haben. Dabei gibt das einen fünfstelligen Betrag, ab irgendeiner Runde.

Du hast vorhin schon das Wort ‚Unabhängigkeit’ benutzt. Wie wichtig ist es Euch, die zu erhalten?

Uns ist das sehr wichtig, und das merken wir auch gerade wieder. Das Problem ist, dass in den letzten Jahren den Anspruch hatten, von der Musik zu leben. Und damit ist es mit der Unabhängigkeit gleich auch schon wieder ein bisschen dahin.

Wie meinst Du das?

Das ist schwer zu erklären, aber wir sind uns selbst gegenüber einfach weniger unabhängig. Früher, als wir noch zur Schule gegangen sind und irgendwelche Jobs hatten und in unserer Freizeit dann proben gegangen sind und Konzerte gespielt haben, da war das Musik machen der Ausgleich zum Alltagsleben. Jetzt ist Musik aber der Alltag. Das bringt irgendwie eine komische Art von Druck.

Eigentlich ist da ja schon das Idealbild, das man so hat, wenn man eine Band gründet: von der Musik leben zu können, und eben keine anderen, möglicherweise doofen Jobs mehr machen zu müssen und die Musik als Alltag zu haben.

Stimmt. Von Außen betrachtet ist das so. Wenn man dann drin steckt, dann bekommt das aber eben einen gewissen Druck, so einen 'Man-Muss'-Anstrich.

Woher kam bei Dir das Bedürfnis, in einer Band zu sein, und warum ist es ausgerechnet diese Band geworden?

Diese Band ist es geworden, weil wir alle aus der schönen Stadt Hersbruck kommen. Da gibt es einfach nicht so viele Leute, die bereit sind, so was zu machen, da findet man sich schnell. Robocop Kraus ist in Hersbruck aus verschiedenen Bands entstanden, und das waren innerhalb dieser Bands dann noch mal die Leute, die Bock auf mehr hatten. Das Bedürfnis in einer Band zu sein, das war bei mir schon immer da, ich hab schon mit zehn Jahren angefangen, Klavier zu spielen. Es war für mich schon immer klar, dass ich ein Instrument spielen und dann eben auch mit anderen Leuten Musik machen wollte. Das ging dann, wie in 90 prozent aller Fälle, mit so Schulbands los. Die Motivation, wenn man mit 13,14 mit ein paar Freunden eine Band gründet, die ist dann schon klar: man will was zusammen haben, ein bisschen was Exklusives.

Hat das, was Du heute hast, etwas mit dem zu tun, was Du damals haben wolltest?

In weiten Teilen ist es schon so geworden, wie ich es mir vorgestellt hab, wenn man es sich damals denn überhaupt vorstellen konnte. Ich hab aber natürlich in den ganzen Jahren, in denen ich jetzt Musik mache, schon auch Dinge gelernt und erfahren, von denen ich nicht dachte, dass die was mit Musik machen zu tun haben.

Zum Beispiel?

Rede und Antwort stehen zu müssen zum Beispiel. (lacht) In den Moment, wo man irgendwas macht und in die Öffentlichkeit tritt, wird man immer wieder in Situationen gebracht, in denen man sich rechtfertigen muss. Ob man dass dann macht, ist natürlich eine andere Sache. Die Frage, die dahinter teht ist halt, ob man gewisse Ansprüche oder Publikumswünsche erfüllen will, oder nicht.

Zum Beispiel besteht bei Konzerten häufig ein Unterschied zwischen dem, was das Publikum gerne hören würde, und dem, was wir spielen würden. Wenn wir eine Platte 'rausbringen, dann hören die Leute die Musik zum ersten Mal. Für uns ist das aber ein Prozess, der schon seit einem Jahr andauert, und wir sind im Kopf schon beim nächsten Schritt, schon wieder bei neuen Sachen, die dann aber noch ein Jahr brauchen, bis sie auf Platte erscheinen. Das ist immer so ein Konflikt.

Als ich angefangen habe, Musik zu machen, hatte ich an so was nie gedacht. Ich dachte, man schreibt ein Lied, und dann spielt man das für den Rest seines Lebens, und gut ists. Aber dass es einen irgendwann ....(überlegt) noch nicht mal unbedingt nervt, sondern eben von Dingen, die man aufregender findet, abgelöst wird, das hatte ich nicht erwartet. Das zu verstehen war ein Prozess.



Welchen Song magst Du nicht mehr spielen, im Moment?

Das sind immer so Phasen. Momentan spiel’ ich gerne ganz ganz alte Robocop Kraus-Lieder, oder ganz ganz neue. Die Lieder von der 'Living with other people’ und von der 'They think they are the Robocop Kraus’, derer bin ich gerade ein bisschen überdrüssig.

Ich weiß aber auch, dass wenn ich sie jetzt eine zeitlang nicht spiele, bald wieder voll Bock drauf habe. Die Sache ist ja die: Man kann es irgendwie niemandem recht machen. Deswegen finde ich, sollte man immer nur das machen, auf dass man Bock hat. Dummerweise macht man das aber eben nicht so ganz, und verbiegt sich dann doch immer ein bisschen, und versucht zum Teil auch, gefällig zu sein.

Wem muss man denn gefallen? Der Intro, der Spex?

Nee, ich meine das eher auf ein funktionierendes Konzert bezogen. Man will am Ende des Konzerts ja auch das Gefühl haben, dass die Zuschauer auch einen wirklich schönen Abend hatten, dann ist ja auch für die Band ein sehr schöner Abend.

Wir haben nie eine feste Setliste, sondern überlegen uns jeden Abend neu, was wir spielen wollen, was an dem Abend, dem Ort, gut funktionieren kann. Das gibt richtige Diskussionen und immer ein bisschen Getue, und dann kommt der Konzertveranstalter und klopft an die Tür und sagt 'Hey, ihr habt noch fünf Minuten’ und dann wird ein bisschen gezankt. 'ch will heute unbedingt das spielen.’ 'Nein, auf keinen Fall.’ Das ist echt lustig. Irgendwann steht auch immer Einer auf und geht, und irgendwann sitzt Du dann alleine da und musst die Liste schreiben.

Und dann hast Du die Macht und klebst den Zettel mit der Setlist auf die Bühne und alle müssen während des Konzerts machen, was Du willst?

Genau. Und wenn es dann nicht klappt ist man schuld. (lacht)

Aber meistens klappt es ja auch, oder?

Ja. Ich glaube, wenn es das nicht tut, dann kriegt das Publikum dasnicht unbedingt mit; die Außenwirkung minimal. Das ist eher so ein internes Ding bei uns.

Wie empfindest Du das? Wie oft hast Du ein Konzert, wie Du es gerne haben würdest?

Schwer zu sagen, vielleicht 80 Prozent? Es kommt natürlich auch drauf an, wann ein Konzert ein gutes Konzert ist, und das muss natürlich jeder Musiker für sich beurteilen.

Wann ist ein Konzert für Dich ein gutes Konzert?

Wenn ich auf der Bühne merke, dass es für mich wie von selbst läuft, wenn ich nicht nachdenken, keine Routine runterspulen muss. Das passiert manchmal, zum Beispiel, wenn man es nicht sofort schafft, mit dem Publikum in Verbindung zu treten. Es kann auch irgendwas ganz banales sein, wie ein technisches Problem bei den ersten Songs, das kann einem das ganze Konzert versauen. Auch wenn das Problem behoben ist, ist das im Kopf drin, und man kriegt es nicht mehr raus. Ein gutes Konzert ist für mich, wenn ich mich während des Konzert überhaupt nicht reflektiere sondern erst danach. Es ist ein ideales Konzert, wenn man den Kopf ausschalten und sich bewegen kann, ohne darüber nachzudenken, was man macht.

Wenn man Eure Tourpläne anguckt, dann fällt einem nicht nur auf, dass ihr grundsätzlich sehr viel live spielt, sondern auch, dass ihr sehr viel im Ausland auftretet. War das bewusst geplant, als ihr Euch als Band zusammengetan habt?

Im Ausland zu touren war von Anfang an ein Wunsch. Das war auch ein wesentlicher Grund, weshalb wir uns entschieden haben, unsere Texte auf Englisch zu machen. Wir haben alle schon mit anderen Bands, als es Robocop Kraus noch nicht gab, Frankreich-Touren gemacht, und es war von Anfang an klar, dass wir uns nicht auf Deutschland beschränken wollen. Da ist es eben ganz hilfreich, wenn man nicht Deutsch singt, sondern quasi die Musikersprache, Englisch, eben.

Ist das viele Touren heutzutage eure Haupteinahmequelle?

Ja. Das geht heute nur über Konzertgagen, an Platten verdient man nicht wirklich. Es ist allerdings immer ein schönes Zubrot, wenn dann mal eine GEMA-Zahlung kommt, mit der man dann meistens auch nicht rechnet.

Die Konsequenz daraus ist ja, dass Plattenfirmen versuchen, davon etwas abzukriegen, in dem sie Bands in sogenannte 360°-Deals reindrängen, um auch an Gagen und Merchandise mitzuverdienen.

Das ist eine schrecklicher Sache. Wenn Plattenfirmen Deals für neue Platte aushandeln, versuchen sie oft, gleich sowas mit reinzuschreiben. Zum Teil sind auch Bookingagenturen integriert, wo dann auch noch mal Prozente weg gehen.

Wie versucht ihr, Euch von so was frei zu halten?

Wir würden so was auf keinen Fall mitmachen. Wir sind mit unserem Label Epitaph in einer glücklichen Position. Sie würden uns, ohne uns irgendwelche Steine in den Weg zu legen, gehen lassen, oder aber auch eine neue Platte mit uns machen. Wir wollen allerdings versuchen, unsere nächste Platte nicht mit einem Label zu machen, sondern sie über verschiedene Kanäle selbstzu  finanzieren und sie dann unserer Plattenfirma zum Kauf anbieten.

Glaubst Du, die Tatsache, dass ihr der DIY-Kultur entstammt und schon so lange immer wieder Sachen selbst gemacht habt, verschafft euch in der sterbenden Musikindustrie einen Vorteil?

Das ist schwer zu sagen. Wir haben während unser Robocop Kraus-Karriere schon bei etlichen Plattenfirmen Platten veröffentlich und haben mit etlichen Leuten gearbeitet. Wir haben also grundsätzlich erstmal keine Angst vor Veränderung. Das ist vielleicht schon ein Vorteil.

Vor ein paar Wochen haben wir eine 12’’ herausgebracht, 'Metabolismus Maximus', die wir im Endeffekt selbst aufgenommen haben, komplett unabhängig, bei uns im Proberaum. Equipment haben wir größtenteils eh’ schon, dann haben wir uns noch ein paar Mikrofone ausgeliehen, und wie man etwas aufnehmen kann, das wissen wir mittlerweile natürlich auch. Gemischt haben wir die Lieder mit einem Freund. Das ist insgesamt eine sehr kostengünstige Sache gewesen, und für die Kosten, die wir hatten, sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Wir haben die EP auf einem kleinen Dresdner Mail Order-Label herausgebracht, denn genau da hatten wir Bock drauf. Es ist schon eine gute Sache, sich unabhängig zu machen von einem Plattenlabel, und auch davon, unbedingt 30.000 Euro für ein Riesenstudio auszugeben, in dem man sich vier oder acht Wochen einquartiert.



Wofür braucht man dann heute überhaupt noch ein Label?

Ein Label übernimmt schon noch die ganze Promo und kann einem Türen öffnen, die man so sonst nicht einfach so auf bekommt. Vor allem Bands, die gerade erst anfangen, haben es da schwer, und das Internet ist auch nicht das Heilmittel für alles.

Präsenz im Netz reicht für Bands auch nicht aus. MySpace und Co. sind ja vollkommen überlaufen und unbrauchbar. Die Sachen, die Bands sonst im Netz probieren, sind alle eher noch Modellversuche, die vor allem bei Bands funktionieren, die schon eine Fanbasis haben, wo die Leute dann auch auf Konzerte gehen. Musik zu verschenken geht halt eigentlich auch nicht, weil man sich da ja praktisch unter Wert verkauft. Auf der anderen Seite wird das Aufnehmen durch die Errungenschaften der Technik auch immer kostengünstiger, insofern hat man als Bands eben auch eher mal die Möglichkeit, Sachen dann auch für sehr wenig Geld herauszugeben.

Wisst ihr schon, wie ihr das für Euer nächstes Album angeht?

Wir sind im Moment drei-, viermal die Woche im Proberaum und schreiben neue Lieder, von denen haben wir schon ganzen Haufen. Ursprünglich war der Plan, die Lieder auch noch in diesem Jahr aufzunehmen, aber das wird wohl eher erst im Februar oder März nächsten Jahres 'was werden.

Wo und wie das letztendlich veröffentlicht wird, darüber sind wir uns noch nicht wirklich im Klaren. Wir werden erstmal mit Epitaph reden, die haben noch eine Option. Aber ob wir die Platte letztendlich da rausbringen werden, werden wir sehen. Epitaph ist ein sehr gutes Label, aber es ist nicht so 100 Prozent unser Ding, denn so nett die Leute auch sind: eigentlich würden wir uns eher ein kleineres Label wünschen, wo unser Stellenwert ein bisschen höher ist. Wir sind da so ein Liebhaberprojekt, weil wir gar nicht so richtig in deren Programm reinpassen.

Vor dem Aufnehmen geht ihr aber erst noch einmal auf Tour. Der Gig in Freiburg ist der erste – was werdet ihr spielen?

Wir werden auf jeden Fall mit einem sehr, sehr großen Programm anrücken. Wir spielen auf der Tour an zwei Abenden hintereinander in Berlin, im West-Germany, und da wollen wir natürlich nicht zwei Mal das Gleiche machen. Am ersten Abend spielen wir ein Programm von '98 bis 2003 und am zweiten Abend dann 2003 bis heute. Da Proben wir natürlich extra für und gehen also mit einem Repertoire auf die Tour, mit dem zwei komplett unabhängige Abende spielen können, sicher so 30,35 Songs. Was wir in Freiburg spielen, werden wir dann natürlich erst an dem Abend aushandeln.

Last-Minute-Verlosung

fudder verlost 1 x zwei Tickets für das Konzert der Robos im Café Atlantik. Um an der Verlosung teilzunehmen schickt einfach ein E-Mail mit dem Betreff "The Robocop Kraus", eurem Namen und eurer Telefonnummer an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Donnerstag, der 29. Oktober 2009, 13 Uhr. Die Gewinner werden nach dem Ende der Verlosung per Anruf benachrichtigt.

The Robocop Kraus - Gibraltar (live)

Quelle: Vimeo


Mehr dazu:

Was: The Robocop Kraus (Support: Seducers, The Serpentines)
Wann: Donnerstag, 29. Oktober 2009, 20 Uhr (Beginn 21 Uhr)
Wo: Café Atlantik
Tickets: Vorverkauf 10 Euro, Abendkasse 13 Euro

[Fotos: Promo]