Interview & Last-Minute-Verlosung: Bela B

Carolin Buchheim

Bela B ist ein vielbeschäftigter Mann. Neben seinem Brotjob an den Drums bei den Ärzten hat er Anfang Oktober 'Code B' veröffentlicht, sein zweite Solo-Album. Morgen Abend kommt er mit seiner Begleitband Los Helmstedt in die Freiburger Güterbahnhofshalle. Caro hat mit Bela über sein Burn-Out-Risiko bei all der Arbeit, Zombie-Filme und den Tod der Musikindustrie geredet. Und ihn gefragt, ob er auf Solo-Tour eigentlich Farin und Rod vermisst. Für alle Antworten und die Last-Minute-Verlosung von drei Mal je zwei Tickets:



Bela, wie würdest Du Deine Musik einer tauben Person beschreiben?


Bela B: Einer tauben Person? (überlegt) Hm. Sexy. Ich empfinde meine Musik als sexy und extrem angenehm. Wie sagt man 'sexy' in Gebärdensprache? Ich beherrsche keine Gebärdensprache, also müsste ich 'sexy' darstellen. Wie macht man das eigentlich? (lacht)

Es gibt Musiker, die haben eine Band, und wenn die mit der ein Album aufgenommen haben und im Anschluss daran getourt sind, dann gehen die ein halbes Jahr in Urlaub. Du bist da offensichtlich anders. Wie machst Du das, ohne ein Burn-Out Syndrom zu riskieren?

Nee, ich krieg kein Burn-Out. Das gilt auch für Farin, der das Solo-Ding ja schon länger macht als ich. Sowohl für Farin als auch für Rodrigo und mich sind die Tätigkeiten neben unserer legendären Hauptband extrem guttuend. Da toben wir uns in Bereichen aus, wo wir deutlich individueller zugange sein können als bei den Ärzten.

In den Nebenprojekten leben wir uns aus und kehren dann vollkommen harmonisiert in den Schoß der Familie zurück. Da können wir dann ohne große Ego-Probleme miteinander Songs schreiben und Mitglieder der Ärzte sein. Als ich 'Bingo' geschrieben habe, war es für mich extrem wichtig, mich wieder mehr mit Musik auseinanderzusetzen.

Mehr, als man das in einer Band macht, mit der man schon sein halbes Leben zusammen ist?

Klar. Unsere Band ist seit den 90ern extrem erfolgreich, und nach und nach haben wir uns ein bisschen von den Wurzeln entfernt, von dem, was das Musik machen ausmacht. Ich war plötzlich zu sehr mit Mechanismen konfrontiert und musste mich mehr mit dem ganzen Drumherum beschäftigen, als mit dem Essentiellen, der Musik selbst. Aus dem Grund habe ich dann vor vier Jahren angefangen, solo Musik zu machen. Außerdem macht es Spaß. Und so Ego-Trips sind außerdem auch gut für die Seele.

Mir kommt ‚Code B’ reduzierter vor als der Vorgänger. War das eine bewusste Entscheidung?

Das stimmt, ja, und es war eine bewusste Entscheidung, die in der Entstehungsphase des Albums gefallen ist. Ich hab in den letzten Jahren immer lauter Ideen aufgenommen und Notizen gemacht, und vor anderthalb Jahren auf Tournee mit den Ärzten habe ich dann angefangen, die Sachen zu Songs zusammenzuleimen.

Letztes Jahr im Herbst habe ich mich dann erstmalig mit den Leuten getroffen, Wayne und Olsen, mit denen ich das Album co-produziert habe, wie das erste Album auch, und mit Lula, meiner besten Freundin und Muse, und dann haben wir angefangen, das mal ein bisschen aufzunehmen und zu überlegen, was daraus werden könnte. Wir haben dann in so einem ganz winzigen Studio von vielleicht20 m² irgendwelche Schlagzeugteile zusammengeschraubt und improvisiert. Da kamen echt abgefahrene Sachen bei raus, und ich dachte ich mir: 'Eigentlich mag ich das, so rau'.

Bei der ersten Platte haben wir auch orchestrale Sounds benutzt, aber jetzt dachte ich mir: 'Lass uns das reduzieren'. Ich empfinde den Sound als breiter, aber er ist tatsächlich reduzierter. Ich glaub’ es wird halt kraftvoller, wenn Du mit weniger Gitarren spielst, weil dann die einzelne Gitarre mehr Wucht hat.

Auf der Platte gibt es gleich eine ganze Reihe von Würdigungen Deiner Vorbilder und Idole. Willst Du Deinen Zuhörern damit auch ein bisschen musikalische Früherziehung verpassen?

Ich bin jetzt nicht der Zeigefingerlehrer-Onkel, der sagt ‚Schaut her, ihr habt Eurer bisheriges Leben umsonst gelebt, ich zeig Euch jetzt, was Musikgeschmack ist!’. Aber Chris Spedding, der bei ein paar Liedern auf der Platte mitgespielt hat, hat mich mit seinem Gitarrenspiel und dem Umgang mit dem Instrument maßgeblich geprägt Auf der ersten Platte hatte ich Lee Hazelwood dabei, den wohl auch nicht so viele Leute kannten.

Allessandro Allessandroni war mir eigentlich vorher auch nicht so geläufig, aber das was er so gespielt hat in seinem Leben, die ganzen Aufnahmen für Morricone und so, das kennt man natürlich: die Mundharmonika bei ‚Spiel mir das Lied vom Tod’, und so.

Im besten Falle setzt man sich als Hörer mit den Leuten auseinander und kann sich dann mit so einer Platte noch viel mehr beschäftigen. Ich hab das vor einigen Jahren auch total abgefeiert, als Morrissey auf einer Platte auch Morricone als Arrangeur für einen Song benutzt hat. Ich finde so was total super.

Das hat ja auch so was von „Den Stab weiterreichen“, die Traditionen fortführen und so.

Eben. Und genau dafür ist meine Solo-Platte ja nun mal auch da. Ich erfüll' mir damit auch Träume. Am Ende, wenn keiner sich mehr an ‚Code B’ erinnern kann oder will, dann habe ich eben mit den Leuten aufgenommen, die mir etwas bedeuten, und habe nicht irgendeine Kollaboration mit den Pussycat Dolls veranstaltet.

Zu so seiner Kooperation könnte man aber bestimmt ein schönes Video drehen.

Ich hab mal ein Interview gesehen mit Pink, da hatte sie 'ne Single gemacht mit den Pussycat Dolls, und auf die Frage, warum es dazu gekommen sei, sagte sie, sie habe das schon immer mal machen wollen. Das war aber blöderweise die erste Single der Pussycat Dolls. Es ging einfach darum, einen erfolgreichen Künstler als Sprungbrett für eine neue, gecastete Supergroup zu benutzen. Das ist ja auch gelungen, aber mir liegt so was fern.

Wenn RTL dich für 'Deutschland sucht den Superstar' oder Prosieben Dich für 'Popstars – Die Punkband' haben will, bist Du also nicht dabei?

Ich sag’s dir, jede Woche kommen Anfragen, ob ich nicht bei dieser oder jener Casting-Show in der Jury sitzen wolle; auch für DSDS bin ich mehrfach angefragt worden. Meine Antworten darauf werden immer zynischer.

Als ich das letzte Mal für DSDS als Gast-Juror gefragt worden bin, da hat mein Agent die Person, die da angerufen hat, gefragt, mit welcher Chuzpe sie denn anrufen würde, und was genau sie darauf bringen würde, anzunehmen, dass auch nur der Hauch einer Chance bestehen würde, dass ich da mitmachen will.

Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, Dieter Bohlen möglichst häufig zu beleidigen, damit ich nicht mehr gefragt werde. Dabei ist es richtig langweilig, Dieter Bohlen zu beleidigen, schließlich begreift ja jeder normale Mensch, dass dieser Mann nicht gut ist.

Lass uns lieber nicht weiter über Dieter Bohlen reden. Wie ist es eigentlich, wenn Du – so wie jetzt – allein auf Tour bist. Vermisst Du dann die Ärzte?

Ehrlich gesagt nicht.

Wenn ihr gemeinsam auf Tour seid, habt ihr aber nicht jeder einen eigenen Nightliner, um euch aus dem Weg zu gehen, oder?

Neineineinein, auf gar keinen Fall. Es herrscht gerade eine geradezu widerwärtige Harmonie bei den Ärzten. Jan, Rod und ich haben ‚Jazz ist anders’ gemacht und waren danach fast zwei Jahren auf Tour mit der Platte. Da hat man dann irgendwann auch mal die Schnauze voll. Aber jetzt ist es wieder so, dass wir uns privat anrufen und miteinander Zeit verbringen wollen.

Ich hab mir Rodrigo zum Beispiel bei Abwärts angesehen, als die in Hamburg waren. Und Jan hat mich vor zwei Tagen angerufen, der hat gerade einen außergewöhnlichen Kurztrip nach Nordkorea gemacht. Jetzt haben wir Zeit, mal nur Freunde zu sein, und das ist nach all den Jahren fast schon sehr verdächtig.

Ihr müsst also nicht wie Metallica eine Band-Therapie machen?

Unsere beste Therapie war es, einfach durchzuhalten. Es gab schon so ein Tal, durch das wir durch mussten. Für mich persönlich war das, als wir die Platte 'Geräusch' gemacht haben. Das war ein echter Tiefpunkt für mich, auch als Komponist. Da sind sechs Songs von mir auf der Platte, und davon bin ich heute nur noch mit zweien zufrieden, und auch da nur so halb. Aber das ist vorbei.

Vermissen tu' ich die beiden jetzt gerade auf jeden Fall nicht. Ich liebe es, vorne auf der Bühne uneingeschränkt zu herrschen, und meine Version des Gitarrenhelden zu geben. Ich hab' eine wahnsinnig tolle Band, ich hab' eine wahnsinnig sexy Sängerin – da gibt es gar keinen Platz auf der Bühne, wo ich Rod oder Farin hinstellen könnte. (lacht)

Wie stellst Du dich jeden Abend wieder neu aufs Publikum ein?

Das ist eine sehr gute Frage, die ich mir allerdings nie stelle. Wenn Du anfängst, Sachen zu sehr zu hinterfragen, wird es kompliziert. Ich versuche immer, allem etwas Gutes für mich abzugewinnen. Ich kann nicht einfach auf die Bühne gehen und die Songs mal eben so runterbeten. Das geht sowieso nicht so gut, denn ich vergesse des Öfteren mal die Texte weil ich am Quatsch machen bin.

Frank Sinatra hatte ja einen Teleprompter.

Ich weiß! Aber da war er auch deutlich älter als ich! (lacht) ich denke auch schon über Teleprompter nach. Da könnte ich ja dann auch etwas sorgloser mit Blicken spielen und so. Manchmal machen Musiker so wahnsinnig dumme Gesichter auf der Bühne, aber das liegt daran, dass sie so konzentriert sind.

Im Englischen kann man ja Sachen wegnuscheln, aber die deutsche Sprache ist so akzentuiert, da geht das nicht. Ich hatte vor der Tour schon einen Auftritt bei der 20 Jahre Visions-Party, mit der Band meines besten Freundes. Da hab ich sechs Bela-B-Songs gespielt und gleich bei zwei den Text vergessen. Schwierig, schwierig!



Die Musikindustrie stirbt gerade. Bist Du traurig darüber?

Das klingt jetzt ketzerisch, aber das Problem daran ist meiner Meinung nach: das passiert nicht schnell genug. Dass die Plattenverkäufe zurückgehen ist nicht neu, und nach einem ziemlichen Mega-Hoch in den 90er Jahren im 21. Jahrhundert einfach rapide bergab gegangen. Die Reaktion der Musikindustrie darauf war es, die Musik einfach noch weiter zu kommerzialisieren.

In den Führungsgremien der Plattenfirmen sitzen jetzt Leute, die früher Autos verkauft haben. Ich will nicht sagen, dass früher alles besser war, aber früher waren selbst in den Major-Firmen noch wahnsinnig viele Musiker, weil man meinte, die verstehen was davon, die haben mal ein Instrument gespielt, die wissen worum es geht. Genau diese Leute gibt es kaum noch. Es geht nur noch darum, Geld zu verdienen. Und wenn das mit Platten nicht geht, dann eben mit Klingeltönen. Mit den Ärzten machen wir so Scheiß aber nicht.

Dabei würdet ihr bestimmt viele Klingeltöne verkaufen.

Wahrscheinlich würden wir das, aber das wollen wir nicht. Klingeltöne sind der Abgesang an die Kreativität. Dafür schreibe ich doch keinen Song! Mir wurde tatsächlich angeboten, als Bela B einen Klingelton zu machen. ‚Das geht doch nicht, Leute’, hab ich da gesagt. ‚Das könnt’ ihr mir nicht ernsthaft anbieten.’ Der Grund dafür war, dass Klingeltonwerbung so oft im Fernsehen erscheint, und irgendwie auch billiger ist als andere Werbezeit. Das hieße dann, dass der eigene Name dann aus Marketinggründen so und so oft im Fernsehen erwähnt würde, und das wäre dann... Aber mit solchen Sachen will ich mich doch einfach gar nicht beschäftigten!

Alternativ platziert man einen Song in so einem Prosieben-Jingle oder bei Germany’s next Topmodel. Sowas funktioniert heuzutage ja auch ziemlich gut, wie man zum Beispiel bei Emiliana Torrini mal wieder merken konnte.

Inzwischen hat sich das aber auch schon wieder geändert, meine Plattenfirma hat auch so einen Jingle geschaltet, und wir merken absolut gar nix. Ich hab neulich Prosieben angeschaltet, um den dann auch mal zu sehen, und da lief mehr Musik als auf MTV! Ich hab erst gedacht, dass sich da irgendein Musiksender einen Scherz daraus macht, oben das Prosieben-Logo einzublenden.

Erst war da ein Drei-Minuten-Interview mit Westernhagen, dann Robbie Williams, dann jede Menge dieser Jingles, und erst als dann irgendwann ein BMW-Spot kam und dann Bacardi-Werbung, da habe ich gemerkt: das ist der Werbeblock zwischen den Filmen! Es wird echt um den letzten Rest Marktanteil halt noch richtig gekämpft, und gleichzeitig feiert sich die Musikbranche quasi jeden Tag beim Echo und bei der Krone und sonstwo. Ich glaube, wenn etwas stirbt, dann kann da etwas gutes Neues entstehen.

Ich finde, dass es gerade total viel tolle neue Musik gibt. Jemand wie Jack White, zum Beispiel, der lebt außerhalb all dieser Mechanismen, der lebt wirklich die Musik. Wenn ich solche Leute sehe, dann macht mir das wirklich Hoffnung. Er ist die Spitze der Pyramide, und unter ihm gibt es Legionen von Menschen, die es genau so machen. Das ist so viel besser als all dieser Scheiß.

Ich hoffe einfach, dass sie die Musikindustrie irgendwie gesund schrumpft.

Sowohl die Fans der Ärzte als auch Deine Solo-Fans sind ja eher von der treuen Sorte. Bietet es sich da nicht an, dass ihr auch so Experimente probiert wie zum Beispiel Trent Reznor, mit Exklusiv-Online-Angeboten für Fans und Super-Mega-Special Editions und so?

Ehrlich gesagt interessiert uns das jetzt nicht so besonders.

Weil es bei Euch noch gut funktioniert, so wie es ist?

Genau. Und wenn es das nicht mehr tut, dann wird unser Manager schon mit einer guten Idee um die Ecke kommen, wie wir weiterhin Platten oder Downloads verkaufen können.

Du liegst also nicht schlaflos wach, weil Du Dir überlegst, wie Du mehr Platten verkaufen kannst?

Das nicht, aber natürlich mache ich mir über meine Platte viele Gedanken, da steckt die Liebe im Detail. Wir haben für das Cover Artwork eine wahnsinnig aufwendige Foto-Session gemacht, und das ist alles schön gestaltet, und da ist viel Musik drauf. Ich will einfach Qualität abliefern. Wenn Du mitten in der ganzen Scheiße die Segel auf Qualität setzt, dann hoffe ich, dass da eine ganze Menge Leute mit ins Boot steigen. (lacht) Das war doch philosophisch, oder?

Ich hab gelesen, dass Du eine Vorliebe für Comics und den ganzen Kram hast. Bist Du eigentlich ein Nerd, Bela?

In gewissen Sachen: ganz klar ja. Ich bin jetzt keiner, der sich auf Messen herumtreibt, und keiner, der sich in Wissenskämpfen duelliert oder so was. Aber ich habe so einen Filmemacherfreund aus Köln und wir rufen uns auch schon mal einfach nur an, um uns anderthalb Stunden über Underground-Horror-Filme zu unterhalten und über Filme abzulästern, von denen vielleicht 100 Kopien verkauft worden sind. Das ist schon ziemlich nerdig. Ich bin auch mit dem Comichändler, bei dem ich meine Comics kaufe, befreundet, das ist auch ziemlich nerdig.

Was empfiehlt der Comic-Nerd Bela B aktuell?

Ich hab jetzt gerade alte Sachen noch einmal gelesen. ‚Punisher’ mag ich, dabei ist das politisch so dermaßen unkorrekt, dass ich das jetzt nicht uneingeschränkt empfehlen kann. Das ist Pro-Todesstrafe und so einen Scheiß, und das entspricht ja nicht meiner Meinung.

Grundsätzlich sollte man sich nicht immer von den Zeichnungen verführen lassen, das war früher sicher wichtig, vor allem auf den Zeichner zu achten, aber heute finde ich, sind die Autoren wichtiger. Da gibt es einen Iren, der heißt Garth Ennis, der ist mein Lieblingsautor, von dem kaufe ich eigentlich alles. Der hat zwar auch manchmal so Ausfälle, denn er hat so eine Vorliebe für englische Kriegsgeschichte und schreibt dann zwischendurch so ganz seltsame Heldengeschichten über irgendwelche Fliegerstaffeln, das finde ich zum sterben langweilig. Das ist ohnehin ein bisschen seltsam, denn er ist noch ganz schön jung.

Der hat damals diese ‚Preacher’-Serie gemacht, die soll auch verfilmt werden, und macht auch den ‚Punisher’, seit einigen Jahren. Das ist eine der letzten Sachen, wo ich überwiegend amerikanisch kaufe, übrigens. Ich gucke fast gar keine amerikanischen Filme, aber bei Comics sind die Amerikaner, zumindest in dem Bereich, den ich gerne lese, ganz klar vorne. Mir ist gerade auch noch eine gute Empfehlung eingefallen: ‚The Walking Dead’. Davon gibt es schon zehn Bände, und ich und alle anderen warten gerade auf den elften. Ganz tolle Zombiegeschichte, wahnsinnig politisch. Da haben die Nerds was davon, genau so wie die Intellektuellen.

Und wo Du schon bei Empfehlungen bist, können wir ja gleich eine kleine Kulturkunde mit Bela B veranstalten. Welchen Film empfiehlst Du?

Der letzte Film, den ich gesehen habe, vor zwei Tagen, das war (kichert) ein norwegischer Zombiefilm: 'Dead Snow’. Der ist gerade auf DVD erschienen und hat es nicht ins Kino geschafft. In Norwegen war das aber der erfolgreichste norwegische Film der Filmgeschichte. Das ist kein normaler Zombiefilm, denn die Zombies sind keine normalen Zombies, sondern Nazi-Zombies. Das ist beinahe eine Komödie.

Findest Du es eigentlich doof, dass Zombies jetzt im Mainstream angekommen sind?

Das ist so ein bisschen wie die Frage, ob man eine Band noch toll findet, obwohl sie jetzt in den großen Clubs spielen. Als vor zehn paar Jahren Social Distortion auch in Amerika endlich Mal Gold gemacht haben, da hab ich mich gefreut, weil ich wusste, dass es die Band da noch länger geben würde. Der einzige Nachteil ist halt, dass man nicht mehr so unbeschwert zugreifen kann, wenn man irgendwo „Zombie“ auf dem Cover liest. Die Qualität ist volatil geworden.

Was macht einen guten Zombie aus?

Oh, jetzt kommt die Kardinalfrage „Schnell oder langsam“!

Genau!

Es gibt wahnsinnig lustige langsame Zombies, wobei die bei Romero zwar langsam, aber gar nicht lustig sind. Ich finde das Remake von ‚Dawn of the Dead’, das ja gar kein Remake ist, das mit den schnellen Zombies, super; das ist ein wahnsinnig guter Film.

Ich warte ja nur darauf, dass der Hype, den die Zombies jetzt erlebt haben, auch mal bei den Vampirfilmen ankommt. Da gibt es zwar jedes Jahr irgendwie einen guten Film, aber eigentlich hat das Genre eine Vitaminspritze verdient und so viel mehr als diesen ‚Twilight’-Scheiß. Ich hab neulich im Spiegel gelesen, dass Michael Schumacher die Bücher total liebt, das sei das erste Buch, dass er seit Jahren gelesen hätte. Das ist doch super, dann sind diese Leute bedient. Dann können so Leute Twilight angucken, und ich geh dann in „So finster die Nacht“.

Und zum Abschluss natürlich, schließlich bist Du Musiker, eine Musikempfehlung, bitte! Was war die letzte Platte oder der letzter Download, den Du gekauft hast?

Die Platte die ich wirklich viel gehört hab war die Dead Weather, dieses Projekt von Jack White mit der Sängerin von den Kills. Als ich gerade dachte, 'Ach hab ich genug gehört', da hab ich auf YouTube die Videos entdeckt, und da habe ich mich gleich noch mal neu verliebt. Das ist so sperrig, aber hat unter dem ganzen Schmutz so eine Pop-Attitüde, das ist schon wirklich sehr geil.



Last-Minute-Verlosung

fudder verlost drei Mal je zwei Tickets für das Konzert von Bela B. morgen Abend im Alten Güterbahnhof. Um an der Verlosung teilzunehmen, schickt einfach eine E-Mail mit dem Betreff "Bela B" und eurem Namen an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist heute, Mittwoch, der 25. November 2009, 17 Uhr. Die Gewinner werden sofort nach dem Ende der Verlosung per E-Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Bela B - Altes Arschloch Liebe (Live bei TV Total)

Quelle: YouTube

[youtube kk41BxFazZg nolink]

Mehr dazu:

Was: Bela B y Los Helmstedt (Support: Smokestack Lightnin')
Wann: Donnerstag, 26. November 2009, 20 Uhr
Wo: Alter Güterbahnhof
Tickets: 29,40 Euro
Ticket-Hotline: 01805/556656 (0,14 Euro/Minute)

[Fotos: KKT]