Interview & Foto-Galerie: Judith Hill im Kagan

Bernhard Amelung

Am Samstag ist die Sängerin Judith Hill im Kagan aufgetreten. Die Sängerin wurde einem größerem Publikum durch ihren Auftritt bei Michael Jacksons Beerdigungsfeier bekannt, bei der das Mitglied seiner "This is it"-Tour "Heal the world" sang. Bernhard hat mit ihr nicht nur über Jackson, sondern auch über ihre eigene Musik gesprochen.



Judith, Du hast auf Michael Jacksons Beerdigungsfeier im Sommer 2009 seinen Song “Heal The World” vorgetragen. Es war eine sehr bewegende Aufführung. Wie hast Du Dich dabei gefühlt?

Judith Hill: Ich stand noch immer unter Schock. Die Nachricht vom Tode Michael Jacksons ereilte uns alle ja urplötzlich. Damit hatte ich nicht gerechnet, und damit hatte auch sein enger Vertrautenkreis nicht gerechnet. Zudem war ich überrascht und überwältigt zugleich, dass ich diesen Song gemeinsam mit dafür ausgewählten Kindern vortragen durfte. Es war eine grosse Ehre und ein Zeichen des Vertrauens, das mir gegenüber erbracht wurde. Doch diese Gedanken machte ich mir erst später. Im Augenblick der Aufführung war alles sehr unwirklich für mich. Erst viel später wurde mir so richtig bewusst, was für ein Ereignis dieser Tag war und dass mir in diesem Augenblick grosse Aufmerksamkeit zuteil wurde.  

Du hast bereits an Michael Jacksons Projekt „This Is It“ als Backgroundsängerin mitgearbeitet. Wie kam es dazu? Musstest Du ein Casting durchlaufen?

In einem Casting musste ich mich nicht behaupten. Dass ich in Michael Jacksons Projektteam aufgenommen wurde, war vielmehr dem Zufall zu verdanken. In meiner Heimatstadt Los Angeles war ich schon einige Zeit als Musikerin unterwegs. Bei einigen meiner Auftritte waren auch Leute aus Michael Jacksons weiterem Bekanntenkreis anwesend. Diese haben mich weiterempfohlen und spielten Michael Jackson meine Songs vor, die ich auf meiner Website veröffentlicht hatte. Anscheinend muss ihm meine Stimme, müssen ihm meine Songs gefallen haben, denn irgendwann einmal erhielt ich einen Anruf und die Anfrage, ob ich nicht bei „This Is It“ mitarbeiten wolle.



Als man Dir mitgeteilt hat, dass Du fortan als Sängerin im Team von Michael Jackson mitarbeiten sollst, was empfandest Du? Warst Du auch ein wenig stolz auf Deine Leistung?

Stolz? Nein! Ich war viel zu aufgeregt. Zwar bekam ich schon früher das eine oder andere positive Feedback auf meine Musik, aber diese Nachricht musste ich sehr lange verarbeiten. Stell Dir doch einmal vor, dass Du einen Anruf bekommst und von da an zum Team von Michael Jackson gehörst. Da denkt man erst einmal überhaupt nichts und steht total unter Strom.

Hattest Du auch persönlich mit ihm gesprochen?

Nein, gesprochen habe ich nicht mit ihm. Wenn wir nicht gemeinsam auf der Bühne gearbeitet haben, war er stets sehr gut abgeschirmt von seinem Management und Sicherheitspersonal. Ich kann das jedoch sehr gut verstehen. Ein Mann wie er hätte doch keine ruhige Minute mehr gehabt.

Mit einer Legende zusammen zu arbeiten, wie Michael Jackson es ist, ist eine sehr bewegende Erfahrung. Was hat Dich am meisten beeindruckt?

Als Künstlerin hat mich vor allem die Professionalität und Durchorganisiertheit beeindruckt. Jeder einzelne Schritt, jede Bewegung, jeder Ton waren durchdacht. Die Anweisungen waren präzise, jeder wusste genau, was für eine Arbeit auf ihn zukam, was er zu tun hatte. An Michael Jackson selbst hat mich fasziniert, dass er ein unvorstellbar hart arbeitender Mann war. Für sein Projekt „This Is It“ hat er sich kaum Ruhe gegönnt. Zudem berührte mich seine ungebrochene Leidenschaft für die Musik, seine Freude an der Inszenierung und die Energie, die uns in den Monaten der Zusammenarbeit erfasste.

Lass uns noch ein wenig auf Deine Person zu sprechen kommen. Was war denn Deine musikalische Initialzündung?

Ich bin in einem sehr kunstoffenen und musikalischen Umfeld gross geworden. Mein Vater ist Bassist, der in sehr vielen Funkbands spielte. Meine Mutter ist ausgebildete Konzert- und Jazzpianistin. Musik spielte daher schon immer eine wesentliche Rolle in meinem Leben. Deswegen entschied ich mich auf der Junior High School und auf dem College Musik zu studieren.

Wer sind Deine grössten musikalischen Einflüsse?

Meine Eltern. Ganz eindeutig. Daneben jede Menge Jazz-Musiker. Zum Beispiel Louis Armstrong. Ich mag auch Reggae im Stile von Sly & Robbie und mag auch Lauryn Hill. Jedoch liebe ich auch klassische Musik, sowie Soul und Funk. Und die Klassiker der Motown-Ära schätze ich ebenfalls sehr.

Manch ein Journalist hat Deine Stimme mit der Stimme von Valerie Simpson (Ashford & Simpson) verglichen. Was sagst Du dazu? Wie würdest Du selbst Deinen Stil beschreiben?

Oh, machen die das wirklich? Mir wäre lieber, sie würden so etwas schreiben wie „Judith Hill klingt nach Judith Hill“. Ganz ehrlich, mit solchen Vergleichen kann ich nicht sehr viel anfangen. Das ist doch auch nur eine Momentaufnahme meiner Kunst, und anschliessend sind alle enttäuscht, weil ich nicht nach Valerie Simpson klinge.

Mein eigener Stil ist natürlich stark geprägt von meinem Elternhaus; der Funk des Vaters und die klassische Musik und der Jazz der Mutter. Und dann geht es los mit Soul, Funk, R’n’B sowie Pop. Aber auch anderen Einflüssen und Stilen gegenüber habe ich keine Berührungsängste.

Wenn Du einen Wunsch frei hättest und Du mit einen Künstler zusammenarbeiten könntest – wer wäre es?

Prince? Sting? Oder doch jemand anderes? Es gibt auch unheimlich viele Musiker, die keinen grossen Namen mitbringen, aber unglaublich viel „Soul“ haben.

Woran arbeitest Du gegenwärtig? Was sind Deine Pläne für Deine musikalische Zukunft?

Derzeit steht vor allem die Arbeit an meinem ersten Künstleralbum auf dem Programm. Das soll 2011 erscheinen. Bis dahin möchte ich noch die eine oder andere Single veröffentlichen. Daneben arbeite ich derzeit mit einem Team an einem Musikvideo für einen meiner Songs und habe den einen oder anderen Auftritt.

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Foto-Galerie: Jan Saratini

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