Interview mit Uni-Loser Felix Dachsel: "Schickt alle Bomben dieser Welt hinab auf Freiburg-Rieselfeld!"

Marius Buhl

Auf Spiegel Online schreibt Felix Dachsel als Uni-Loser über sein schlimmes Studentenleben in Freiburg, Frau E. und seine Faulheit. Nun hat er darüber auch das Buch "Abwarten und Biertrinken" veröffentlicht, aus dem er heute Abend beim Slam Supreme im Peterhofkeller liest. Im Interview erklärt er seinen Hass.



Du hast ein Buch geschrieben, in dem du darüber schreibst, wie schlimm die Freiburger Uni war, manche Kommilitonen, die Stadt. Und jetzt liest du hier aus diesem Buch. Absurd, oder?


Nein, ich mag Freiburg doch eigentlich. Ach was, ich liebe Freiburg. Es ist wunderschön, die Freiburger sind gute Menschen, sehr gute Menschen, wahrscheinlich mit die besten Menschen überhaupt. Auch politisch echt super Menschen. Das muss an der Sonne liegen.

Du hasst schon wieder.


Naja, es gab Zustände, bei denen ich nicht nur Zuneigung empfand. Aber mein Versuch war es immer, das so selbstironisch zu präsentieren, das es nicht anderen, also den Freiburgern, die Schuld gibt. Aber das kam nicht wirklich an.

Was hast du an der Uni gehasst?


Die Ästhetik. Ich sehe das Gebäude und es läuft so schwarz zu, die Regenrinne rostet vor grauem Himmel. Innen ist alles viel zu groß, es gab riesige Hörsäle. Und ich kam mir immer hilflos vor, wenn ich Probleme hatte. Es ist das alte Spiel: Der kleine Mensch kämpft gegen den großen bürokratischen Apparat. Und dann hat mir die Leidenschaft, die Action dort fehlt. Aber das ist ja mein eigenes Problem.

Und die Kommilitonen?


Da haben manche die Fragen diskutiert: Was für Praktika hast du in den Ferien gemacht? Wieviel hast du gelernt? Man wird dann in die Position gebracht, eine Meinung haben zu müssen.

Was hast du stattdessen getan?

Serien geschaut. Zum Beispiel 24 mit Kiefer Sutherland. Oder ich bin in den Schwarzwald gefahren mit dem Bus, bei einem schönen Hof ausgestiegen und habe versucht mit den Einheimischen zu reden. Dann bin ich in den Wald gelaufen. Die Zeit im Wald war die schönste.

Wäre es nicht eine Lösung gewesen, einfach mal mitzumachen im Uni-Zirkus? Post-its kaufen, ordentlich sein, sich nicht gleich rausnehmen?

Dafür hatte ich keine Energie. Nie. Jetzt habe ich mich aber gebessert. Ich habe hier ein Notizbuch vor mir liegen, da sind Post-its drin. Ich bin also kein Integrationsverweigerer. Generell finde ich es aber schwer, mich selbst zu analysieren. Ich kann schon ein paar Ursachen entdecken, aber sehe auch so viele Gründe gar nicht. Aber dafür hatte ich dann, als ich über meine Faulheit geschrieben habe, die Spiegel-Online-Kommentatoren. Die schrieben: „Geh und erhäng dich“.

Woher kommt dieser Hass?

Da ist so eine ständige Wut bei den Menschen. Vielleicht habe ich sie in ihrer Gemütlichkeit gestört. Es gibt ein berühmtes Zitat von Erich Mielke. Er sagt: „Ich liebe doch alle Menschen!“ Das will ich allen, die mich hassen, gerne sagen.

Du machst dich beständig kleiner als du bist, nennst dich Uni-Loser. Das hast du für die BZ getan, für Spiegel Online und jetzt auch noch in einem Buch. Dabei warst du auf der Henri-Nannen-Schule, schreibst für große Medien und hast eben dieses Buch rausgebracht. Die Leute hassen dich, weil du sie mit dieser Pose an der Nase herumführst.

Es ist doch positiv, mit wenig Aufwand viel zu erreichen. Die Stones machen doch auch seit Jahrzehnten dasselbe. Und zum Thema Pose: Vielleicht. Aber da würde ich sagen: Es gibt Leute, die machen ihren Lebenslauf besser, dann kann ich meinen ja auch schlechter machen.

Aber wenn man immer sagt: „Ich bin super schlecht, ich bin super schlecht“ - dann sagt man doch irgendwann: „Ich bin super gut!“

Die Sachen sind ja nicht ausgedacht, die stimmen ja. Ich habe mich da in Freiburg tatsächlich so verloren gefühlt, wie ich es schreibe. Und wenn du dann dafür gehasst wirst in den Kommentaren, kommt irgendwann die Lust, weiter zu provozieren. Weil man offensichtlich einen Nerv getroffen hat. Das Beste an meinen Kolumnen sind doch die Reaktionen der Leser, die sagen am meisten aus über den Zustand des Landes. Mit Faulheit kommen sie nicht klar.

Weil du vielleicht gar nicht faul bist.

Doch.

Du siehst dich da als Gegenspieler?


Ja.

Hat es dir bei Bewerbungen geschadet, dass du ganz offen der faule Uni-Loser warst?

Nein, nie. Nur meine Eltern wurden gefragt, ob sie sich schämen, so einen faulen Sohn zu haben. Die sagen dann aber: Hauptsache er ist gesund.

Poesie-Albumsfrage: Wo siehst du dich mit 40?

Ein Bioladen in der Wiehre, das wäre schön. Nein, im Rieselfeld. Ich habe mal einen tollen Satz übers Rieselfeld gelernt, der muss in dieses Interview: „Schickt alle Bomben dieser Welt hinab auf Freiburg-Rieselfeld“.

Planst du ein weiteres Buch?

Eins übers Abnehmen vielleicht. Oder eins über Fußball. Ernsthaft. Ich bin Eintracht-Frankfurt-Fan.

Und Freiburg?

Mit dem SC Freiburg habe ich nur Mitleid, das ist ein Mitleidsverein. Klein und unbeholfen wie ein Eisbären-Baby. Man will nicht, dass jemand dem Verein was antut, es stolpert tollpatschig und unbeholfen vor sich hin.

Slam Supreme

Der Slam Supreme ist eine kulturelle Veranstaltung Freiburger Studenten. Das Line-Up für Mittwochabend:
  • Sophie Passmann (Stand-Up Comedy)
  • Eucalypdos (Musik)
  • Felix Dachsel (Lesung)
  • Jojo Stankovic (Musik)
  • Synapsenfeuer (Impro-Theater)
  • Anna Schneider (Musik)
Der Slam Supreme findet um 20.30 Uhr im Peterhofkeller statt, für Studenten kostet der Eintritt drei Euro, für alle anderen fünf. Durchs Programm führen Laura Drzymalla und Daniel Wurzer.

Mehr dazu:

Was: Slam Supreme
Wann: Mittwoch, 29.7.2015
Wo: Peterhofkeller der Universität Freiburg [Fotos: Artur Krutsch/Piper/Promo]

[Disclosure: Moderatorin Laura Drzymalla ist auch fudder-Autorin. Über den Slam Supreme hätten wir auch berichtet, wenn dem nicht so wäre.]