Interview mit Roger & Schu: "Wir sind Rock'n'Roll!"

Bernhard Amelung

Der Topf ist tot, es leben Roger & Schu. Diese haben gerade ihr Debüt-Duo-Album "Clap Your Fingers" veröffentlicht und kommen an diesem Freitag nach Freiburg. Ein Gespräch mit Florian "Schu" Schuster über Rucksackrapper, Rückzugsräume und Genre-Schubladen.



Der "Topf" wurde oft in die Schublade des Studenten-Rap gepackt. In welcher liegen Roger und Schu?

Schu: Wir machen humorvollen HipHop. Wir gehören zu der Sorte Rapper, die auch über sich selber lachen können. Wir verstehen uns auch als Live-Band, für die der Auftritt auf der Bühne das Wichtigste ist. Wir lieben die Spontaneität, den Freestyle. Die Schublade des Studenten-Rap ist aber gar nicht mal so schlecht.

Wie geht ihr als Künstler mit solchen Verortungen um?

Es sind ja nicht wir, die sich solche Einordnungen raussuchen. Das kommt meistens von den Hörern. Wenn man in einer Schublade liegt, hat das vor allem für den Konsumenten Vorteile. Man ist leichter zu finden, als wenn man sich irgendwo dazwischen bewegt und nicht greifbar ist. Man muss aber aufpassen, dass man es sich nicht gemütlich einrichtet und künstlerisch fest fährt. Man muss auch ausbrechen.

Du und Roger macht ja seit 1992 gemeinsam Musik. Wie hält man es eigentlich so lange gemeinsam aus?

Die Grundlage unserer Zusammenarbeit ist Freundschaft. Wir waren davor schon Freunde und haben uns über den Blumentopf und andere Projekte noch besser kennen gelernt. Man braucht aber auch ein dickes Fell und eine gute Diskussionskultur.

Wie sieht das bei euch aus?

Jeder muss so seine Strategien entwickeln, um etwas zu bekommen, was er haben will. Aber letztendlich muss es der gemeinsame Musikgeschmack und die Liebe zu einem gemeinsamen Stil richten.

Das klingt sehr harmonisch. Bist du ein harmoniebedürftiger Mensch?

Ja, und zwar in dem Sinne, dass es schön ist, wenn man sich mit dem Menschen, mit dem man an einem Projekt arbeitet, auch persönlich gut versteht. Dabei kann es aber auch mal vorkommen, dass man sich zu einer Sache streitet. Zu einem Beat, einer Textzeile, solche Dinge. Ich finde, da ist es wichtig, dass man klare Ansagen macht und sich im Zweifelsfall lieber mal fetzt. Das ist ein Lernprozess, der auch bei uns eine Weile gedauert hat.

Habt ihr Rituale, die euch als Künstler zusammenhalten?

Eines ist der Wettbewerb untereinander. Wir versuchen uns gegenseitig immer zu pushen, so Battle-mäßig.

Roger & Schu - Deine Jungs / Meine Jungs

Quelle: YouTube


Eine Beziehung braucht auch Rückzugsräume. Welchen habt ihr?

Das ist definitiv der Fußball. Wir gehen gerne ins Stadion, wir spielen aber auch gerne selber. Wir schaffen uns auch Rückzugsräume mit unseren Mitarbeitern. Unser Lichtmann zum Beispiel spielt in einer Hardcore-Band auf dessen Konzerten kann man vom eigenen Musik-Ding gut abschalten.

Wie geht ihr eigentlich mit Deadlines um?

Eine Deadline beflügelt uns. Sobald sie fest steht, geben wir Gas. Ohne Deadline würden wir zwar einzelne Songs aber kein Album fertig bringen. Wir würden da auf ewig weiter arbeiten. Mittlerweile sind wir aber sehr deadlineresistent. Wir lassen uns nicht mehr von ihr verrückt machen.

Mit Keno von Moop Mama seid ihr aktuell auf Rucksackschickeria-Tour. Was verbirgt sich hinter diesem Wort?

Wir haben etwas gesucht, was uns und unsere Heimatstadt München repräsentiert. Der Rucksack sind wir. Wir verstehen uns halt als Backback-Rapper. Wir sind keine Typen, die für ein Video Frauen mit großen Brüsten und dicke Autos brauchen. Die Schickeria steht halt für München. Und unter den Rucksackrappern sind wir die Schickeria.

Das Wort Schickeria steht aber synonym für Glitzer und Glamour.

Naja. Wir sind so glamourös, wie man mit einem Rucksack auf den Schultern halt sein kann. Wir haben uns frei davon gemacht, dass ein Mensch Statussymbole braucht. Die Zeit verstreicht auf einer Casio nicht anders als auf einer Rolex. Wer unsere Shows besucht, weiß, dass wir lieber verschwitzt auf der Bühne stehen als frisch geduscht in einer Talkshow auftreten. Wir sind Rock'n'Roll.

Die Show als Belohnung für die Studioarbeit.

Definitiv. Unsere Auftritte sind frei von jeglicher Routine. Wir planen die Shows nicht durch. Sobald der erste Beat los geht, schalten wir auf Freestyle. Das macht es auch für uns spannend.

Als Rucksackrapper passt ihr gut nach Freiburg. Welche Erinnerungen habt ihr an diese Stadt?

Als Gesamtformation waren wir so oft in Freiburg, dass ich die einzelnen Besuche gar nicht mehr zusammen bringe. Unser erster Song als Roger & Schu ist außerdem vor ein paar Jahren in Freiburg entstanden. Vor unserem Auftritt im Jazzhaus hatten wir noch massig Zeit. Da wir schon oft in der Altstadt unterwegs waren, haben wir uns in die Katakomben zurückgezogen und an Songskizzen gearbeitet. Die Stunden vor dem eigentlichen Soundcheck waren der Startschuss für das, was wir heute machen.

Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow hat ja über Freiburg gesagt: "Ich weiß nicht, warum ich euch so hasse, Fahradfahrer dieser Stadt." Gibt es etwas, das euch in München so aufstößt?

Ich weiß nicht, ob jetzt die Zeit für politische Statements ist. Aber was die CSU aktuell abzieht, bereitet mir körperliche Schmerzen. Mir wird einfach nur schlecht, wenn ich diese Menschen höre, wie sie sich zu sozialen Themen oder zur Flüchtlingskrise äußern. Aber scheinbar wirken diese pauschalen Aussagen. Und das finde ich für uns als Gesellschaft erschreckend.

Verlosung

fudder verlost zwei Mal zwei Freikarten für Roger & Schu in Schmitz Katze. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit seinem Namen und Vornamen und dem Betreff "Rucksackschickeria" an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Freitag, 13. November 2015, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden am selben Tag per E-Mail benachrichtigt.

Mehr dazu:

Was: Konzert: Roger & Schu - Rucksackschickeria-Tour
Wann: Freitag, 13. November 2015, 20 Uhr
Wo: Schmitz Katze
Eintritt: Restkarten sind noch an der Abendkasse und im BZ-Haus (Bertoldstr. 7) erhältlich. [Foto: Roger & Schu/Promo]