Interview mit Rebeat Funk-Macher Ricardo Magnus: "Funk war nie fancy"

Bernhard Amelung

Seit zehn Jahren schaffen Marc Anatol Haering und Ricardo Magnus mit der "Rebeat Funk Night", eine Nische für afroamerikanische Musik der Sechziger und Siebziger Jahre in Freiburg. Vor der Jubiläumsfeier am Samstag haben wir mit Ricardo Magnus ein kurzes Bilanzgespräch geführt - und verlosen außerdem zweimal je zwei Gästelistenplätze.



Wenn du zehn Jahre Rebeat Funk Revue passieren lässt: wie fällt die Bilanz aus?

Ricardo Magnus: Ich schaue eher nach vorne, da gibt es nicht so viel Zeit für Bilanzen. Ich habe bis jetzt auch nie daran gedacht. Die Rebeat Funk Night war und ist meiner Meinung nach eine wertvolle Möglichkeit, eine spezifische soziokulturelle Etappe der afroamerikanischen Musik in Form von einer Clubnacht zu durchleuchten.  

Du legst ausschließlich Funk der späten Sechziger und frühen Siebziger Jahre auf?

 
Das ist die Zeit, in der Mein DJ-Partner Wah Wah Anatol und ich uns musikalisch bewegen. Wir beide sind trotz der gewonnenen Erfahrung der vergangenen Jahre immer neugierig geblieben, ungehörten Songs nachzuspüren und sie für uns zu entdecken. Vielleicht gehört zu dieser großen Faszination auch eine gewisse Portion Naivität dazu. Für uns ist es deshalb auch so, als ob wir die Rebeat Funk Night jedes Mal aufs Neue ausrichten.  

Was sind deine Highlights aus zehn Jahren Rebeat Funk Night?

 
Der Besuch von Größen wie Ian Wright und Jazzman Gerald, um einmal zwei unglaublich schöne Partys zu nennen. Diese Nächte waren musikalisch gesehen nicht nur wichtig und lehrreich für uns, sondern auch eine Art „Dankeschön“ unsererseits, an unsere Gäste und an diese Künstler. Disc Jockeys wie diese haben die Welt um ein Stück Musikgeschichte reicher gemacht. Dasselbe gilt auch für Tobias Kirmayer, unseren Gast am Samstag. Ich habe diesen so viel zu verdanken. Weiterhin werde ich das Konzert von Sharon Jones & The Dap Kings nie vergessen. Ach, ich habe so viele unglaublich schöne Erinnerungen.  

Gab es auch Tiefpunkte?

 
Das zum Glück nicht, nur zwei schlechte Erfahrungen. Vor sechs oder sieben Jahren wollten wir ein Konzert mit der Funk-Band „Poets of Rhythm“ veranstalten. Die Band sollte mit dem Sänger Bo Baral kommen. Während die Musiker mit dem berühmten „Poets-Bus“ anreisten und pünktlich in Freiburg ankamen, sollte Bo aus München per Flugzeug nachkommen. Doch die Stunden vergingen und weder wir noch die Band bekamen eine Nachricht von ihm. Letzten Endes mussten wir das Konzert absagen.
Die zweite Erfahrung ärgert mich noch mehr. Nach einer Party mit DJ Ben Downing aus Wales schlossen wir die Räume des Ruefetto und ließen einen Teil unseres Equipments dort stehen. Wir wollten dieses am nächsten Tag abholen. Doch als wir wieder im Ruefetto waren, mussten wir feststellen, dass irgendwelche Leute unsere zwei Technics-Plattenspieler, einen hochwertigen Mixer und auch meinen Fotoapparat geklaut hatten.  

Wie hat sich aus deiner Sicht das Freiburger Nachtleben in dieser Zeit verändert?

 
Ich bin als Musiker arbeitsmäßig viel unterwegs und bin deshalb ehrlich gesagt selten in Freiburger Clubs unterwegs. Trotzdem denke ich, dass sich das Nachtleben in der Stadt sehr zum Positiven entwickelt hat. Es gibt Diversität und Qualität und das ist das Gute daran: Jeder kann sich umschauen beziehungsweise ausprobieren und seine Lieblingsveranstaltungen besuchen. Vor allem was kleine Clubnächte unabhängiger Veranstalter betrifft, ist das Angebot um einiges größer geworden. Das finde ich gut.  

Was nimmst du dir für die kommenden zehn Jahre vor?

 
Ich denke zunächst einmal an unser Jubiläum. Da kommt noch sehr viel Arbeit auf uns zu. Sonst gilt: Funk war nie fancy und wird es nie sein, das ist auch das Attraktive für mich daran. Die Songs, die wir auflegen, wurden von Männern und Frauen produziert, die erstmal nur musikalische Ambitionen hatten. Das kann man hören und fühlen. Nicht Marketing sondern Attitude zählte.

Diese Musiker hatten für Werbung überhaupt kein Geld, oftmals noch nicht einmal für ein Album. Sie haben einfach eine Single aufgenommen und Basta. Aber diese kleinen Vinylscheiben versetzen ganze Tanzflächen in Ekstase. Was ich damit sagen will: rohen, ungeschliffenen, echten Funk wird es auch in zehn Jahren noch geben und das Funk-Publikum wird es nach wie vor schätzen. Label wie Jazzman und Tramp werden auch weiterhin vergessene Schätze aus der Tiefe heben. Die Zukunft sieht also sehr funky aus.

 

Last-Minute-Verlosung

  fudder verlost zweimal je zwei Gästelistenplätze für die Rebeat Funk Night im Rzefetto am Samstag, 9. November 2013. Um an der Verlosung teilzunehmen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff "Rebeat Funk", Eurem Namen und Eurer Adresse an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Freitag, 8. November 2013, 16 Uhr. Die Gewinner werden per E-Mail informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Mehr dazu:

Was: Rebeat Funk Night w/ Tobias Kirmayer (Tramp Records, München), Thelonious Funk, Wah Wah Anatol
Wann: Samstag, 9. November 2013, 22:30 Uhr
Wo: Ruefetto