Interview mit Ole von Tonbandgerät: "Krasse Kritiken zeigen, dass es nicht egal ist, was wir machen"

Alexander Ochs

"Heute ist für immer" heißt das Debütalbum von Tonbandgerät. Darauf lotet die Band aus Hamburg den deutschsprachigen Pop aus – und damit tritt das Quartett am Donnerstag in Schmitz Katze auf. Was Sänger Ole Specht zu den teils ablehnenden Album-Kritiken sagt, und was seiner Meinung nach die beste Sache an Konzerten ist:



Wie würdest du eure Musik einer gehörlosen Person beschreiben?

Ole Specht: Das ist richtig interessant, denn der Frage habe ich mich tatsächlich schon mal gewidmet. Es gibt von unseren beiden Musikvideos „Irgendwie anders“ und „Halbmond“ eine Version, die eine Gehörosen-Übersetzerin in Gebärdensprache übersetzt hat. Das sieht echt cool aus. Die Videos würde ich dann vorspielen.

Da bist du als einer der wenigen Interviewpartner auf diese Frage gut vorbereitet...

Nicht schlecht, oder? (lacht)

Wer sind eure musikalischen Vorbilder?

Damit haben wir uns ganz lange sehr schwer getan, vor allem am Anfang. Als wir vier, fünf Jahre zusammengespielt haben, ist uns bewusst geworden, welche Bands wir alle gut finden: Im deutschsprachigen Bereich ist das PeterLicht, sonst noch The Cure oder auch Jacooza, also HipHop, und natürlich auch Bosse, mit dem wir auf Tour waren und fünf, sechs Konzerte zusammen gespielt haben.

Ihr habt vor genau einem Jahr, im Herbst 2012, den ‚New Music Award‘ gewonnen - da wart ihr schon fünf Jahre als Band zusammen. Ein Karrierehöhepunkt für euch?

Ja, auf alle Fälle. Es waren lauter krasse Bands dabei, die wir selber total toll fanden wie Adolar zum Beispiel. Wir hatten aber ehrlich gesagt richtig Bock, das Ding auch zu gewinnen, weil das bedeutet, dass einen die Radios mal auf dem Schirm haben und dass man es da ein bisschen leichter hat. Als wir gewonnen haben, blieb die große Party zwar aus, weil ich nichts gegessen hatte und nach einem Bier müde ins Bett gekippt bin. Aber es war echt ein Höhepunkt.

Im April, ist euer Debütalbum erschienen. Wo steht ihr jetzt?

Nach dem Award haben uns tatsächlich  ein paar Radios gespielt, was für uns total krass war. Einer der ersten Auftritte nach den New Music Awards – vielleicht in Göttingen? – war richtig, richtig voll, obwohl wir vorher noch nie da gewesen waren. Und alle Leute haben den Song „Irgendwie anders“ mitgegrölt, weil sie ihn aus dem Radio kannten. Das hatten wir vorher noch nie erlebt. Das macht echt Spaß, wenn die Leute sich auf einen Song freuen.

Und sonst war es nach dem Album noch geiler, Konzerte zu spielen. Wir waren in dem Jahr superviel unterwegs, auf großen oder kleinen Festivals – egal ob wir um 12 Uhr eröffnet haben oder sogar Headliner waren. Das war ein genialer Sommer für uns.

Du hast das Radio erwähnt. Man hat euch in der einen oder anderen Kritik vorgeworfen, zu radiotauglich zu sein.

Wir haben uns da überhaupt nicht drum gekümmert. Als wir unseren Produzenten gesucht haben, sind wir nach Stuttgart gefahren – was für eine Hamburger Band ja eher ungewöhnlich ist, weil in der Hansestadt viele gute Produzenten sitzen. Auf Vorschlag des Labels sind wir zu Frank Pilsl, dem Produzenten von Philipp Poisel, gefahren. Ohne große Erwartungen.

Doch als wir die Demos angehört haben, haben wir uns total gefreut: ‚Das klingt so nach Tonbandgerät – echt toll!‘ Wir haben das nicht groß aufs Radio hin produziert. Ich bin sehr froh über das Album und finde nach wie vor: Das klingt wie die Essenz aus fünf Jahren Tonbandgerät, einschließlich Geschichten aus unserer Anfangszeit. Ich bin immer noch glücklich darüber.

In einer Rezension heißt es: „Eine perfekte, aber auch kantenlose Produktion, die Stimme stets nach ganz vorne gemischt, ein striktes Strophe-Bridge-Refrain-Korsett und Melodien aus der Weichspül-Abteilung von Aldi, fertig ist der Stadthallen-Hit. [...] Die vier Mittzwanziger machen nicht mehr als braven, ideenarmen und gefälligen Formatradio-Pop, der genauso gut aus der Konserve kommen könnte.“ Wie geht ihr damit um? Kontert ihr einfach mit Verkaufszahlen?

Ja, der Erfolg ist da. Es waren voll krasse Rezensionen dabei, aber auch richtig gute. Ich habe mich nicht geärgert, als ich sie gelesen habe, sondern fand das eher Teil der Normalität. Das zeigt ja, dass es nicht egal ist, was wir machen. Das ist mir lieber als nur schlechte oder nur positive Kritiken.

Bleibt ihr trotz solcher Kritik eurer musikalische Marschroute treu?

Auf jeden Fall. Wir machen jetzt schon die Demos fürs zweite Album. Ich glaube nicht, dass wir auf einmal Metal machen werden. Klar, das zweite Album wird auf jeden Fall anders klingen als das erste. Aber das liegt natürlich auch daran, dass wir jetzt viel erfahrener sind. Wir wissen jetzt noch viel besser, was wir machen wollen. Das ist ein Erfahrungsprozess für uns als Band. Ich wäre total unglücklich, wenn das zweite Album genauso klingen würde wie das erste.

Im November seid ihr bundesweit auf Tour. Ihr seid schon mal in Freiburg aufgetreten...

Ja, wir haben im Frühjahr Vorband für Bosse gemacht. Es war richtig schick und eine geile Stimmung, weil es total voll war wegen Bosse. (überlegt) Wie hieß denn der Laden nochmal...?

Jazzhaus – so ein Gewölbekeller.

Ja, genau!

Was für einen Eindruck hattet ihr von der Stadt?

Das war unser erster Auftritt in Freiburg. Wir sind dann abends noch um die Ecken gezogen und schön feiern gewesen. In so ’ner Studentenkneipe, die uns empfohlen wurde... (kommt nicht auf den Namen)

Was erwartet die Zuschauer bei eurem Gig?

Wir haben ja für jede Stadt eine andere Vorband ausgesucht. Die Bands konnten sich bei uns bewerben. Über 200 Bands waren am Start! In Freiburg haben wir eine richtig geile Vorband dabei, auf die ich mich total freue: Redensart. Das wird ein toller Auftritt werde, weil wir einfach Spaß haben am Live-Spielen. Es wird viel Konfetti geben, es wird viel getanzt werden. Und hoffentlich sehr viel mitgesungen werden.

Tonbandgerät: Irgendwie anders

Quelle:YouTube


 

Verlosung

fudder verlost dreimal je zwei Tickets für das Konzert von Tonbandgerät in Schmitz Katze am Donnerstag, 7. November 2013. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit seinem Namen und dem Betreff "Lieber Magnetband als mp3" an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Mittwoch, 6. November 2013, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden am selben Tag per E-Mail benachrichtigt.

Mehr dazu:

Was: Konzert von Tonbandgerät, Support: Redensart
Wann: Donnerstag, 7. November 2013, 20 Uhr
Wo: Schmitz Katze
Eintritt: 16,20 Euro (Vorverkauf zuzüglich Gebühr), 17 Euro (Abendkasse)

[Bild: Promo]