Interview mit MC Fitti: "Von Musik kann kaum noch einer Leben"

Savera Kang

Selfie-König, Hashtag-Pate, #geilon-Mogul: MC Fitti ist vieles. Aber ist er auch ein Rapper? fudder-Autorin Savera Kang hat ihn am Samstag vor seinem Konzert in Basel getroffen und versucht zu ergründen, wer hinter dem Hipster-Bart und der Spiegel-Sonnenbrille steckt:



Gehen wir raus?

MC Fitti: Ja, wir brauchen Licht. Ist so schön draußen.

Was ist es für ein Gefühl, interviewt zu werden?

Ich bin immer gespannt, was für Fragen gestellt werden.

Welche Fragen erwartest du?

Standard halt, die Bartfrage. Das ist durchgehend. Und dann so „Wie gehts dir? Was machst du noch?“.

Die doofste Frage?

Ich hab echt lang keine Interviews mehr geführt, drei Monate. Ich mach grad mein Album, mein zweites, das ich Ende Sommer raushaue. Datum weiß ich noch nicht. Aber da hab ich dann nichts zu berichten. Wüsst jetzt nicht, wovon ich erzählen sollte. Dass ich letzte Woche kegeln war mit Kumpels.

Haste gewonnen?

Mal gewinnt man, mal verliert man (lacht).

Im Oktober warst du in Freiburg. Erinnerst du dich noch daran?

Ja, war schön! Ich weiß sogar noch, in welchem Laden ... (überlegt) Hier: die Miezekatze ...

Fast.

Hä?

Schmitz Katze.

Schmitz Katze, ne? War cool. War proppenvoll. Der Laden war ziemlich breit ... aber dafür schmal ... War echt super heiß, ich weiß noch, es ist aus allen Nähten geplatzt. Hat Spaß gemacht.

 

Würdest du das, was du machst, als Rapmusik bezeichnen?

Na ja, das ist jetzt nicht klassisch Rap. Es ist schon Sprechgesang, also kann man sagen, dass es aus der Richtung kommt. Aber ich bin jetzt nicht so der Rapper irgendwie. Also ich bin schon lange in dieser Szene unterwegs, seit ich ganz klein war. Mit Graffiti, und war immer beim Battle Of The Year zum Gucken und so. Da haben Freunde und Bekannte mitgetanzt und ...

(Zwei Jungs mit Halstüchern, die sie als Pfadfinder ausweisen, kommen auf uns zu)

Pfadfinder 1: Hallo! Dürfen wir kurz stören?

MC Fitti: Wir sind grad im Interview.

Pfadfinder 1: Au! Tut mir Leid! (entfernen sich)

MC Fitti: Yo, sorry!

Passiert dir das oft?

Ja (hat den Faden verloren).

Du bist also mit HipHop-Kultur aufgewachsen.

Ja, auf jeden Fall. Und die meisten meiner Freunde kommen auch daher. Mittlerweile natürlich auch aus dem Elektrobereich und überall her. Aber es ist schon eher Rap mit ... ach, ich weiß selber nicht.

Was hat dich beeinflusst, damals, als du nur konsumiert hast?

NWA und so, Public Enemy, Beastie Boys ... äh ... natürlich auch Nirvana ...

... Michael Jackson?

Michael Jackson, Standard. Rage Against the Machine, Guns N' Roses, eigentlich alles. Ich hab mich nie so festgelegt, so „Ich bin jetzt voll der coole HipHopper“. Ich hab immer alles gehört, was ich cool fand.

Was findest du jetzt cool?

Im Moment ist natürlich ganz groß bei mir – weil jetzt der Sommer wiederkommt – Bob Marley. Hör ich gerade ganz viel. Man hat ja immer so seine Phasen, und seit ein paar Monaten höre ich immer zum Aufstehen Bob Marley. Die Playlist mit „Buffalo Soldier“ und „No Woman, No Cry“ ... heißt das so? No Woman, No Cry?

Ja.

Also alles, bunt gemischt. Natürlich auch mal Rick Ross oder mal Puff Daddy (lacht).

Also wachst du immer gut gelaunt auf?

Ja.

Verdirbt dir auch mal was die Laune?

Ja, auf jeden Fall. Standard halt: Finanzamt (lacht).

Gibts einen aktuellen Anlass?

Nee, aber immer wenn ein Brief vom Finanzamt kommt, ist's ungeil. Und die kommen immer am Wochenende und können dann schon mal schlechte Laune verbreiten. Oder ... (überlegt) ... Blitzerfoto. Ist auch immer nervig.

Fährst du auch mal euren Tourbus?

Nee, dafür hab ich keinen Führerschein, sonst würd ich den schon fahren. Lass mich mal umdrehen, dann seh ich den auch mal (dreht sich um und lacht). Schon lustig.



Wie viele Leute fahren mit?

Wir sind diesmal ein kleines Team, acht. Wir haben ihn jetzt mit zwölf Betten ausgebaut und fahren zu acht. Da kommt dann ab und zu noch mal jemand mit für ein paar Tage ... (lenkt ab). Ich bin auch schon mit 16 Leuten gefahren, und da ist volles Chaos. Aber so ist's gut: Du legst irgendwas hin und weißt, da liegt's am Morgen noch. So ist's auch schon mal ganz ruhig. Das hab ich von den Broten gelernt. Mit denen war ich ja Anfang des Jahres unterwegs, sie haben mich als Vorgruppe mitgenommen. Und da hat man gesehen, dass man's auch ein bisschen ruhiger gestalten kann. Nicht immer nur jeden Tag Vollgas, sondern auch mal Zwischengas, ne?

Anderes Thema: Wovon kannst du besser leben – Musik oder Product Placement?

Produkt Placement. Von der Musik kann ja kaum noch einer richtig leben. Es sei denn, du haust richtig die Platinplatten raus.

Eine Tour lohnt sich nicht?

Doch, das natürlich auch. Und dann Merchandise, ist natürlich auch Support. Und dann halt mit den Marken ein bisschen, ne? Diese Werbejobs, die man da hat.

Bist du noch bei WhatsApp oder schon verschlüsselt mit Threema?

Nee, ich bin noch bei WhatsApp. Ich fand das ein bisschen albern: Jeder benutzt Facebook, übers Handy, über den Laptop zuhause, auf der Arbeit, in der Schule, überall. Und dann auf einmal: „WhatsApp ist von Facebook aufgekauft, uuuuh, das ist jetzt ... Daten und alles“, ne? Die wissen eh alles. Wenn du Facebook benutzt, wissen eh alle alles.

Es ist also nicht so, dass du keine Bedenken hast, sondern du sagst, dass es jetzt eh zu spät ist?

Ja. Was soll man machen? Wenn man Facebook benutzt, dann kann man auch WhatsApp weiterbenutzen. Und diese ganzen Daten, die gehen üüüüüberall raus, ne?

Du hast heute drei Interviews und danach - hast du frei?

Ja, da hab ich frei. Ich hab 'nen Kumpel hier in Basel, den will ich nachher vielleicht auch mal treffen. Vielleicht ein bisschen Graffiti malen. Und dann hab ich ne Tätowiermaschine dabei und such die ganze Zeit noch Leute, die ich tätowieren kann in meinem Umkreis. Ich will die ganze Gang wegtätowieren. Die einen wollen natürlich nicht, aber ich bin da dran.





Wie das Konzert am Abend gewesen ist, erfahrt ihr in unserer fudder-Rezension:  

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