Interview mit Kripo-Chef Egetemaier zum Fall Armani: "Eine heiße Spur haben wir nicht, das mag sich morgen ändern"

Simone Höhl

"Wir hoffen alle, dass schnellstmöglich der Tag X kommt, an dem wir sagen: Wahrscheinlich haben wir den Täter", sagt Peter Egetemaier, Leiter der Kriminalpolizei Freiburg zum Fall Armani. "Wir sind mit Hochdruck dran, auch mit Emotionen. Das kann man nicht routinemäßig machen." Der Kripo-Chef im Interview mit unseren Kollegen der Badischen Zeitung:



Die Menschen in der Region nehmen großen Anteil an Armanis Schicksal. Hunderte Hinweise gingen bei der Soko ein und die Beamten arbeiten sie ab. Gehen Ihnen die Hinweise langsam aus?

Peter Egetemaier: Nein, gehen sie nicht. Unser Wunsch ist, dass man uns Zeit gibt. Wir wissen, das ist schwierig. Aber wir müssen sehr akribisch arbeiten und das dauert einfach. Manches kann man relativ schnell klären, anderes braucht einige Tage. Wir haben neben den Hinweisen auch Spuren aus der Kriminaltechnik, und da sind noch frische in Arbeit. Die gehen nach Stuttgart zur Untersuchung, das dauert drei bis vier Tage. Es ist halt nicht wie im Film, dass einer die Tüte auf den Tisch kriegt und fünf Minuten später Bescheid gibt. Wir sind da genauso ungeduldig wie andere auch, aber das ist eine Frage der qualitativen Arbeit. Wir dürfen uns keine Fehler erlauben.

Bekommen Sie noch neue Hinweise?

Ja, regelmäßig. Inzwischen sind es 360. Manches wundert uns – zum Beispiel, dass wir zum Ball des Jungen kaum Hinweise bekommen haben.

Warum ist dieser Fußball so wichtig?

Weil der Junge ihn besessen hat. Er hat oft gekickt und ihn bei sich gehabt. Ein Ball mit Deutschlandfahne, das war kein 0815-Stück, er war wichtig für ihn. Jetzt ist die Frage: Warum fehlt er, warum ist er nirgends aufgetaucht? Wir haben einen Hubschrauber in die Luft geschickt, nur um diesen Ball zu finden. Wir suchen immer noch.

Sie hatten einen gefunden, aber dann war es nicht Armanis Ball. Sind da auch Ermittler enttäuscht?

Wir sind alles Menschen und keine Maschinen. Wir sind es gewohnt, mit schlimmen Dingen konfrontiert zu werden, das versucht man professionell zu machen. Aber Tötungsdelikte, speziell die Tötung eines unschuldigen Kindes, das hat auch für uns eine andere Dimension. Die Motivation aller, diesen Fall zu klären, ist extrem hoch. Da ist nichts von Torschlusspanik, nichts von Resignation oder übergroßer Euphorie. Das Uhrwerk läuft. Und wir hoffen alle, dass schnellstmöglich der Tag X kommt, an dem wir sagen: Wahrscheinlich haben wir den Täter. Wir sind mit Hochdruck dran, auch mit Emotionen. Das kann man nicht routinemäßig machen.


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[Foto: Ingo Schneider]