Interview mit Karim Guédé vom SC Freiburg: "Fußball ist Fußball, Tanz ist Tanz"

Manuel Lorenz

Er gewann als Jugendlicher fast einen Tanzwettbewerb und trat mit zwei Beatboxern in Hamburger Clubs auf: der Mittelfeldspieler Karim Guédé vom SC Freiburg. fudder-Redakteur Manuel Lorenz hat sich mit ihm unterhalten – über Tanz, Musik und das Jugendtreff Hamm:

 

Karim, welche Rolle spielt Musik in deinem Leben?

Karim Guédé: Eine große. Wenn ein Tag 24 Stunden hat, höre ich 28 Stunden davon Musik.

Was hörst du gerade besonders gerne?

„Can’t Hold Us“ von Macklemore und Ryan Lewis featuring Ray Dalton. Ich kann’s dir mal vorspielen ...

Karim holt ein weißes iPhone aus der Tasche und legt es auf den Tisch. Er wählt ein Lied aus und drückt auf Play.  Musik dringt aus dem kleinen Lautsprecher. Brasilianisch anmutende Trommeln, soulige Klavierriffs, US-amerikanischer Sprechgesang. Karim nickt mit dem Kopf im Takt.

Den Song höre ich momentan gerne vorm Spiel.

Und sonst so?

Als ich mich auf die Saison vorbreitet  und jeden Tag trainiert hab’, habe ich einen anderen Song hoch und runter gehört: „I Am Boss“ von US-Rapper Rick Ross. In letzter Zeit habe ich auch viel Miguel gehört –  „Sure Ting“, „Adorn“ ...

Was hörst du beim Joggen?

House-Musik. Wegen des schnellen Takts: Bopp, bopp, bopp, bopp. Da bewegen sich die Beine wie von selbst. Andere Musik bringt mich dabei leicht aus dem Rhythmus.

Wer sind deine Musikhelden?

Ich hab keine. Aber bei Jay-Z und Kanye West sag ich: Die beiden haben’s drauf – Kanye West auch als Person.

Gehst du auf Konzerte?

Früher, in Hamburg, bin ich ständig auf Konzerte gegangen, hab keins ausgelassen – die waren mir sogar lieber als Partys. Zum Beispiel von den Black Eyed Peas. Die waren damals noch null berühmt, haben vor 300 Leuten im Gruenspan auf der Reeperbahn gespielt. Heute füllen sie Hallen.

Was war dein letztes Konzert?

Witzigerweise auch die Black Eyed Peas, vor genau drei Jahren in der O2-Arena in Prag. Seitdem hab’ ich leider keine Zeit mehr dafür gefunden. Ich hab’ aber gehört, dass Bruno Mars im Herbst durch Deutschland tourt. Der macht zwar keinen Hiphop, den würde ich aber trotzdem mal gerne live sehen.

Hamburg, wo du geboren und aufgewachsen bist, war in den 90er Jahren  ja ein Deutsch-Rap-Mekka – Fettes Brot, Absolute Beginner, Dynamite Deluxe, Fünf Sterne deluxe.

Bei uns war Samy Deluxe angesagt. Wir haben uns auch ein paar Mal persönlich gesehen. Einer meiner Kumpels, Alberto, hat viel mit Samy zusammengearbeitet. Ich war mehr auf Fußball fixiert,  er mehr auf Musik. Und jeder von uns hat dann halt sein Ding gemacht.



Jugend im Hamburg: Wie muss man sich das vorstellen?

Bei mir um die Ecke gab’s den Jugendtreff Hamm – das gibt’s, glaub ich, immer noch. Da haben wir rumgehangen, gechillt, Zeit totgeschlagen, Billiard und Tischtennis gespielt, Musik gemacht und getanzt.

Hast du da deine Tanzkünste gelernt?

Das weiß ich gar nicht mehr so genau. Meine Mutter hat auch immer schon getanzt – zuhause, beim Aufräumen, beim Wäschemachen. Irgendwann haben wir eine Tanzgruppe gegründet – ich, zwei andere Jungs und drei Mädchen. Wir waren 16, 17, 18 Jahre alt, alles Kinder von Afrikanern und Italienern, weswegen wir uns „Afrilianos“ nannten. Wir dachten uns Choreografien aus, fuhren auf Hiphop-Battles, traten beim Hafengeburtstag und beim Alstervergnügen auf.

Und 2004 hast du bei den Newstyle-Tanzmeisterschaften in Hamburg den zweiten Platz gewonnen – das steht jedenfalls in der Wikipedia.

Richtig. Das war ’ne lustige Sache. Wenn man jung ist, denk man nicht soviel nach und macht einfach. Und plötzlich steht man im Finale.

Wie lange hast du das  dann noch gemacht?

Bis kurz bevor ich 2005 beim Hamburger SV anfing. Ab dann hab’ ich nur noch Fußball gespielt.

Wäre die Karriere als Tänzer für dich eine Alternative gewesen?

Vielleicht. Ich weiß aber nicht, ob ich damit glücklich geworden wäre. Mein Traum war ja immer, eines Tages in der Bundesliga zu spielen – von klein auf. Beim Tanzen gab es ja nie ein konkretes Ziel.

Hast du beim Tanzen irgendetwas gelernt, was dir im Fußball geholfen hat?

Ja. Dass man in gewissen Situationen locker bleiben muss und sich nicht verkrampfen darf.

Und man lernt, den Gegner auszutanzen – siehe die Brasilianer.

Na ja. Man ist vielleicht ein bisschen geschmeidiger. Aber eigentlich ist Fußball Fußball und Tanz Tanz.

Und Musik? Vor zwei Wochen hat der SC Freiburg   an einer Probe des SWR-Sinfonieorchesters teilgenommen. Und du durftest bei der Gelegenheit auch mal dirigieren.

Das war schon cool, wie man die Instrumente leiten kann: leise, laut, langsam, schnell. Die Geigen, die Celli, die Flöten, die Pauken. Das ist wie im Fußball: der Torwart, die Abwehr, das Mittelfeld, der Sturm. Die müssen alle eine Verbindung haben. Wenn es die nicht gibt, läuft’s halt nicht. Und auch beim Fußball gibt es ein Tempo, in dem man den Ball spielt. Der Dirigent ist der Trainer, der das Tempo angibt und motiviert.

Bei der Nicht-Abstiegs-Feier des SC Freiburg im April 2012 hast du dir das Mikro geschnappt und spontan gebeatboxt. Woher kannst du das?

Von meinen Jugendfreunden Alberto und Aras. Nach der „Afrilianos“-Sache sind wir zu dritt in Clubs aufgetreten und haben an Battles teilgenommen. Die beiden haben gebeatboxt, ich habe dazu getanzt. Wenn du die ganze Zeit mit zwei Typen unterwegs bist, die beatboxen, lernst du’s automatisch.

Wenn ihr am Samstag gegen Schalke gewinnt und es in die Champions-League-Play-offs schafft: Gibt’s dann die nächste Beatbox-Einlage?

Ich kann’s nicht versprechen. Momentan kommt bei mir erst mal der Fußball. Und was auf der Feier passiert, passiert auf der Feier.

Karim Guédé - Beat Box Boy

Quelle: YouTube


Karim Guédé

Der 28-jährige Fußballer ist in Hamburg geboren, wo er auch seine Kindheit und Jugend verbrachte. Von 2006 bis 2011 spielte er in der ersten slowakischen Liga. 2012 wechselte er zum SC Freiburg, wo er im defensiven und offensiven Mittelfeld sowie im Angriff eingesetzt wird. Er besitzt einen deutschen und einen slowakischen Pass; 2006 war er im Kader der togoischen Nationalelf, gegenwärtig spielt er mit der Slowakei in der WM-Qualifikation.

Mehr dazu:

[Fotos: Benedikt Nabben]