Interview mit Julian Maier-Hauff: "Nur bei Live-Musik hast du die pure Freiheit"

Marius Notter

Trompete, Posaune, Tuba und Saxophon - all diese Instrumente beherrscht Julian Maier-Hauff in Perfektion, doch das reicht ihm nicht: Der Künstler aus Lahr, der bereits mit Irie Révoltés auf Tour war, kombiniert diese Instrumente mit elektronischer Live-Musik. Wie das funktioniert und wie ihr Karten für sein in Freiburg einzigartiges Straßenbahn-Konzert gewinnen könnt:



Julian Maier-Hauff stammt aus Lahr, hat an der Hochschule für Musik studiert, wechselte vor einem halben Jahr nach Basel und wohnt mittlerweile in Freiburg. Er spielt Trompete, Klavier, Posaune, Tuba und Saxophon und war bereits mit der HipHop-Ska-Band Irié Revoltès als Trompeter auf Tour. Mittlerweile hat er sein Repertoire an Instrumenten um eine Loopstation und analoge Geräte zum produzieren elektronischer Musik erweitert.


Du bist ein professioneller Musiker, was hat dich dazu verleitet, Musik aus Computern zu produzieren anstatt weiterhin deine Instrumente zu spielen?

Klassische Genres wie l Jazz mag immer noch, aber ich stehe nicht mehr so auf dieses Line-Gepfuddel. Wer ist der schnellste und wer ist der Beste - damit kann ich nichts mehr anfangen.
Ich habe schon während de Schulzeit in einer  Big Band gespielt, dann in Funk Bands und so weiter, aber ich hatte schon immer riesig Bock auf Beats – nur leider kam ich mit Softwares einfach nicht klar. Weil ich allerdings weiterhin Lust drauf hatte, Beats zu produzieren, habe ich Geld gespart und und in analoge Drum-Machines, eine Loopstation und weiteres Equipment investiert.

Deine Instrumente liegen also in der Ecke?

Nein auf keinen Fall, eben das mach’ ich ja nicht. Ich implementiere Trompete und Saxophon Live in mein Set. Das verschafft dem Zuhörer einfach einen engeren Draht zur Musik und dem DJ. Durch die Instrumente kommt die elektronische Musik noch näher an die Leute ran, weil die Menschen die Instrumente kennen und verstehen. Denn sind wir mal ehrlich, den meisten Leuten ist nicht so ganz klar, was dort oben hinter den DJ-Decks so geschieht. Beispielsweise kommen bei meinen Sets zum Teil immer noch einige Gäste und Fragen, was für ein Stück ich gerade spiele.

Welche Sounds benutzt du am meisten, was sind deine Lieblinge?

Also erstmal habe ich ja meine Grund-Sounds selbst gebastelt: Die Kick, die HiHat, Snare, all das habe ich so getuned, dass es das schafft, was jeder Künstler braucht: einen eigenen Sound, der nicht austauschbar ist. Dann bin ich durch den Wald gerannt und habe Sounds gesammelt, habe Wasser in einen Metalleimer gefüllt und dagegen geschlagen und aufgenommen. Da habe ich eine gewisse Soundpalette, die ich allerdings sehr oft austausche und erweitere, weil ich immer wieder die neue Herausforderung brauche und auch suche.

Hast du musikalische Vorbilder, die deinen Sound beeinflussen?

Ich bin großer Bonobo-Fan, aber auch eigentlich nur, weil er mit jedem Track ein anderes Genre schafft und sich selbst keine Grenzen setzt. Ansonsten hole ich mir meine Ideen aus wirklich allen Musikrichtungen, zum Beispiel aus Irish Folk.



Folk und elektronische Musik - wie passt das zusammen?

Dazu muss man wissen, wenn ich Musik höre, dann achte ich darauf, welche Rolle dieses Instrument im Ganzen hat. Für einen Laien-Höhrer ist eine Geige ein rein klassisches Instrument. Aber im Folk kann die Geige mit einer Line den ganzen Song prägen. Ich versuche zum Beispiel mit der Trompete genau so einen Sound zu kreieren, um diesen dann in ein Set einfließen zu lassen. Es gibt ja bereits Künstler wie Klingande und AKA AKA feat. Tahlstroem die Live-Instrumente mit elektronischen Beats kombinieren und damit seit Jahren erfolgreich sind.

Ist es dein Ziel, in diese Richtung zu gehen?

Ich will in erster Linie mit meiner Musik Emotionen transportieren. Ich will aber auch Strukturen aufbrechen: Dieses "DJ plus Trompete" oder "Live-Act plus Instrument" muss aufgebrochen werden. Ich will aber, dass die live eingespielten Instrumente sich in der Musik verlieren, ein Teil davon werden und nicht einfach nur den Beat bedudeln, mit einem Solo oder ähnlichem.
Ich will da einen Sound kreieren, bei dem es auf jeden Part und jedes Instrument ankommt und kein "entweder oder" möglich ist.

Ein DJ-Set zu spielen ist also keine Option für dich?

Nein, gar nicht. Da hast du eine begrenze Anzahl an Tracks die du mischen kannst, höchstens zwei oder drei. Das ist gar nicht mein Ding, das schränkt mich zu sehr ein. Ich will die Leute musikalisch irgendwo hin mitnehme,n wo sie sonst nicht hingehen würden. Das kann Dub-Techno, Trance oder sonst etwas sein. Einfach etwas Unerwartetes, Ausgeflipptes. Das ist eben der große Vorteil an Live Sets: Du hast die pure Freiheit und kannst viel besser auf die Leute eingehen. Die größte Gefahr die dadurch entsteht, ist dass ich zu viel in die Songs bzw. Live-Sets packe, denn die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt.

Du bist gerade erst von Mannheim nach Freiburg gezogen -  zwei sehr unterschiedliche Städte. Was hat dich an Freiburg überzeugt ?

In Freiburg gib es eine starke Konzert-Kultur. Viele junge Leute gehen hier auf Live-Konzerte, das finde ich schon mal ziemlich hip und gut! Zudem hat Freiburg einfach eine richtig große elektronische Musik-Szene – aber eben nicht nur. Mit Äl Jawala hast du eine Weltmusik-Ecke, dann sind da auch die Jungs von Otto Normal die Hiphop machen, und alle beide sagen: „Hey das is Freiburg, das is unsere Base, hier gefällt es uns!“ Das macht Freiburg zu einem coolen Ort, um als Künstler zu leben und zu produzieren.

Was ist das größte Lob für dich?

Das größte Lob für mich ist, wenn ich Menschen mit elektronischer Musik begeistern kann, die eigentlich nur auf Live-Konzerte gehen und mit elektronischer Musik eigentlich nichts am Hut haben. Davon abgesehen freue ich mich natürlich darüber, wenn ein DJ mein analoges Live-Set abfeiert, denn das ist ja schon etwas anderes als das, was sonst an einem normalen Klubabend geht in Freiburg. Ich will, dass die Leute ein Live-Set mögen, weil es richtig gut gespielt ist und nicht nur, weil es ein Live-Set ist. Mein Ziel ist es, live so geil zu spielen, als ob es von der Platte käme.

Was ist die größte Herausforderung für einen Live-Act ?

Falls die Crowd nicht will, kannst du als DJ einen Hit spielen, der die Leute in Tanz- und Partystimmung bringt. Diese Chance hast du als richtiger Live-Act nicht, da musst du mit spontanen Ideen und deinen Sounds überzeugen. Falls die Stimmung aber offen und gut ist, hast du als Live-Act eben alle Möglichkeiten.

Ein Live-Set ist wie Kochen: Du kannst die geilsten Zutaten in deine Mikrowelle reinstellen und dann wird’s auch warm, oder du schleppst jedes Mal deinen Grill mit und dann wird’s richtig geil! Ich mag einfach keinen leuchtenden Apfel auf der Bühne, das ist nicht mein Ding.

Du bist also kein Fan von virtuellen Musikprogrammen wie AbletonLive ?

Nein eigentlich nicht, aber klar kannst du da auch sehr sehr viele coole Musik rausholen. Ich mag aber auch keine Laptops auf der Bühne, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass beispielsweise auf Festivals schnell mal Backing-Tracks und andere Samples lieber vom Computer gespielt werden, anstatt die Tracks für Live-Auftritte umzuarrangieren. Man kann das schon machen, aber dann sollte man bitte auch den Laptop vorne auf die Bühne zu stellen, um zu zeigen, was für eine Rolle dieser bei der Live-Show hat. Alles andere ist nicht fair dem Hörer gegenüber – finde ich.

Bleibst du deshalb bei analoger Musik ?

Ich bleibe dort weil ich den Sound mag und weil ich damit zeigen kann: Ich bin raus!

HOME! - Julian Maier-Hauff (Improvised Live Act Performance)

Quelle: Soundcloud


Verlosung:

Am 9. April 2015 um 22 Uhr spielt Julian Maier-Hauff im Rahmen seiner Aktion "Abgefahren" zwei Stunden ein exklusives Live Set im Straßenbahn-Partywagen der VAG. Die Tickets für diese Aktion sind nicht käuflich, sondern nur zu gewinnen.

Fudder verlost zehn Plätze für "Abgefahren" am 9.4.2015. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit seinem Namen und Vornamen und dem Betreff "Abgefahren" an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Mittwoch, der 1. April 2015, 12 Uhr. Die Gewinner werden am selben Tag per E-Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.




Mehr dazu:

Was: "Abgefahren" Live Act Performance von Julian Maier-Hauff
Wann: 9. April 2015, 22 Uhr
Wo: Partywagen der VAG
Eintritt: Nur per Verlosung