Interview mit Judoka Patrycia Szekeli: "Bronze zu verlieren, war ein doofes Gefühl"

Sara Feickert

Die 15-jährige Patrycia Szekely hat bei ihrer ersten Weltmeisterschaft im August innerhalb der letzten drei Sekunden Bronze verpasst. Im Interview erzählt die Judoka, die seit zwei Jahren in der Nähe von Heidelberg eine Sportschule besucht, wie ihr Trainingsalltag aussieht.

 
Patrycia, bei der U18-WM in Miami hast du in den letzten drei Sekunden die Bronzemedaille verpasst. Was war das für ein Gefühl?

Patrycia Szekely: Das war ein doofes Gefühl. Ich war erstmal enttäuscht, fand das Ergebnis dann aber mit der Zeit okay. Der fünfte Platz ist auch schon was.


Wann hast du angefangen, Judo zu machen?

Vor zehn Jahren, also mit fünf. Mein Onkel hat mich damals dazu gebracht. Er hat selbst Judo als Leistungssport betrieben. Meine Mutter auch - die hat sich sogar mal für die Olympischen Spiele qualifiziert, konnte aber wegen einer Verletzung nicht antreten. Auf jeden Fall hat mir Judo sofort gefallen, und ich würde mich wieder dafür entscheiden, wenn ich könnte.

Hast du auch mal andere Sportarten ausprobiert?

In der Schule mal Basketball oder ähnliches. Das macht mir zwar Spaß, aber mein Favorit ist Judo. Vielleicht bin ich auch einfach etwas zu klein für Basketball.

Wie sieht dein Alltag in der Sportschule aus?

Morgens habe ich zwei- bis dreimal die Woche Training, also Frühsport. Danach gehe ich in die Schule, komme nach Hause, esse und mache für ein, zwei Stunden meine Hausaufgaben. Dann gehe ich wieder ins Training. Anschließend bin ich für den Tag meistens fertig mit meinem Programm.

Abends kann ich dann schauen, was sich so findet. Mal unternehme ich was mit Freunden oder quatsche einfach mit meiner Zimmernachbarin. Es gibt aber auch Phasen, in denen ich jeden Tag zweimal Training habe. Dann ist das mit der Freizeit etwas schwieriger. Insgesamt habe ich wenig Freizeit, fühle mich aber nicht eingeschränkt. Der Sport ist mir so wichtig, dass ich es gerne hinnehme, wenn ich mal weniger Zeit für andere Dinge habe.

Was war das aufregendste, das du durch den Sport erlebt hast?

Das war auf jeden Fall meine erste Weltmeisterschaft. Auch finde ich toll, dass ich viele Freunde aus verschiedenen Ländern habe. Ich war auch neben der Weltmeisterschaft viel unterwegs. Dieses Jahr war ich in Brasilien, letztes Jahr in Tschechien, Polen und Russland. Es ist einfach ein anderes Gefühl, wenn ich irgendwo zum Kämpfen hinfahre. Das hat zwar nichts mit Urlaub zu tun, aber trotzdem sammelt man sehr viele Eindrücke und macht neue Erfahrungen. 

Das klingt toll! Willst du dein ganzes Leben lang als Leistungssportlerin arbeiten?

Mal sehen, ob das klappt. Ich möchte auf jeden Fall etwas mit Sport machen. Aber Extremfälle kann man nie vorhersehen. Beim Judo konzentriere ich mich sehr auf das eine Ziel, den einen Sieg. Wenn irgendwas passieren würde – was ich nicht hoffe –, wüsste ich erstmal nicht weiter. Ich konzentriere mich die meiste Zeit so stark auf die Wettkämpfe und das Training, das ich alles andere drumherum vergesse. In naher Zukunft will ich weiter beim Judo bleiben. Das macht mir Spaß, und ich kann da sehr viel mitnehmen.

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  [Foto: Sabau]