Interview mit Henrik Springmann: Kunst ohne Grenzen

Bernhard Amelung

Das Kunst-Event "2Sekunden" will am kommenden Samstag im Auditorium Genregrenzen überwinden. Dahinter stehen der Freiburger Nachtmacher Jan Ehret und der Galerist Henrik Springmann. Springmann will in Zukunft im Veranstaltungsbereich noch stärker aktiv werden und dabei Menschen unterschiedlicher Szenen ansprechen. "In Freiburg wird der Zeitgeist zu wenig reflektiert", urteilt der Galerist. Welche Visionen er hat, erzählt er im fudder-Interview:



Herr Springmann, zusätzlich zu Ihrer Tätigkeit als Galerist treten Sie immer wieder auch als Veranstalter in Erscheinung Ist Ihnen zu wenig los in Freiburg?

Henrik Springmann: Ja und nein. Das Angebot an Veranstaltungen ist sehr groß in Freiburg. Gerade in der Innenstadt wandert man oft wie durch einen dichten Plakatwald, der unzählige Events bewirbt. Dabei handelt es sich jedoch meist um Clubveranstaltungen, also reine Partys. Mir persönlich fehlen jedoch Veranstaltungen, auf denen mit verschiedenen Kunstgattungen gearbeitet wird, sei es nun bildende Kunst und Musik, Film und Musik, und so weiter. Was das betrifft, wird in Freiburg der Zeitgeist zu wenig reflektiert.

Warum ist dies Ihrer Ansicht nach der Fall?

Mein Eindruck ist, dass Freiburg vielmehr ein Rückzugsgebiet ist als ein Ort, an dem man sich Input für künstlerisches und kulturelles Schaffen holen kann. Dies hat natürlich auch seine Vorzüge. So lassen sich die Szenen dieser Stadt nicht stets von jedem neuen Hype vereinnahmen. Andererseits geht diese Einstellung mit einer schon fast ablehnenden Haltung gegenüber Zeitgeisterscheinungen einher, ob das nun in der Mode, der bildenden Kunst oder der Musik ist. Wer diesbezüglich in Freiburg etwas auf die Beine stellen möchte, hat es sehr schwer.

   

Oder er wandert ab, wie es beispielsweise Gregor Sütterlin getan hat, der als DJ Rampa mit seinem Label keinemusik erfolgreich von Berlin aus operiert, oder wie Oliver Rath.

Ja, das ist unbestritten der Fall. Kreative und unruhige Individualisten haben seit jeher den Drang, aus Freiburg rauszugehen. Im Exil allerdings kommt ihnen die Freiburger Herkunft zugute. Sie finden auf „Freiburger Treffs“ wie beispielsweise in der Bar Tausend zusammen, wo es zu einem Austausch, zu einem Miteinander kommt. Mein Traum für Freiburg ist, dass es in dieser Stadt über kurz oder lang ebenfalls einen Ort gibt, an dem sich Kontakte gegenseitig befruchten. Und vielleicht gibt es irgendwann auch einmal ein kleines Festival, das Urban Art, elektronische Künste und Musik vereint und auf dem so namhafte Künstler wie Banksy ausstellen.

 

Banksy? Wie holt man so jemanden nach Freiburg?

Auf Grund guter Kontakte nach London und Paris, aber auch zu den Organisatoren und Ausstellern der Kunstmesse Berliner Liste hätte ich die Möglichkeit, Veranstaltungen mit Werken dieser Künstler auch in Freiburg auszurichten. Ich denke, dass man Ausstellungen mit Künstlern dieser Größenordnung durchaus auch in Freiburg durchführen kann. Und mit den Veranstaltungen im Auditorium der Jazz und Rock Schulen versuche ich, diese Nische in Freiburg zu besetzen und eine neue Nachfrage zu wecken.

 

Das bedeutet konkret?

Im Idealfall gelingt es mir und meinen Mitstreitern, genau diesen Szene- und Generationenmix zu erzeugen. Das heißt: Durch das Label Urban Art fühlen sich kunstbegeisterte Menschen angesprochen, die vielleicht noch nie oder schon lange nicht mehr einen Club betreten haben. Das musikalische Angebot zielt auf den Musikliebhaber ab. Und da wir uns außerhalb eines reinen Clubkontextes bewegen, bieten wir den Menschen einen Ort an, der genau dieses Miteinander und diesen Austausch ermöglicht. Nur so lernt man doch auch Leute außerhalb seines Kreises kennen.

Das stelle ich mir sehr schwer vor. Was das Ausgehen betrifft, scheinen sehr viele Freiburger träge und stets an einen ganz spezifischen Club gebunden zu sein.

  Deshalb stehen und fallen Veranstaltungen in Freiburg vorwiegend auf Grund nicht vorhandener Orte und Räumlichkeiten. Während in London, Paris oder Berlin sich kein Mensch darüber beschwert, für eine Veranstaltung auch eine halbe Stunde Anfahrt in Kauf zu nehmen, muss in Freiburg alles zentral sein. Bereits Orte wie das E-Werk sind vielen Menschen zu weit weg, so dass das Organisieren eines Events zum Experiment wird. Das verstehe ich nicht.

Und wie wollen Sie das ändern?

Diese Frage ist berechtigt, denn wir als Veranstalter tragen nun die Beweislast, dass wir’s hinbekommen, die unterschiedlichsten Szenen zu mobilisieren und an einem Ort zusammenzuführen. Dass uns das in der Vergangenheit ein ums andere Mal gelungen ist, gibt uns Mut und lässt uns zuversichtlich auf kommenden Samstag blicken. 'Sei Göttlich', die herakut-Aftershowparty in der Mensabar hat gezeigt: wir können Urban Art und Club zusammenführen. Eine Patentlösung, mit der man alle Unwägbarkeiten abdecken kann, hat man als Veranstalter jedoch nie in der Hand.

Zusammen mit Jan Ehret vom Klub Kamikaze unterhalten Sie auch die Agentur 'Ehret & Springmann: Büro für Kunst und Kultur'. Was hat es damit auf sich?

Das Büro stellt gewissermaßen den gedanklichen Überbau für unser Projekt dar, mit dem wir namhafte Künstler und Musiker nach Freiburg holen möchten. Jeder der Beteiligten bringt seine Qualitäten ein. Mein Hauptaugenmerk liegt dabei aber deutlich auf der bildenden und darstellenden Gegenwartskunst, der Urban Art. Dafür steht ja auch die Galerie Springmann...

...die für kurze Zeit eine Dépendance in der Grünwälderstraße hatte. Warum sind Sie von dort weggezogen?

Der Raum in der Grünwälderstraße war unsere Galerie für Gegenwartskunst. Doch Gegenwartskunst findet nun einmal in der Metropole statt. Deshalb haben wir diese Räumlichkeit in Freiburg aufgegeben und sind mit der Galerie nach Düsseldorf gezogen. Von dort geht es für uns noch in diesem Jahr weiter nach Berlin und Paris, wo wir zwei Galerien eröffnen werden. Das Elektro-Pop-Projekt 2Sekunden, das am kommenden Samstag im Auditorium auftreten wird, spielt in Paris auch zur Eröffnungsfeier.

Und was ist ihre Vision für Freiburg?

Wie bereits mehrfach angedeutet, wünsche ich mir für Freiburg einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen, um sich etwas Neues, neue Kunst oder neue Musik, zeigen zu lassen. Im besten Fall kommt es zum Gedankenaustausch und zur gegenseitigen geistigen Anregung.  

Zur Person


Henrik Springmann
, Jahrgang 1965, geboren und aufgewachsen in Freiburg, führt in zweiter Generation die Traditionsgalerie des Gründers Josef Springmann, die er seit Ende der Neunziger Jahre auf internationale Gegenwartskunst und Urban Art ausrichtet. 2010 eröffnete er eine Dépendance in Düsseldorf, mit der er noch in diesem Jahr an die Standorte Berlin und Paris umziehen wird.

Mehr dazu:

Was: 2 Sekunden live, Herakut, Jan Ehret und Chris Milla
Wann:
Samstag, 17. März 2012, ab 22 Uhr
Wo:
Auditorium der Jazz und Rock Schule Freiburg
Eintritt:
7 Euro