Interview mit Freiburger Meer-Aktivist Daniel Bichsel: "Nicht jede Gurke muss in Plastik eingeschweißt sein"

Kerrin Klüwer

"Ein Meer aus Plastik" heißt der Film, der am Freitagabend im Rahmen des Water Festival Freiburg gezeigt wird. fudder hat mit Daniel Bichsel, einem der Initatioren, über die Verschmutzung der Meere, Plastikmüll und Aktivismus gesprochen.

Warum ist Plastik eine Gefahr für unsere Umwelt?

Daniel Bichsel: Da gibt es viele Gefahren. Im Meer hat das Plastik einen ganz großen Einfluss auf die Lebewesen. Dadurch, dass ich Freitaucher bin, sehe ich jedes Mal, wie Plastik die Umwelt beeinflusst. Zum Beispiel, dass Schildkröten irgendwelche Plastikteile in ihrem Körper verwachsen haben, oder dass Fische sterben, weil sie in Fischernetzen hängen bleiben.

Ein weiteres Problem ist Mikroplastik. Das wird durch Lebewesen aufgenommen, kann so zu Stoffwechselveränderungen führen und gelangt in die Nahrungskette von anderen Tieren. Im Endeffekt landet es wieder bei uns. Und dan gibt es noch viele Folgen von Müll und Plastik im Meer, die wir noch gar nicht absehen können.

Wie bist du in die Entstehungsgeschichte von "A Plastic Ocean" reingekommen?

Daniel Bichsel: An der Entstehungsgeschichte bin ich persönlich gar nicht beteiligt. Wir sind da reingekommen, weil ich letztes Jahr mit ein paar Kollegen die Initiative Water Festival Freiburg gegründet habe. Das ist ein Kultur- und Innovationsevent mit dem Thema "Gesunde und Saubere Ozeane" in Freiburg. Die Idee war von Anfang an mit Filmevents zu starten und "A Plastic Ocean" ist natürlich ein toller Film dafür, weil er eine große Produktion ist. Die Producerin hat vorher bei BBC gearbeitet und irgendwann festgestellt, sie will was anderes machen! Ene Leidenschaft für den Ozean und die Umwelt haben sie dann diesem Film gebracht. Es war Mammutprojekt, von der Idee bis jetzt zur Veröffentlichung, waren es acht Jahre.

Was soll aus dem Water Festival Freiburg dann später mal werden?

Daniel Bichsel: Wenn ich in die Zukunft schaue ist meine Vision ein Kultur- und Innovationsprojekt über zwei, drei Tage, wo Menschen aus der ganzen Welt zusammenkommen. Verschiedene Interessensgruppen mit der Idee: Hey, wir wollen auf den Ozean aufpassen. Das ist wichtig. Nicht nur, weil es absolut wertvoll ist, eine schöne Umwelt zu haben, einen schönen Ozean. Sondern, weil es um unser Überleben als Menschheit geht.

Gibt es denn jetzt schon Lösungsvorschläge? Woran kann die Welt sich halten?

Daniel Bichsel: Ja, es gibt ganz viele. Man kann im Alltag schon viel machen, auf meiner Website habe ich acht Tipps zusammengestellt. Wo wir alle anfangen können, ist bei uns selber. Da müssen wir nicht auf die Politik oder große Veränderungen warten. Wir können weniger und hochqualitatives Plastik benutzen. Plastik kann gut sein, es gibt wirklich tolle Produkte.

Wir sollten Computer kaufen, die sieben Jahre halten, und keinen Schrott, der nach einem Jahr kaputt ist. Und sein Telefon kann man auch lange behalten, man braucht nicht jedes Jahr ein neues. Genauso Lebensmittelverpackungen. Nicht jede Gurke muss einzeln verpackt sein. Es gibt Regierungen, die sogar Plastiktüten verboten haben. Da ist Europa noch hintendran.

Ein anderes wichtiges Thema ist der Fischfang. Da kann man darauf achten: Was für Fisch esse ich, ist es überhaupt nötig? Wir essen da eine Ressource, die nicht mehr nachhaltig ist.

Gibt es auch größere Ansätze, die eben durch Politik, NGOs und auch Filmemacher umgesetzt werden können?

Daniel Bichsel: Es gibt Projekte. Wichtig sind eigentlich zwei Methoden: Das, was im Meer drin ist, holen wir raus. Und: Wie kommt der Müll gar nicht erst rein? Es gibt da den Holländer, der das Ocean Cleanup Project gestartet hat. Der war als Vierzehnjähriger in Griechenland und hat gesehen: Hier ist ja mehr Plastik als Fisch. Ich will da was tun. Jetzt wurde eine Blockade im Meer entwickelt, die Meeresplastik aufhalten und sammeln soll. Dann kann es abtransportiert werden. Und in den USA gibt es die Brauerei "Salt Water Brewery". In den USA werden noch viele Dosenbiere verkauft und die haben Halter aus Plastik. Und die haben gesagt: "Unsere Zielgruppe sind Surfer, Taucher und Fischer. Was können wir machen?" Sie haben die Plastikhalter durch essbares Material ersetzt. So können sie im Meer von den Tieren aufgegessen werden.

Aber bedeutet eine Herstellung aus essbaren Materialien nicht auch eine Belastung für die Umwelt?

Daniel Bichsel: Ja klar! Man muss immer schauen, wie gut die Aletrnative ist. Dabei ist der Energieverbrauch bei der Herstellung wichtig. Was verbraucht mehr? Plastik oder die essbaren Bierhalter? Und gleichzeitig ist die ehrliche Intention etwas zu tun und umzusetzen ganz wichtig. Und dann zu schauen: Was machen wir? Nächstes Mal wird weniger CO2 verbraucht, was können wir als nächstes tun? Die veränderung liegt in kleinen Schritten. Step by step by step ... Und damit kommt die große Veränderung.

Wieso habt ihr Freiburg für das Water Festival Freiburg ausgesucht?

Daniel Bichsel: Freiburg hat für uns eine ganz wichtige Rolle. Ich fühle mich immer noch total Zuhause hier, so als Erdungsplatz, da ich auch immer wieder unterwegs bin. Und Freiburg ist dafür bekannt, innovative Ideen zu haben im Bereich Nachhaltigkeit: Green City. Ich denke, dass hier auch ganz viel möglich ist.

Wir haben zwar das Thema Meer, aber wir haben gemerkt, das passt hier hin. Hier sind viele Menschen, die Ideen und Lust auf Projekte haben. Es ist eine sehr attraktive Stadt, um so ein Event auszutragen. Wir gehen davon aus, dass viel Interesse und Unterstützung da sein wird. Und, dass es große Resonanz findet. Da kann ein toller Austausch entstehen. Mit der Stadt, mit den Leuten aus Freiburg, aus der Umgebung.

Was: Film "A Plastic Ocean"
Wann: Freitag, den 20. Januar, 20 Uhr
Wo: Grünhof, Belfortstr. 52
Kosten: 10 Euro im Vorverkauf, 12 Euro Abendkasse


Infos zur Person:

Daniel Bichsel ist 36 Jahre alt, Feitaucher, Segler und besitzt die vegane Sushi Kette "Wo ist der Fisch?". Das Meer ist seine Leidenschaft. Er will den Ozean lebendig halten. Deshalb hat er die Initiative "Water Festival Freiburg" gegründet und organisiert jetzt die Ausstrahlung des Films "A Plastic Ocean" im Grünhof in Freiburg.

Infos zum "Water Festival Freiburg"

Das "Water Festival Freiburg" (WFF) ist eine in 2016 gestartete Initiative von Henrik Langholf, Daniel Bichsel und Jörg Friedrich. Ziel ist die Etablierung eines Innovations- und Kulturevents mit dem Thema "Saubere & Gesunde Ozeane" in Freiburg ab 2018.

Für 2017 sind neben der internen Projektentwicklung und Partnergewinnung erste öffentliche Aktivitäten geplant, wie zum Beispiel die angekündigte Filmvorführung oder ein Innovations-Workshop zum Thema "Tauchflossen aus Meeresplastik".