Interview mit "Fizz"-Betreiber Horst Lieder: "Entmietung ist ein ganz normaler Prozess"

Martin Herceg

Nur noch die Baugenehmigung fehlt: Die Betreiberfirma des neu eröffneten Studentenwohnheims "The Fizz" plant in der Habsburgerstraße 132 und 134 ein neues Wohnheim. Im Interview erklärt der Vorstandsvorsitzende der International Campus AG Horst Lieder, warum er am Siegesdenkmal ein weiteres Wohnheim bauen will.



Braucht Freiburg wirklich ein weiteres "The Fizz"?


Horst Lieder:
Freiburg ist eine der Top-Universitätsstädte, und das nicht nur in Deutschland. Hier lebt und studiert es sich gut. Außerdem ist Freiburg eine der am schnellsten wachsenden Städte in Deutschland. Die Nachfrage auf dem freien Wohnungsmarkt ist dementsprechend groß. Im internationalen Studierenden-Bereich sind Studenten es gewohnt, dass sie bestimmte Service-Funktionen in ihrer Unterkunft bekommen – und das ist genau das Klientel, was wir bedienen möchten.

Seit wann plant die International Campus AG ein weiteres Wohnheim in der Habsburgerstraße zu bauen?

Seit einigen Monaten; durch Kontakte in der Stadt haben wir mitbekommen, dass die beiden Gebäude in der Habsburgerstraße zum Verkauf stehen und haben sie erworben. Die Eigentumsumschreibung läuft noch. Der Standort ist optimal für unsere Zwecke. Es sind gerade einmal 500 Meter zu den Fakultäten der Geisteswissenschaftler und 200 Meter zu den Naturwissenschaftlern. Eine solch ideale Lage bekommt man in einer Stadt wie Freiburg eigentlich nicht.

Wie teuer war der Kauf?

Wir haben mit dem Verkäufer Stillschweigen über die Kaufsumme vereinbart - ein Schnäppchen war es aber nicht.

Sie selbst haben in Freiburg studiert. Hätten Sie gerne in einem Ihrer Wohnheime gewohnt?

Ich hätte sicher gerne im einem "The Fizz" gewohnt. Das gab's damals aber leider noch nicht. In Großbritannien oder Holland gibt es solche Wohnmöglichkeiten schon seit 15 Jahren.

Gewerbefläche wird zu Wohnraum, allerdings zu Luxuswohnraum – das kann sich nicht jeder Student leisten.

Ich finde es falsch hier immer von Luxus zu sprechen. Solange in Freiburg WG-Zimmer für mehr als 400 Euro angeboten werden, bei denen man sich alles - einschließlich der Sanitäreinrichtung - teilen muss. Wir bieten in unseren Wohnprojekten All-In-Preise, die alle Nebenkosten beinhalten. Wenn man das vergleicht, liegen wir noch lange nicht im Spitzenbereich, was die Mieten betrifft.

Also wohnen Studenten bei Ihnen gar nicht so teuer?

Unserer Studenten brauchen schon ein gewisses Budget, um sich das leisten zu können. Wir verstehen uns auch nicht als Jemand, der den Bedarf zu decken hat, sondern als Jemand, der das Produkt "Fizz" anbietet – und "Fizz" richtet sich an den unteren Rand des oberen Drittels der Gesellschaft.

Wann könnte frühestmöglich mit dem Bau des zweiten "The Fizz" begonnen werden?

Noch stehen wir in Abstimmungsprozessen mit der Stadt. Derzeit klären wir, wie wir am besten vorgehen, um auch den Innenhof in das Projekt mit einzubeziehen. Uns ist daran gelegen, den wertvollen Platz ideal zu nutzen. Es gibt Überlegungen gemeinsam mit dem geplanten "Motel One" und der Firma Unmüssig eine Tiefgarage zu bauen. Das wäre auch aus städteplanerischer Sicht sinnvoll.



Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag hat im öffentlichen Bauausschuss angekündigt, dass die Gebäude in der Habsburgerstraße nicht umgebaut, sondern abgerissen werden sollen. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Dementsprechend groß wird auch die Baustelle am Siegesdenkmal werden. Wir streben daher einen koordinierten Bauablauf an. Neben dem Bau des "Motel One" soll ja 2016 auch die Straßenbahn in den Friedrichring versetzt werden. Wenn alle Projekte gleichzeitig gebaut werden, führt das zu deutlich weniger Beeinträchtigung und Lärmbelästigung. Vor Mitte 2015 wird aber voraussichtlich erst einmal nichts passieren – Verfahren in der Stadt brauchen ja so ihre Zeit.

Wie viele Wohnungen wird es im neuen "The Fizz" geben?

Je nachdem wie der Innenhof genutzt werden kann, planen wir nach dem Abriss der alten Gebäude ein neues Haus mit etwa 340-350 Wohneinheiten zu bauen. Mehr Potenzial hat der Standort nicht.

Einige Mieter kündigten an, nicht freiwillig gehen zu wollen – wie wollen Sie dieses Problem lösen?

Wir wollen keinen vertreiben. Die Entmietung ist ein ganz normaler Prozess. Auch mit der Siemens-Niederlassung in der Habsburgerstraße 132  sind wir im Gespräch. Mit der Mehrheit der Mieter im Gebäude 134 haben wir uns bereits geeinigt. Wir gleichen natürlich alle Nachteile aus, die für die ansässigen Firmen mit einer Verlegung des Standorts zu tun haben. Lediglich ein Mieter konnte sich nicht mit uns einigen. Der versucht derzeit die Gunst der Stunde zu nutzen und einen Gewinn zu machen, den er in zehn Jahren nicht mit der Schere am Kopf gemacht hätte.

Könnten sie sich vorstellen Plätze in ihren Wohnheimen für talentierte Studierende, die nicht so viel Geld haben, frei zu halten?

Erstmal muss ein Geschäftsmodell immobilienwirtschaftlich funktionieren. Wir arbeiten mit Investoren, die müssen zufrieden sein. Wir tun aber auch etwas für die Generation der Studierenden. Wir vergeben Stipendien und laden Partner-Unternehmen ein, gleiches zu tun. Auch die Überlegung ein bestimmtes Kontingent an Wohnraum zielstrebigen Studenten zur Verfügung zu stellen, ist angedacht. Da stehe ich voll dahinter.

Zur Person

Horst Lieder ist 1955 in München geboren und hat in Freiburg Jura studiert. Nach dem Studium blieb er in der Stadt und arbeitete er als Anwalt. Später wechselte er in ein Immobilienunternehmen. 2011 gründete Lieder die International Campus AG mit Firmensitz in München und ist seitdem deren Vorstandsvorsitzender. Am Wochenende wohnt Lieder weiterhin in Freiburg.

Weiter Infos

Vom geplanten Abriss der Gebäude in der Habsburgerstraße 134 und 132 sind auch die Freiburger Siemens-Niederlassung und deren Untermieter betroffen. Erst 2005 hatte der Siemenskonzern 2,3 Millionen Euro in die Sanierung des 1953 gebauten Geäudes investiert.

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[Foto: Daniel Müller / Michael Bamberger]