Interview mit Fatih Akin über Soul Kitchen

Jennifer Bormann

Morgen kommt "Soul Kitchen" in die Kinos, eine Feelgood-Hommage an Hamburg von Fatih Akin ("Gegen die Wand"). Wir haben ihn sowie die Schauspielerinnen Pheline Roggan und Anna Bederke zum Interview im Harmoniekino getroffen.



Herr Akin, "Soul Kitchen" ist ein Zweiteiler der ungewöhnlichen Art. Jasmin Ramadan schrieb den ersten Teil als Buch, nun haben Sie den zweiten Teil als Film produziert. Wie kam es dazu?

Jasmin Ramadan und ich kennen uns, seitdem wir 16 sind. Sie lebt das, wovon der Film erzählt: spontane Partys, Essen, Trinken, Feiern. Wir hatten auch mal eine Band früher, mit 17 oder 18. Adam Bousdoukos, sie und ich. Sie wurde Schriftstellerin, wir landeten beim Film. Wir fragten sie einfach, ob sie nicht Lust hätte, Literatur zum Film zu schreiben. Ich schätze ihren Stil sehr und sie kennt uns eben sehr gut. Besser als Selim Özdogan oder Feridun Zaimoglu.

War der Stoff nun ihre Idee?

Es war ihre Idee, das zu erzählen, wovon sie erzählt. Ich war davon sehr angetan.

Sind Filme, bei denen Sie Regie führen eine größere Herzensangelenheit, als Filme, bei denen Sie nur die Produktion machen oder das Drehbuch schreiben?

Ja, natürlich. Ich bin kein besonders aufmerksamer Produzent, nicht mal ein leidenschaftlicher. Das war mein Partner Andreas Thiel, der gestorben ist. Ich suche mir Filmemacher, die sehr autark arbeiten und ein Dach brauchen. Wenn ich das Vertrauen in diesen Filmemacher oder diese Filmemacherin habe, kann ich diesen Leuten mein Dach anbieten oder mein soziales Netzwerk. Aber es ist niemals dasselbe, als wenn ich selbst einen Film mache.

Wie entscheiden Sie dann, welche Rolle oder Position Sie bei einem Filmprojekt übernehmen?

Das entscheidet sich von selbst. Wenn ich einen Film schreibe und das auch inszenieren möchte, dann werde ich es auch produzieren. Meist weiß ich von vornherein: Ich schreibe das jetzt für jemanden. Oder es passiert, dass Freunde oder Bekannte von mir einen Stoff anbieten und ich weiß dann als Regisseur: jene Person ist autark genug, das zu wuppen. Davon hängt das ab.

Wie würden Sie die visuelle Ästhetik von „Soul Kitchen“ beschreiben?

Wie kaltes Wasser, das über heiße Steine fließt.

Welches Genre mögen Sie am liebsten?

Ich drehe alles gerne. Letztendlich sind all die Filme, die ich mache, Facetten meiner Persönlichkeit. Einige sind einfacher als andere. Mir liegen alle meine Filme gleichermaßen. Tragödien sind einfacher. Denn es ist einfacher, die Leute zum Heulen zu bringen. Musst sie nur gegen's Schienbein treten. Fürs Lachen muss man sich was ausdenken.



Frau Bederke, Sie haben Regie studiert und zwei Abschlussfilme gedreht. Wie war es nun für Sie, vor der Kamera zu stehen?

Auf jeden Fall was ganz anderes. Ich genoss es sehr. Es ist schon eine andere Arbeitsweise, weil man beim Regieführen die ganze Zeit den gesamten Apparat zusammenhalten muss. Es war eine gute Erfahrung, das mal von der anderen Seite zu sehen.

Frau Roggan, wie hat sich die Arbeit an "Soul Kitchen" von der Arbeit an anderen Filmen unterschieden? Sie waren ja schon bei zwei anderen Filmen von Fatih Akin dabei.

Die waren nie wirklich von ihm. Beim ersten, „Kebab Connection“, schrieb er das Drehbuch, Anno Saul führte Regie. Bei „Chiko“ war Fatih Produzent. Also bei Anno Saul und Fatih ist es total unterschiedlich. Özgür (Yildirim, Regisseur von „Chiko“, Anm. d. Red.) kommt ja auch aus dem Haus, aber er und Fatih haben eine ähnliche Art. Sie fragen beide so viel nach, wollen viel wissen und auch proben. Bei Fatih ist halt Rock’n Roll, ne? Es ist sehr energetisch und emotional, mit ihm zu arbeiten. Fatih steckt mit starkem Willen hinter seinem Projekt. Da knallt es auch mal am Set. Aber nie bösartig, dass man Angst kriegt.



Sie sind alle drei in Hamburg geboren und aufgewachsen. „Soul Kitchen“ und ein wichtiger Teil des Films spielen in Hamburg. Wie war der Dreh in der Heimat?

Anna Bederke (Foto, rechts): Wir sind alle ungefähr aus der gleichen Ecke. Wir treiben uns auch alle in ähnlichen Läden rum. Der Film ist für mich ein bißchen wie ein Fotoalbum, das zurückbleibt. Denn die meisten Plätze und Orte, an denen wir gedreht haben, gibt es inzwischen nicht mehr.

Pheline Roggan: Fatih hat das konserviert. Das Hamburg, das unsere Heimat ist. Dafür hat er ein gutes Gespür. Das Gängeviertel, das alte Karstadt, das jetzt Ikea werden soll oder die Astra-Stube, Sternbrücke. Das kommt alles auf einmal, dass diese Läden jetzt weg sollen.

Ist Soul Kitchen ein Heimatfilm?

Pheline Roggan: Ich erkenne auf jeden Fall ganz viel wieder, von dem, was ich in Hamburg sehe. Es ist beim Film eben immer komprimiert.



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[Fotos: © corazon international / Jennifer Bormann]

Video: uni.TV: Fatih Akin - "Soul Kitchen"