Interview mit Ex-Fußballprofi und Internet-Ikone Hans Sarpei

Martin Herceg

Früher hat Hans Sarpei in der Bundesliga Fußball gespielt – heute ist er eine Internet-Ikone. Auf Facebook hat der Kölner mit ghanaischen Wurzeln fast 400.000 Fans. Und seine Tweets und Blogbeiträge erfreuen sich nicht nur bei Hardcore-Fans großer Beliebtheit. Wie es zum Internetruhm kam und warum er sich gegen Rassismus einsetzt, hat er fudder-Mitarbeiter Martin Herceg erzählt.



Herr Sarpei, im Internet haben Sie Chuck Norris als Alleskönner abgelöst und einen ironischen Kult um Ihre Person losgetreten. Sind Sie etwa der deutsche Chuck Norris?


Hans Sarpei
: Nein. Den Vergleich haben meine Fans aufgestellt, aber natürlich gehe ich darauf ein. Viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass Chuck Norris der amerikanische Hans Sarpei ist. (lacht) 

Glaubt man den zahlreichen Sprüchen, die über Sie im Internet kursieren, sind Sie eine Art Supermann, der alles kann. Wie sieht denn ein normaler Tag im Leben des Hans Sarpei aus?

Nach dem Aufstehen kümmere ich mich mal um meine Tochter Romy Elea. Sie ist jetzt fünf Monate alt, da stehen Aufgaben wie Windeln wechseln auf der Tagesordnung. Zwischendurch schaue ich immer ins Internet um zu sehen, was es Neues gibt, was ich so posten könnte. Mit einem Auge bin ich immer auf meiner Facebook-Seite und meinem Twitter-Stream. Außerdem habe ich viele Termine – so wie heute dieses Interview.

Welche Medien benutzen Sie, um sich auf den neusten Stand zu bringen?

Ich informiere mich fast ausschließlich online. Ich schaue eigentlich immer überall mal rein. Natürlich bei Spiegel Online, aber auch beim Kölner Express und bei Bild.de. Hauptsächlich benutze ich aber Twitter, da bekomme ich immer gute Ideen für lustige Sprüche. 

Haben Sie eine ungefähre Ahnung wie viele Hans-Sarpei-Sprüche im Internet unterwegs sind?

Keine Ahnung. Es ist verdammt schwer, da den Überblick zu behalten.

Wie lautet Ihr Lieblingsspruch über Sie?

"Hans Sarpei – das L steht für Gefahr!" Der ist bei mir immer noch die Nummer eins. Aber es gibt noch so viele andere, die auch saucool sind.

Sorgen Sie eigentlich selbst für Ihre Facebook-Postings oder steckt da mittlerweile eine Agentur dahinter?

Noch mache ich das alles selber, zusammen mit einem Kumpel. Aber es ist natürlich schwer geworden. Jeden Tag bekomme ich auf Facebook, Twitter oder per E-Mail immer mehr Nachrichten mit Hans-Sarpei-Sprüchen. Davon versuche ich, so viele wie möglich zu lesen. Die coolsten Vorschläge stelle ich dann auf meine Seite. 

Wann und wie haben Sie zum ersten mal davon erfahren, dass Hans-Sarpei-Sprüche im Internet zur großen Nummer werden?

Irgendwann Anfang 2011 kam meine Nichte zu mir und sagte: Da gibt’s Sprüche über dich auf Facebook. Daraufhin habe ich mir das angeschaut und mir gedacht: Was geht denn da ab?! Ich fand die Sache von Anfang an lustig und konnte direkt darüber lachen. Dann habe ich damit angefangen die Sprüche zu sammeln und auf meinem offiziellen Account zu veröffentlichen. Warum ich so populär geworden bin, weiß ich aber bis heute nicht. 

Gibt es noch einen anderen Fußballer, der das Zeug zum Internet-Star hätte? Zum Beispiel Gerald Asamoah?

Ich weiß nicht, ob man so etwas, wie das, was mir passiert ist, planen kann. Da haben wir es doch: Nicht mal Hans Sarpei kann das! Bei Spielern wie Gerald ist wahrscheinlich das Problem, dass sie das Internet nicht so intensiv nutzen wie ich. Einige sind in sozialen Netzwerken unterwegs, andere nicht. Da kann man sich dann nicht so gut austoben wie ich das von Anfang an gemacht habe.

Themenwechsel. Als Spieler bei Wolfsburg, Leverkusen und Schalke haben Sie auch das ein oder andere Spiel in Freiburg bestritten. Gibt es noch irgendwelche Erinnerungen an die Stadt und den Verein?

Als Spieler sieht man leider nicht so viel von der Stadt. Aber ans Stadion kann ich mich schon noch sehr gut erinnern. Ich weiß zum Beispiel, dass das Spielfeld fast so breit ist wie lang – dadurch war es immer sehr schwierig, dort zu spielen. In meiner Zeit haben dort außerdem total viele Willis gespielt, und immer Kurzpass. Das war crazy. Da musste ich immer richtig viel laufen. Seit damals hat sich dort natürlich viel verändert. 

Immer wieder kommentieren Sie auch das aktuelle Fußballgeschehen. Zuletzt haben Sie sich in die Trainersuche beim HSV eingeschaltet und dafür plädiert, Lothar Matthäus als Trainer in Hamburg zu engagieren. Warum gerade Matthäus?

Er ist ein überragender Spieler gewesen – ein Weltfußballer. So viele haben das in Deutschland noch nicht geschafft. Er hat Qualitäten, die er gut einbringen hätte können. Der HSV ist ein bisschen chaotisch – er auch: Das hätte ganz gut gepasst.

Sie machen ja nicht nur lustige Sprüche, sondern sprechen auch immer wieder ernste Themen an. In einem aktuellen Blog-Eintrag auf Yahoo Eurosport stellen Sie sich gegen Oliver Kahn, der schwulen Profifußballern von einem Coming-out abgeraten hat. Warum?

Wir müssen doch so offen sein, dass auch Fußballer selber entscheiden können, was sie wollen, also ob sie Frauen oder Männer mögen. Natürlich verstehe ich auch Oliver Kahn. Ich weiß ganz genau, warum er das sagt. Wenn sich einer im Profifußball outet, dann wird er es nämlich erstmal schwer haben auf dem Platz. Aber wir müssen dafür kämpfen, dass es gar nicht erst soweit kommt, dass dann diese Menschen beschimpft werden. Wir müssen offen sein, dann werden auch viele den Mut haben, sich zu outen.

Ein anderes unerfreuliches Thema ist Rassismus im Profifußball. Haben Sie selbst damit Erfahrungen machen müssen?

Ja, ich glaube alle schwarzen Spieler haben schon mal negative Erfahrungen mit Rassismus auf oder neben dem Platz gemacht. Jeder hat da schon mal Affengeräusche gehört oder wurde wegen seiner Hautfarbe beschimpft. Cottbusser Fans haben zum Beispiel schon Bananen auf mich geworfen. Das war allerdings vor mehr als zehn Jahren. Damals hat dich da keiner gleich in den Arm genommen oder dir Hilfe angeboten. Heute gehen viele dagegen an, auch die Fans. Aber man muss das immer wieder ansprechen, damit die neue Generation damit weiter gut umgeht. Wir sind doch eigentlich alle gleich. 

Der Hype um Hans Sarpei könnte ja so schnell, wie er losgetreten wurde, auch wieder aufhören. Mit dem Fußballspielen haben Sie ja inzwischen aufgehört. Was macht Hans Sarpei, wenn er im Internet out ist?

Gegenfrage: Haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, was Sie tun, wenn Sie nicht mehr als Journalist arbeiten, wenn Sie morgen rausgeworfen werden? Ich habe mir darüber bisher keine Gedanken gemacht. Hans Sarpei zu sein, ist nicht mein Beruf. Ich hab jetzt erstmal nebenbei meine Fußballtrainer-B-Lizenz gemacht, vielleicht werde ich mal Trainer. Um den Hype mache ich mir weniger Gedanken. 

Zur Person

Der ehemalige Bundesligaprofi Hans Sarpei wurde 1976 in Ghana geboren und wuchs in Köln-Chorweiler auf. Nach seinem Wechsel zum FC Schalke 04 in der Saison 2010/11 entwickelte sich vor allem auf Facebook ein von den "Chuck Norris Facts" inspirierter, ironischer Kult um seine Person. Hans Sarpei ist als Kolumnist für die Online-Plattform des Sportsenders Eurosport tätig. Ab November 2013 wird er im Fernsehkanal Tele 5 mit einer eigenen Sendung namens "Hans Sarpei – das T steht für Coach" als TV-Moderator und Coach einer Amateurfußballmannschaft zu sehen sein.   

Die besten Hans-Sarpei-Sprüche

   
  • Hans Sarpei ist in der Nacht unsichtbar.
  • Hans Sarpei bringt Farbe ins Spiel.
  • Hans Sarpei tippt nicht, er entscheidet, wie das Spiel ausgeht.
  • Hans Sarpei kann auch nach Transferschluss noch wechseln.
  • Hans Sarpei hat früher Sandburgen gebaut. Wir kennen sie als Pyramiden.
  • Hans Sarpei kauft Obst bei Apple und Fenster bei Windows.
  • Hans Sarpei schneidet das Messer mit dem Brot.
  • Hans Sarpei darf während der Fahrt mit dem Busfahrer reden.
  • Hans Sarpei fährt immer schwarz.
  • Hans Sarpei ist nicht einfach nur ein Name, Hans Sarpei ist eine Lebenseinstellung.
  • Wenn Hans Sarpei der schwarze Chuck Norris ist, dann ist Peter Neururer der weiße Hans Sarpei.
  • Hans Sarpei trinkt den Wasserhahn auf Ex.
 

Mehr dazu:

[Bild: Joyce Ilg]