Interview mit dem Zauberer Daniel Bornhäußer: "Man muss einfach weiter Kind sein"

Yannic Katlewski

Kartentricks, schwebende Tische, Ringmagie: Daniel Bornhäußer zaubert zwischen 8. und 12 Juni in einem Zelt im Freiburger Eschholzpark - und zwar so nahe an seinen Zuschauern, dass die ihm auf die Füße spucken könnten. Ein Interview:


 

Wann haben Sie mit der Zauberei begonnen?

Angefangen habe ich mit acht Jahren. Ganz klassisch, mit dem Zauberkasten, wie man es kennt. Den habe ich damals von meiner Oma zum Geburtstag bekommen. Seitdem habe ich mich sehr intensiv mit der Zauberei auseinander gesetzt, was man alles machen kann, was es gibt, und habe dann schnell gemerkt, dass es mein Kindheitstraum ist, Berufszauberer zu werden.

Also haben Sie mit den klassischen Tricks angefangen?

Ja, mit dem Ringtrick, den verschwindenden Tüchern, was man so alles kennt, auch Karten und Münzen waren dabei. Aber irgendwann merkt man halt, dass man noch mehr machen kann, als die einfachen Sachen. Da ist viel Raum nach oben.

Was hat Sie über die Jahre inspiriert?

Ich gucke mir sehr gerne andere Zauberer an, momentan die Ehrlich-Brüder. Unser Konzept ist da allerdings etwas anders, es geht mehr Richtung Kleinkunst. Es passen nur rund 100 Zuschauer ins Zelt, das macht die Sache viel intimer. Die Zuschauer können mir praktisch auf die Lackschuhe spucken.

Das erinnert an die Frühzeiten der Zauberei, als es noch kleine Zelte auf der Kirmes gab, in denen die Magie passierte.

Das ist die Idee. Neue Zauberei - aber auch das Nostalgische soll bleiben. Es ist ein Unterschied zu den großen Hallen, so ein Zelt gibt es sonst nicht. Das gab es früher und wir wollen das wieder ins Leben rufen. Außerdem ist es auch im Hinblick auf die Tricks etwas anderes, wenn man im Prinzip direkt im Publikum steht; man kann ganz anders mit den Zuschauern arbeiten.

Die Zauberei hat sich ja in den letzten Jahrzehnten eher zur Bühnenmagie entwickelt.

Genau. Großillusionen mit großen Kisten. Eigentlich ist das auf Kommerz ausgelegt. Es kann gut sein, wenn es funktioniert, aber dieses Nahe fehlt mir persönlich zumindest. Bei uns wird jeder Zuschauer persönlich verabschiedet. Bei uns wird auch jeder geduzt, egal ob Professor oder Bäcker. Auch ich will nicht gesiezt werden; es soll einfach wie eine kleine Familie sein, wenn man hier reinkommt.

Hatten Sie einen Lehrer, der ihnen das Zaubern beigebracht hat?

Ich war eher der Autodidakt. Viel habe ich aus Büchern und DVDs gelernt. Aber ich habe auch bei Zauberkollegen geguckt. Was macht der, wie macht er das? Dann beginnt man selbst, Tricks zu kreieren.

Deshalb der Name Circus of Illusions?

Ja. Wir haben lange diskutiert, ob der Begriff Circus passt. Aber Circus ist ein einfaches Wort, es kommt aus dem Lateinischen und bedeutet in etwa Kreis. Das bezieht sich dann auf das Zirkuszelt. Ansonsten unterscheidet sich unser Zirkus vom klassischen Zirkus. Wir haben keine Tiere und keine Manege.

Das Zelt aufzubauen ist sicher viel Arbeit. Haben Sie ein Team, das ihnen beim Aufbau hilft?

Das Zelt allein wiegt zweieinhalb Tonnen. Das Team besteht aus meinem Partner, Holger Kugele, und mir. Zwei Tage brauchen wir im Regelfall, um das Zelt, mit allem drum und dran, aufzubauen. Aber das geht schon. Im ersten Jahr habe ich es komplett alleine aufgebaut, dann hab ich gemerkt, es wäre nicht schlecht, wenn da noch jemand hilft. Und Holger ist auch gleichzeitig Conférencier und führt durch den Abend. Er war hier in Freiburg auf der Schauspielschule und hat auch schon bei dem ein oder anderen Tatort mitgespielt.



Wo haben sie sich kennen gelernt?

Das war im Europapark. Seit letztem Jahr ist er beim Circus of Illusions dabei.

Wie wichtig ist es ihrer Meinung nach, nicht nur zaubern zu können, sondern auch Entertainer zu sein?

Ich sage immer: Entertainment ist 80% und das Kunststück alleine ist 20%. Du kannst einen tollen Trick vorführen -  und der kommt einfach nicht gut an. Bei hohem Unterhaltungsfaktor rasten die Leute aber bei dem gleichen Trick aus. Die Zuschauer wollen nach Hause kommen und sagen: Wow, das war ein toller Abend. Kein Mensch erinnert sich an alle Tricks; die Erinnerung an den Abend aber bleibt.

Gibt es noch Tricks, bei denen Sie denken: Wow, keine Ahnung wie das ging?

Klar das gibt es immer noch. Oft denkt man: Okay so funktioniert das, aber es gibt auch noch Momente, die auch mich verzaubern. Und dann will ich auch gar nicht wissen, wie das funktioniert hat. Die Illusion geht meist flöten, wenn man weiß, wie ein Trick funktioniert.

Wirkt sich die Zauberei auch auf ihr Privatleben aus?

Also ich versuche die Zauberei privat komplett zu lassen. Früher war ich mit Freunden unterwegs und hatte klar immer einen Trick dabei. Heute ist das anders. Es ist ein Beruf. Im Zelt bin ich der Zauberkünstler und Entertainer, privat bin ich eher zurückhaltend. Da muss ich mich nicht in den Vordergrund stellen, hier schon. Da erwarten die Leute, dass ich die Rampensau spiele. Und das bekommen sie auch von mir.

Sie sind auch Teil des Magischen Zirkels Deutschland (MZvD). Was kann man sich darunter vorstellen?

Ich sage immer, es ist so ähnlich wie bei Harry Potter. Ein geheimer Bund, bei dem du mit Besen einfliegst. (Lacht). Nein, Spaß beiseite. Voraussetzung für die Aufnahme ist eine Prüfung, bei der man vorzaubern muss. Auch theoretisches und praktisches Wissen wird geprüft. Das kann dauern, bis man vollständiges Mitglied ist; in meinem Fall ging das vier Jahre.

Was braucht es, um zaubern zu lernen?

Man sollte sich selbst begeistern können für die Tricks, die man zeigt. Das Wunder erkennen, das man vorführt. Vor allem aber Disziplin, die Tricks einzustudieren. Die müssen sitzen, bis zur Perfektion. Für mich ist der Schwerpunkt auf der Unterhaltung, da sind die Tricks nur eine Art Nebensächlichkeit, die von selbst ablaufen sollte. Man muss einfach weiter Kind sein, das sieht man auch bei den Zuschauern, wenn die sich freuen, wie kleine Kinder. Das ist auch eigentlich das, was wir erreichen wollen.

Machen Sie bei ihren Tricks auch mal Fehler?

Klar, das kann immer passieren. Dann muss man improvisieren. Meist merken die Zuschauer das gar nicht. Manchmal merken sie es auch, aber Fehler passieren und das macht irgendwie auch menschlich.

Haben Sie einen Lieblingstrick, der in der Show nicht fehlen darf?

Ja, die Ringnummer. Ein alter Hut, aber bei mir spielt der Zuschauer mit. Er bekommt selbst die Ringe in die Hand und darf mitzaubern. Den Trick werde ich wohl nie aus meinem Programm nehmen, da er rein vom Entertainment lebt; weil der Zuschauer mitmacht und ins Geschehen eingreifen kann. Das ist für mich das Highlight.



Zur Person

Daniel Bornhäuser (31) ist Zauberkünstler. Er macht Kartentricks, lässt Personen schweben - und legt Wert auf Nähe zwischen Publikum und Zauberer. 2014 wurde er Zauberer des Jahres, seit 2012 ist er Träger des internationalen Showpreises.

Mehr dazu:

Was: Circus of Illusions
Wann: 8. bis 12. Juni
Wo: Eschholzpark