Interview mit dem Freiburger Kabarettisten Matthias Deutschmann zur GEMA: "Da rollt der Rubel"

Wolfgang Weismann

Seit 15 Jahren wettert Matthias Deutschmann gegen die GEMA. Er bezeichnet sie als "Inkassoagentur für Musiktantiemen" und fordert, dass sie endlich transparent gemacht und demokratisiert wird. fudder-Autor Wolfgang hat den Freiburger Kabarettisten gefragt, warum die GEMA so schlimm ist.



fudder: Herr Deutschmann, woher kommt Ihre leidenschaftliche Antipathie gegenüber der GEMA?

Matthias Deutschmann: Die GEMA hat als Inkassoagentur für Musiktantiemen eine Monopolstellung. Ein Künstler, der seine eigene Werke öffentlich aufführt und einfaches Mitglied (ohne Stimmrecht!) der GEMA ist, bekommt von der GEMA Geld, das die GEMA vom Veranstalter einzieht.

Man könnte erwarten, dass die GEMA die Tantiemen zu einem hohen Prozentsatz an den Künstler weiterleitet und vielleicht 10 Prozent für sich behält. Dem ist nicht so. Alle Tantiemen fließen in einen großen Topf und werden nach einem sehr komplizierten Punktschlüssel verteilt.

Diese Verteilung ist alles andere als gerecht. Bei kleinen Veranstaltungen behält die GEMA bis zu 90 Prozent der Gebühren ein. Weil es aber noch keine Alternative zur GEMA gibt, lassen sich die meisten Musiker auf das schlechte Geschäft mit der GEMA ein. Anders liegt der Fall, wenn man zum inneren Zirkel der ordentlichen Mitglieder gehört. Da rollt dann der Rubel.

Wie rechtfertigt sich die GEMA?

Die GEMA hat sich als Anwalt der Musikschaffenden und Verwerter der Aufführungsrechte eine Monopolstellung aufgebaut. Das hat mit ihrer Geschichte zu tun. Die Nazis haben nach der Machtübernahme die damals bestehenden Verwertungsgesellschaften zur "Staatlich genehmigten Gesellschaft zur Verwertung von Aufführungsrechten" (STAGMA) zusammengefasst. Die STAGMA war ein Naziverein mit Monopolstellung. Nach dem Zweiten Weltkrieg durfte sie unter dem Namen GEMA einfach weitermachen. Die Arroganz und Selbstherrlichkeit, die die GEMA heute an den Tag legt, ist historisch gewachsen. Wer für die Aufführungsrechte seiner Musik Tantiemen möchte, der muss zur GEMA.

Ist es die von Ihnen auch in ihrem Kabarettprogramm beschworene Allmacht der GEMA, die Sie so wütend macht?

Ich habe etwas gegen Monopolisten, und meine Erfahrungen mit der GEMA zeigen: Dieser Verein muss endlich transparent gemacht und demokratisiert werden.

Der Skandal um Guttenberg hat gezeigt, dass Kopieren unter Umständen kein Kavaliersdelikt mehr ist. Ist es nicht gut, dass die GEMA kontrolliert, ob musikalisch abgepaust wird?

Zunächst war es nicht die GEMA, die den Baron zur Strecke gebracht hat, sondern eine hochmotivierte User-Gemeinde im Netz. Der Urheber wird durch das Urheberrecht geschützt. Die GEMA hat das Werkverzeichnis ihrer Mitglieder und zieht Tantiemen ein. Die GEMA hat Agenten, die dafür sorgen, dass alle Musikveranstaltungen ausgewertet werden. Dazu müssen alle Musiktitel auf dem GEMA-Bogen eingetragen werden. Es geht um die Bezahlung für die Aufführungsrechte. Wenn sich ein Musiker à la Guttenberg bei Udo Jürgens bedient, kriegt das die GEMA erst einmal nicht mit.

Warum hört man erst jetzt mehr Protest gegen die GEMA, da es den Diskobesitzern an den Kragen gehen soll?

Für die Clubs geht es um die Existenz, und die Forderungen der GEMA sind nun wirklich abenteuerlich. Vor zwei Jahren eine Petition an den Bundestag, um endlich das undurchsichtige Finanzgebaren der GEMA zu ändern. Das Ergebnis ist nicht besonders ermutigend: Gewisse Fortschritte in Sachen Transparenz sollen angeblich gemacht worden sein. Das ist ja großartig!

Aber die GEMA behauptet ja von sich selbst, keinen Gewinnüberschuss zu machen!

2011 hat die GEMA 825 Millionen eingenommen. 58 Millionen Euro an Personalkosten und 65 Millionen an Sachkosten stehen zu Buche. Die Vereinsführung ist nicht ganz billig!

Matthias Deutschmann - Mein Kampf gegen die GEMA

Quelle: YouTube


Mehr dazu:

  • fudder: https://www.google.com titel="">Neue GEMA-Gebührenordnung: "Viele Diskos würden nicht überleben"
  • fudder: http://fudder.de titel="">Umfrage: Warum wir gegen die GEMA demonstrieren
 
[Foto: Ingo Schneider]