Interview mit dem Biologen Uwe Kerkhof: "Die Bussard-Attacken kommen aus dem Nichts"

Tamara Keller

In letzter Zeit gab es in der Freiburger Gegend vermehrt körperliche Angriffe auf Jogger. Die Täter: Bussarde. Doch wieso haben es die Greifvögel ausgerechnet auf Jogger abgesehen? Wir haben bei dem Biologen Uwe Kerkhof der Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Freiburgs nachgefragt:



Ich bin als Joggerin unterwegs auf einem Feldweg und plötzlich greift mich ein Bussard an. Was hat er gegen mich?

Uwe Kerkhof: Gegen Sie persönlich hat er nichts, das ist ein Phänomen, das wir hier und da beobachten. In der Regel tritt das Ganze nur während der allgemeinen Brutzeit beim Mäusebussard auf. Das ist wohl ein Verhalten, das daraus resultiert, dass der Bussard den Jogger als einen vermeintlichen Angreifer wertet und sein Gehege oder seine Brut verteidigen möchte. Davon muss man ausgehen, weil es außerhalb der Brutzeit bisher noch nie solche “Scheinangriffe” gegeben hat. Diese ist zeitlich zwischen April und Mai einzuordnen.

Gibt es einen Grund warum die Vögel ausgerechnet Jogger angreifen?

Da kann man nur spekulieren. Es gab auch schon Übergriffe auf Fußgänger, also nicht nur auf Jogger. Aber offensichtlich werden schnelle Bewegungen von diesen Tieren eher als Bedrohung wahrgenommen, wie wenn man langsam spazieren geht.

Wie häufig kommt das vor?

Ich kann das nicht auf eine Quadratmeteranzahl quantifizieren. Aber es kommt eher selten, aber doch mit einer steten Regelmäßigkeit, immer wieder an unterschiedlichen Lokalitäten vor. Zumindest so häufig, dass man nicht davon ausgehen kann es sind nur ein oder zwei Tiere, die immer wieder dieses Phänomen in ihrem Revier zeigen. Wir kriegen eigentlich Meldungen aus dem ganzen Regierungsbezirk. Man liest ja in den Medien, dass es auch in anderen Bundesländern vorkommt.

Gibt es bereits vorher Anzeichen an denen man erkennt, dass gleich eine Attacke folgt?

Davon ist mir nichts bekannt. Die Bussard-Attacken aus dem Nichts. So erzählen das zumindest die Betroffenen - In keinem der Berichte hat der Vogel vorher Warnrufe oder ähnliches von sich gegeben. Scheinbar passiert das aus heiterem Himmel.

Kann ich etwas tun um den Vogel im letzten Moment noch umzustimmen?

Auch hier fällt mir eigentlich nichts ein. Meistens ist in dem Moment, in dem man den “Angriff” wahrnimmt, dieser bereits erfolgt.

Machen das nur Bussarde oder sämtliche Arten von Greifvögeln?

Also von den heimischen Greifvögeln sind bisher nur Fälle mit Mäusebussarden bekannt.

Wie schütze ich mich am besten vor einer Attacke?

Persönlich habe ich da noch keine Erfahrung gemacht. Es wird allerdings empfohlen, dass man, sobald man merkt, dass ein Bussard kommt, den Kopf mit den Händen schützt. Es ist auch nicht so, dass es zu massiven Angriffen kommt. Häufig sind es nur zu leichtere Verletzungen, da der Bussard mit seinen Fängen kratzt.

Gegebenenfalls kann man sich auch einfach wegducken und sich dann zügig, aber nicht hastig, von der Lokalität entfernen. Meistens reicht es ein paar Meter weiter zugehen, damit der Bussard ablässt, weil man sich dann schon wieder weitgehend außerhalb des Horstes befindet.

Wie erkenne ich als Nicht-Vogel-Experte um was für einen Vogel es sich handelt und ob er für mich gefährlich werden könnte?

Schwierig zu sagen. Bussarde erkennt der Laie noch am ehesten, da es die bekannteste Art ist. Wie gesagt, abzuschätzen ob es jetzt zum Angriff kommt oder nicht, ist eigentlich schwer möglich, weil die Bussarde meistens relativ geräuschlos anfliegen und in dem Moment ist es dann auch schon passiert.



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[Bild: ©Marcel Schauer - Fotolia.com]