Interview mit Chefket: "Man muss Frieden schließen mit allem und jedem!"

Dennis Hetzel

Er bezeichnet sich selbst als "glücklichsten Rapper der Welt", verbindet Rap mit Soul und gibt am Freitag ein Konzert im Jazzhaus. fudder-Autor Dennis Hetzel hat mit Chefket gesprochen - über Erfolg, Zufriedenheit und die Zusammenarbeit mit Max Herre.



Du bezeichnest dich als Live-MC. Was kann das Publikum, das dich bisher noch nicht kennt, von dir auf der Bühne erwarten?

Chefket: Viele werden überrascht sein von der Musikalität, die wir an den Tag legen. Wir haben viele verschiedene Instrumente auf der Bühne, Violinen, Piano, und so weiter. Außerdem versteht man mich auf der Bühne besser als manche andere Rapper. Wir arbeiten hart daran, immer besser miteinander zu harmonieren. Das muss nahe an Perfektion rankommen. Wir wollen nicht nur ein paar Songs mit DJ vom Band rappen, wie manche Rapper aus Amerika, wobei das natürlich auch seinen Charme haben kann.

Was spielst du lieber, ein Festival- oder Clubkonzert?

Mir gefällt die Energie, die auf Festivals von so vielen Leuten ausgeht. In diesem Jahr spiele ich gefühlt auf allen Festivals. Mittlerweile gibt es in Deutschland auch etliche. Im Juli habe ich keines, im Juni nur ein Wochenende frei. Aber ich gehe lieber auf meine eigene Tour. Ich habe länger Zeit, mich vorzubereiten und wir können alles perfekt einspielen. Es ist schön, ständig unterwegs zu sein, neue LEute zu treffen. Und man hat die Möglichkeit, neue Songs direkt vor Publikum zu spielen und kann so gleich sehen, ob und wie sie funktionieren.

Du hast gemeinsam mit Max Herre und Xatar einen Song aufgenommen. Wie überzeugt man die zu einem gemeinsamen Song?

Ganz einfach: Beide anrufen und fragen. Ich wusste schon vorher, dass beide meinen Song "Rap & Soul" feiern. Xatar hat den sogar auf seiner Facebookseite gepostet. Von daher waren beide sofort begeistert. Xatar hat mich vorher sogar aus dem Gefängnis angerufen, um ein paar Dinge zu besprechen.

Auch die Sache mit dem Video war ganz verrückt. Zu dem Zeitpunkt war Xatar in Berlin und hat mich angerufen. Dann habe ich alle anderen angerufen, die gerade vor Ort waren. Zusätzlich noch Daniel Obradovic, der eigentlich in Hamburg lebt und nur mit einer kleinen Kamera ausgestattet in Berlin war. Das Ganze war einfach wie vorbestimmt.

Ich denke, in der Szene müssen noch viele Vorurteile aus der Welt geschaffen werden. Letzten Endes geht es um die Musik, und man sieht ja, dass auch gerade so eine Kombo hervorragend funktioniert. "Rap & Soul" featuring Max Herre, Xatar und Joy Denalane war wohl der beste Remix 2015. Gerade das ist das Interessante an Musik.

Die Liste deiner Kollaborationen ist lang, deine Songs sind bekannt, doch der ganz große Erfolg blieb bisher aus. Wie gehst du damit um?

Man muss das so sehen: Ich komme aus Heidenheim und bin nach Berlin gegangen mit dem Ziel, Musik zu machen. Allein dieser Gedanke ist schon verrückt. Das ist wei ein Kleinstadtträumer, der seinen Wünschen nachjagt. Deshalb war ich schon sehr erfreut über alles, was sich entwickelt hat. Ich habe unzählige innere Erfolge feiern können, und die waren enorm.

Berlin zieht dich schnell in seinen Bann. Während andere feiern waren, saß ich im Sdtudio. Ich habe mich reingehängt. Dass mein Album jetzt in den Top-Ten chartet, freut mich. Aber iich will einfach einen Weg einschlagen, den vor mir noch niemand gegangen ist. Grundsätzlich will ich einfach nur Musik machen. Alles darüber hinaus ist ein Bonus.

Wie lange hat es denn gebraucht, bis du mit deiner Musik zufrieden warst?

Das erste Mal, dass ich wirklich gedacht habe, einen Song stehen lassen zu können, war 2009. Das war, als ich "Einerseits, Andererseits" veröffentlicht habe. Ich habe früher schon viel gerappt, auch in Heidenheim mit der Band "Nil". Aber so wirklich zufrieden war ich tatsächlich erst mit dem Song "Einerseits, Andererseits".

In deiner Single "Glücklichster Rapper" sagst du "Alles unter Kontrolle, nie was im Leben bereut." Würdest du gar nichts ändern an deiner Vergangenheit?

Wie Cora E. einst schon sagte: Es wäre heute nicht, wie es ist, wäre damals nicht gewesen, wie es war. Alles, was man erlebt, sind Fügungen, die man als solche auch wahrnehmen sollte. Es ist auch nicht so, dass ich jetzt wehmütig an meine Vergangenheit zurückdenke. Man muss einfach Frieden schließen mit allem und jedem.

Chefket - Rap & Soul (feat. Max Herre, Joy Denalane, Xatar)

Quelle: YouTube


Mehr dazu:

Was: Chefket
Wann: Freitag, 15. April 2016, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus Freiburg [Foto: Chefket / Georg Roske]