Interview mit Cajus von Blumentopf: "Wir sind eben die Normalo-Typen"

Daniel Weber

Am Dienstag ist mit der Rap-Kombo Blumentopf eine der erfolgreichsten HipHop-Crews Deutschlands wieder einmal in Freiburg. Daniel hat sich vor dem Konzert der fünf Münchner im Alten Güterbahnhof mit Cajus (Bildmitte), einem der vier Topf-Rapper, unterhalten.



Einen Tag vor dem Start eurer Tour habt ihr den vierten Platz beim Bundesvision Song Contest belegt. Wie seht ihr dieses Ergebnis und was war das für ein Erlebnis?

Cajus: Ganz ehrlich, die Vier ist für uns eine gefühlte Eins. Wir wussten von vornherein, dass an „Unheilig“ überhaupt gar nicht vorbei zu kommen ist. „Silly“ haben eine riesengroße Fanbase, da war uns auch klar, dass die vor uns landen werden. Und „Ich&Ich“ sowieso. Dass am Ende nur ein paar Punkte zum dritten Platz und „Ich&Ich“ gefühlt haben, war super. Aber der vierte Platz war das Maximum und wir freuen uns riesig darüber. Insgesamt war die ganze Veranstaltung ein cooler Abend. Bisher waren wir ja nicht so Fernsehshow-erprobt und dementsprechend erleichtert, dass bei unserem Auftritt mit den Cheerleadern alles geklappt hat. Der war wochenlang geplant.

Kann man sagen, Ihr wart an diesem Abend auch als Botschafter für die HipHop-Szene dabei?

Wir kommen aus dem HipHop, der steckt in uns und unserer Musik drin. Trotzdem waren wir noch nie die Band, die sich fest in der Szene verankert gesehen hat. Es war bei uns auch von Anfang an so, dass wir ein bisschen außerhalb der Szene funktioniert haben  und auch die Szene selbst uns eine Sonderstellung gegeben hat. Dementsprechend haben wir immer in einer Art Paralleluniversum stattgefunden. Als HipHop-Botschafter würde ich uns also nicht bezeichnen.

Schlägt euch aus der HipHop-Szene eine Hassliebe entgegen?

Ja, so kann man es vielleicht umschreiben. Das hat uns aber auch den Vorteil gebracht, dass extrem viele Leute auf unsere Konzerte kommen, die mit HipHop überhaupt nichts am Hut haben. Die sagen dann zu uns: Aber euch find ich geil“. Das ist ein sehr positiver Aspekt des ganzen. Ein Großteil des Publikums auf unseren Konzerten ist auch mit uns groß geworden. Das hören wir immer, weil wir uns nach den Shows ja auch gerne mit den Leuten unterhalten. Wir sind eben die Normalo-Typen ohne großes Stargehabe.

Wenn dann Leute zu dir kommen und sagen, du hättest mit deiner Musik ihre Jugend mitgeprägt, dann ist das schon wirklich ein krasses Gefühl, weil man das selbst gar nicht so parat im Kopf hat. Wir pflegen den Fankontakt sehr gerne uns freuen uns über Feedback, auch wenn das vielleicht mal nicht so gut ist. Auf unseren Konzerten wollen wir gemeinsam mit den Leuten feiern. Deshalb heißt die Tour auch die „Ihr & Wir-Tour“.

Der Live-Bereich ist in Zeiten der Krise des Musikgeschäfts in den vergangenen Jahren ohnehin immer wichtiger geworden.

Absolut. Bei uns ist es schon von Anfang an so, dass wir von unseren Konzerten leben. Man weiß das ja jetzt schon seit mehreren Jahren, dass man sich auf die Plattenverkäufe nicht mehr verlassen kann. Wir haben das Glück, dass unsere Konzerte immer gut laufen. Das liegt aber auch daran, dass wir von Anfang an jedes Konzert wirklich ernst genommen haben und die Leute rocken wollen. So haben wir über die Jahre eine treue Fanbase aufgebaut, die wissen wenn sie zu uns aufs Konzert gehen, dann wird das auf jeden Fall cool. Wir können uns nicht beschweren.



Ihr habt in diesem Jahr euer 18-jähriges Bandjubiläum gefeiert. Wie hält man so ein Gefüge über eine solch lange Zeit frisch?

Indem man immer wieder Veränderungen vornimmt. Das haben wir in der Vergangenheit immer gemacht. Zum Beispiel sind wir damals nach unserem Debütalbum “Kein Zufall“ alle zusammen in eine WG gezogen sind und haben dort 1999 die „Großes Kino“-LP gemacht. Das war eine sehr intensive Zeit. Man hat nicht nur zusammen Musik gemacht, sondern richtig zusammengelebt. Wenn man von der Tour zurückgekommen ist, hat man sich halt die Waschmaschine geteilt. Insgesamt haben wir zweieinhalb Jahre in der WG gelebt.

Die nächste Veränderung war, dass wir danach alle separat nach München gezogen sind, wo wir uns dann ein eigenes Studio errichtet und uns dort ein neues Arbeitsumfeld geschaffen haben. Aber natürlich gab es über die Jahre nicht nur Veränderungen im äußerlichen Umfeld, sondern auch im Sound. Wir müssen uns schon immer selber kicken während der Produktion und einen neuen Ansatz finden, um anders zu klingen als auf der Platte davor. So haben wir auf der aktuellen Platte eben viele gitarrenlastige Sachen und Samples mit drauf, damit es rockig ist, Energie verbreitet und die Leute das live gut feiern können.

Euer aktuelles Album „Wir“ erschien nach einer Bandpause, in der Ihr mit Solo-Projekten aktiv wart. Wie haben sich diese Erfahrungen im Produktionsprozess niedergeschlagen?

Die Soloprojekte waren eine gute Sache und auch eine wichtige Erfahrung. Jeder konnte einfach mal außerhalb des Bandumfelds seinen eigenen Sound kreieren, ohne sich mit den anderen abstimmen zu müssen. Es war danach auch so, dass wir alle gemerkt haben, dass wir wieder richtig Bock haben, zusammen ins Studio zu gehen und eine Blumentopf-Platte zu machen. Wir waren voller Energie. Mitten in der Produktionsphase sind wir dann auch auf Freestyle-Tour gegangen. Das war so ein Back To The Roots-Ding, zwei Plattenspieler, vier Mikrofone und los geht’s. Allein deswegen war das schon geil. Jeden Abend sind wir auf der Bühne ins kalte Wasser reingesprungen und haben versucht, die Leute zu rocken. Das hat auch immer sehr gut funktioniert.

Wir kennen uns natürlich auf der Bühne, ergänzen ganz gut und machen in unseren Freestyles über uns selbst Scherze. Da springt dann der Funken auch gut über ins Publikum. Jeder Abend war ein komplett anderes Konzert. Auf einer normalen Tour ist jeder Abend auch individuell, aber da gibt es natürlich einen geregelten Ablauf der Songs. Wir hatten da am Anfang auch nur geplant, fünf oder sechs Konzerte so zu spielen. Als unser Booker damit rausgegangen ist, haben so viele Städte und Locations angefragt, die haben wir dann auch mitgenommen. Das hat Spaß gemacht und uns auch Energie für das neue Album gegeben.

Während der Fußball-WM habt ihr die Spiele der Nationalmannschaft wieder mit euren Raportagen begleitet. Wie viele schräge Angebote sind euch danach ins Haus geflattert?

Da waren schon ein paar wilde Anfragen dabei. Vom Moderieren einer Modenschau, am besten natürlich in Reimform, bis zu irgendwelchen Sommerfesten von Firmen. „Wir hätten da an einen Sieben-Minuten Auftritt gedacht, in dem ihr einen Song von euch spielt und dann noch eine Raportage über unsere Firma macht“, so was. Da gibt’s wirklich wilde Angebote. Aber wir wollen ja keine Kasperl spielen. Die meisten kann man mit einem Lächeln locker ablehnen. Wir feiern lieber mit unserem Publikum auf unseren Konzerten.



Blumentopf: So lala

Quelle: YouTube
[youtube imBvAPQCD4E nolink]

Mehr dazu:

Was: Blumentopf
Wann: Dienstag, 19. Oktober 2010, 20 Uhr
Wo: Alte Güterbahnhofshalle
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