Interview mit Björn Beton von Fettes Brot: "Elektronische Tanzmusik mit Hiphop im Sinn"

Daniel Weber

Seit der Bandpause des Hit-Trios Fettes Brot hat Björn Beton das DJing für sich entdeckt. Am Freitagabend legt er im Schmitz Katze auf. Daniel hat sich zuvor mit ihm unterhalten - unter anderem über fremde Musik im Internet und eigene Musik in Bierzelten. Und fudder verlost zweimal zwei Gästelisteplätze!



Wie war dein Tag bisher?

Ich war gerade bei mir unten im Keller, da steht ein Laptop, mein DJ-Kram und ein Ikea Expedit voller Platten. Ich hab mich sowohl mit der digitalen Plattenkiste für Freitag beschäftigt und habe auch selber ein bißchen Musik gemacht. Du merkst, ich war unglaublich produktiv. Und heute Abend gehe ich als Ausgleich mit meinen Eltern essen.

Fettes Brot hat gerade Bandpause. Wie hat sich dein Alltag dadurch verändert?

Ehrlich gesagt, ist es ein sehr ähnlicher Alltag zu dem mit Fettes Brot. Es ist ja auch nicht so, dass wir drei uns nie sehen. Ganz im Gegenteil. Wir sehen uns spätestens alle zwei Wochen im Stadion bei St. Pauli, aber auch sonst unter der Woche sehr sehr oft. Wir stehen in regem Kontakt und machen alle drei weiter Musik. Ansonsten bilden wir uns in Sachen weiter, für die wir während Fettes Brot-Produktionen oder Touren keine Zeit haben. Bei mir ist das zum Beispiel das DJing.

Wie lange machst du das denn schon?

So, dass ich mich irgendwo hinstelle und für fremde Menschen auflege, noch nicht so lange. Dass ich aber zusammen mit DJ Pauly bei Aftershowpartys oder im Tourbus gerne für Unterhaltung sorge, war schon immer so. In den letzten Jahren habe ich durch meine Feldforschungen im Internet, für die ich jetzt Zeit habe, so viele neue Musik kennengelernt, dass ich Lust bekommen hab, die Leuten vorzuspielen. Ich freue mich selber ganz kindisch darüber, wie viel tolle neue Musik ich entdeckt habe, die wenige Leute kennen.

Feldforschung bedeutet Blogdurchforstung?

Voll. Einen Großteil meiner Zeit verbringe ich damit, mir so Sachen anzuhören, Bands zu entdecken und mich darüber zu freuen, wie viel tolle neue Musik es gibt. Eine Zeitlang war ich genervt, dass Musik immer so allgegenwärtig und überall verfügbar ist. Das fand ich irgendwie dumm, weil ich den Eindruck hatte, man muss ja gar nix mehr machen, nicht mehr den Arsch hochkriegen und was tun, die Musik kommt schon zu einem selbst.

Das ist aber Quatsch. Ich hab festgestellt, nach der Musik, die einem wirklich gefällt, muss man auf die Suche gehen. Es gibt halt wahnsinnig viel im Internet - auch wahnsinnig viele Scheiße. Und da herauszufinden, was einem gefällt und was nicht, da muss man tiefer gehen. Da helfen natürlich solche Suchmaschinen wie Hypemachine. Aber das alleine macht dich ja noch nicht zu einem geschmackvollen Menschen.

Es ist nicht anders als früher, als man in einen Plattenladen gegangen ist. Die Menge an Angebot ist riesengroße. Man muss schon wissen, was man in etwa will und eine Ahnung haben, so dass man den richtigen Weg einschlägt, um einen eigenen Geschmack zu entwickeln.

Im Plattenladen hört man Musik in der Regel in Ruhe an, im Internet klickt man sich von einem Song zum nächsten.

Darüber mache ich mir schon seit langem Gedanken, ob Musik dadurch weniger ins Herz geht, weil es schnelllebiger ist und sofort neue Songs kommen. Ob das so ist, weiß ich aber nicht. Ich bin jedenfalls nicht nur Musiker, sondern nach wie vor Fan von Musik und Platten.

Welche aktuelle Platte hat dich denn zuletzt richtig umgehauen?

Da kommen wir jetzt gleich wieder zu einem Minuspunkt. Von der Breakbot Platte „By Your Side“ kannte ich durch das Internet vorher schon vier, fünf, sechs Songs. Insofern war die Bombe, die dann explodiert ist, nicht mehr ganz so gewaltig. Aber die Platte fand ich schon sehr, sehr schön. Eine schöne Pop-Platte.

Was legst du denn am Freitag auf?

(Überlegt lange.) Man kann sich das auf meiner Mixcloud-Seite schon mal anhören, was ich mache. Es wird elektronische Tanzmusik mit allem drum und dran und Hiphop im Sinn sein. Die Übergänge zwischen dem, was ich für Rapmusik halte und dem, was andere Leute als Clubmusik oder Dance-Musik oder Elektromusik bezeichnen, sind da sehr fließend.

Bestes Beispiel ist da zum Beispiel A-Trak, der als früherer DMC-Weltmeister und DJ von Kanye West ganz klar aus dem Hiphop kommt aber genreübergreifende Tanzmusik macht. Super Typ. Es gibt eben inzwischen eine große Bandbreite an moderner Tanzmusik.

Wirst du ein Mikrofon dabei haben?

Nein, aber ich habe das original überlegt. Ich glaube, das würde mich und das Publikum zu sehr von der Musik ablenken. Wenn ich dann anfange, Partyspielchen mit dem Publikum zu treiben, ist das, glaube ich, nicht ganz mein Fall. Vielleicht entwickle ich mich ja noch in diese Richtung. Aber ich finde es schöner, wenn man weniger den DJ anguckt und mehr die schönen Menschen um einen herum und bei sich ist. Die Idee für den einen oder anderen Schabernack am Mikrofon habe ich aber trotzdem.

Darf man als DJ aus einer Band auch die Songs der eigenen Band auflegen?

Das ist ein bisschen wie Onanieren, oder? Nein, ach, natürlich darf man das, man darf alles. Wenn der Moment der richtige ist, dann geht das auch. Es gibt auch Momente, wenn ich auf einer Party bin und da läuft ein Song von uns, der super in das Set passt, wo ich dann denke: Wow, perfekt.

Ihr habt ja mit „Jein“, „Bettina“, „Emanuela“ Konsenshits geschaffen, die sowohl im Club als auch im Karneval, auf dem Oktoberfest oder auf der Après Ski-Hütte laufen. Ist das nicht komisch?

Damit bin ich völlig unten, das ist überhaupt gar kein Problem für mich. Das hat einfach auch damit zu tun, dass ich für mich entschieden hab, dass in dem Moment, in dem wir einen Song veröffentlichen, der nicht mehr uns alleine gehört. Ich habe ja nicht die Entscheidungsgewalt darüber, wer den Song wann, wie, wo hört oder gut findet. Wenn die Leute auf der Skihütte unsere Songs abfeiern, bitte. Ich möchte, dass ihr unsere Lieder singt.

War diese Einstellung früher anders?

Ich will nicht sagen, dass das Altersmilde ist. Ich glaube, das ist Altersweise. Ich kann ja nichts ändern. Ich gehe dann einfach nicht aufs Oktoberfest.

Verlosung

fudder verlost zwei mal zwei Tickets für den Gig von Björn Beton am Freitag, 26. Oktober 2012, ab 23 Uhr in Schmitz Katze. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit seinem Namen und dem Betreff "Björn Beton" an gewinnen@fudder.deEinsendeschluss ist Freitag, 26. Oktober 2012, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.

Mehr dazu:

Was: Dynamo Disco mit Björn Beton, Uncut, Allergy Kid
Wann: Freitag, 26. Oktober 2012, 23 Uhr
Wo: Schmitz Katze
Eintritt: Eintritt ab 23 Uhr 6  Euro, ab 0 Uhr 8 Euro
[Foto: Promo]