Interview mit Anika Kempter, die auf den Philippinen einen Freiwilligendienst absolviert

Marius Notter

Vor knapp zwei Wochen verwüstete der Riesen-Taifun Haiyan große Teile der ostphilippinischen Inseln Leyte und Samar. Die 19-jährige Waldkircherin Anika Kempter absolviert seit neun Monaten einen Freiwilligendienst im Westen des Landes. fudder-Autor Marius Notter hat sie gefragt, wie die Situation dort gegenwärtig ist.



Wie ist die Versorgungslage in den betroffenen Regionen?

Noch immer gibt es Menschen, die ohne Essen oder sauberes Trinkwasser auskommen müssen, im Freien, da noch keine Hilfe angekommen ist. Im Vergleich zu den Tagen direkt nach der Katastrophe hat sich die Versorgungslage allerdings deutlich verbessert. Zu Beginn ging die Hilfe nur sehr schleppend voran, wofür viele die Regierung der Philippinen verantwortlich machen.

Wie geht es den Menschen auf den Philippinen nach dieser Naturkatastrophe?

Die Menschen hier sind einerseits schockiert über das Ausmaß der Katastrophe, und viele ärgern sich über die Regierung, die in den Augen vieler nicht schnell genug reagiert hat und nicht gut genug auf den Taifun vorbereitet war. Andererseits sind die Menschen hier sehr dankbar gegenüber den Ländern und Institutionen, die das Land mit Spenden unterstützen. Teilweise haben die Menschen bereits mit dem Wiederaufbau begonnen.



Wie kommt die Hilfe in die bedürftigen Gegenden?

In der Zeit direkt nach dem Unglück war es schwer, in die am heftigsten zerstörten Gegenden zu kommen, da viele Straßen, Brücken et cetera zerstört wurden. Es gab Plünderungen und anscheinend auch Erschießungen. Viele Güter werden durch das Militär transportiert und bewacht, damit es nicht zu Überfällen kommt. Zu Beginn wurden die Sachen über den Seeweg transportiert, da Flughäfen in den betroffenen Gebieten zerstört wurden, inzwischen können Flugzeuge allerdings wieder landen.

Inwiefern kannst du aktiv helfen?

Ich bin auf der Insel Palawan, ganz im Westen des Landes. Hier ist nur Corone, der nördlichste Teil der Insel betroffen, wo circa 70 Prozent der Gebäude zerstört wurden.
Da ich selber nicht in einem betroffenen Gebiet lebe, haben wir Freiwilligen hier versucht, so viele Spenden wie möglich zu sammeln um zu helfen. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch Wasser, Konserven oder Kleidung. Außerdem haben wir mitgeholfen, Güter für das philippinische Rote Kreuz zu packen und zu verladen. Desweiteren versuchen wir vor allem, die Leute in Deutschland zu Spenden aufzurufen und informieren über zuverlässige Wege, wie man Spenden kann.  

Zur Person

Anika Kempter ist 19 Jahre alt und hat 2012 in Waldkirch Abitur gemacht. Gegenwärtig absolviert sie einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst im Rahmen des Weltwärts-Programms. Sie ist seit neun Monaten auf den Philippinen, wo sie in einer Gastfamilie lebt und zur Zeit in einer Schule arbeitet.  

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[Fotos: Privat]