Interview mit Äl Jawala zum neuen Live-Album: "Es fühlt sich gerade so gut an!"

Alexanders Ochs

Im November spielen die Balkan-Beat-Meister Äl Jawala ihr fast schon traditionelles Doppelkonzert im Jazzhaus: einmal für die Kleinen, einmal für die Großen. Was es mit dem neuen Album auf sich hat und was die Band in Kanada gemacht hat, hat fudder-Autor Alex Ochs im Gespräch mit Markus Schumacher herausgefunden, dem Perkussionisten und Schlagzeuger der Band.



Ihr habt gerade ein neues Album herausgebracht. Wieso seid ihr diesmal wieder zum Live-Album gewechselt?

Markus Schumacher: Wir haben damit angefangen, Live-Alben zu produzieren, weil es uns als natürlichste Art erschien, unseren Sound festzuhalten, zumal dieser Sound ja auch so entstanden ist, ganz früher, als wir auf der Straße angefangen haben. Im Studio aufzunehmen ist dagegen wie ein gestelltes Foto. Nach den ersten drei Live-Alben hatten wir aber doch Lust bekommen, zu experimentieren und auszuprobieren, schneiden, loopen etc. Das Material von The Ride, unserer letzten Platte [und Studioplatte, Anm.d.Red.], hat sich in den letzten zwei Jahren verändert, zum Teil stark verändert, sodass wir Lust hatten, diesen Eindruck auch auf einen Live-Platte zu bringen. Und weil es gerade so viel Spaß macht und sich gut anfühlt! (lacht)

Welche Unterschiede macht ihr in der Live-Variante eurer Songs verglichen mit der Studioversion? Beispiel ...?

Das deutlichste Beispiel ist „Backstabbers“: Den Song haben wir eingesungen mit Flo Mega damals, der ist bei einer Session in Köln entstanden, und wir fanden, das passt super zusammen. Dann ist Flo Mega nach Freiburg gekommen, und wir haben den Chor mitgesungen. Jetzt spielen wir und singen den Chor und – ohne Flos Leadstimme. Die Cumbia Queers aus Argentinien haben dann auf unserem Remix-Album zu The Ride ein Cumbia-Remix von dem Song gemacht, der eh schon Cumbia ist, aber die habend den Song noch weiter ...

... cumbianisiert?

(lacht) Genau. Und davon haben wir sehr viel übernommen für die Live-Version, weil es uns so gut gefallen hat. Daniel Verdier, unser Bassist, spielt jetzt bei einigen neuen Songs Gitarre, so auch auf diesem – und die Bässe kommen nun vom Keyboard. Da findet ein Rollentausch statt. Solche Dinge verändern sich über die Jahre. Anderes Beispiel: Beim Song „Druzhno Kaifuj“ ist die Bassline komplett anders geworden, die ist plötzlich verzerrt. Außerdem spielt man live natürlich längere Soli – auch das ist auf der Platte zu hören.

Bislang habt ihr alles auf eurem eigenen Label herausgebracht. Ihr seid jetzt beim Münchner Label Enja Records untergekommen, das eigentlich mehr auf Jazz setzt. Warum und wie kam es dazu?

Also, das Label Enja ist schon 40 Jahre alt und setzt auf Jazz. Die haben aber auch Leute wie Rabih Abou-Khalil, einen syrischen Oud-Spieler, im Programm, der eine völlig eigene Sparte entwickelt hat zwischen traditioneller syrischer Musik und Jazz, oder Dollar Brand aka Abdullah Ibrahim, den Pianisten aus Südafrika mit seiner ganz eigenen Mischung aus Traditionellem und Jazz. Bei uns ist natürlich alles ein bisschen „clubbiger“, aber es lässt sich genauso wenig einordnen – von daher passen wir ganz gut ins Programm. Enja hat uns schon seit sieben Jahren beobachtet und hatte uns vor ein paar Jahren mit ihrem Sub-Label 19_Enja mal angesprochen, aber das kam damals noch nicht zustande.

Wie war die letzte Zeit vor der Veröffentlichung für euch – stressig?

Also, es war schon etwas entspannter als wenn wir das selbst herausbringen. Enja hat uns viel Arbeit abgenommen. Diesmal konnten wir uns selbst mehr um die Musik kümmern. Das ist auch unser Ziel in Zukunft. Kürzlich wurden wir vom Festival Du Monde Arabe nach Montreal eingeladen und haben zur Eröffnung in einem wunderschönen alten Theater gespielt. Und wir haben noch einen zweiten Gig in Toronto gespielt, der von der Band Lemon Bucket Orkestra organisiert worden ist. Die machen dort etwas Ähnliches, wie wir hier in Freiburg mit unserem Jawala-Festival auf die Beine gestellt haben.

Was erwartet die Zuschauer – Groß und Klein – bei eurem fast schon traditionellen Doppelkonzert im Jazzhaus?

Am Abend gibt es neben den Stücken vom aktuellen Album einen kleinen Ausblick auf unsere nächste Studioplatte. Ein paar Songs, die frisch aus unserem Proberaum kommen – rau und ungeschliffen ... Wir sind gespannt ...! Und am Nachmittag gibt es bestimmt wieder eine tolle Party mit den Kindern. Das ist immer etwas ganz Besonderes!

Und wie sehen eure Pläne fürs nächste Jahr aus?

Im Frühjahr/Sommer wollen wir ein Video rausbringen und Ende 2014 oder Anfang 2015 soll das neue Album herauskommen. Außerdem wollen wir wieder viel spielen, vor allem die Festivals im Sommer. Dann gibt es eine neue Agentur in Rumänien, Angebote aus der Türkei, und wir wollen wieder nach Kanada und in die USA.

Mehr dazu:

Was: Äl Jawala CD-Release-Konzert
Wann: Samstag, 23. November, 15 Uhr (Kinderkonzert), 20 Uhr (CD-Präsentation)
Wo: Jazzhaus
Eintritt: Abendkasse 10 Euro
[Bild: Felix Groteloh]