Interview: Melissa Ortiz-Gomez über ihr Aus bei "Let’s Dance"

Frank Zimmermann

Es hat nicht ganz gereicht: Fast hätten sich die Freiburger Tänzerin Melissa Ortiz-Gomez und ihr Tanzpartner Raúl Richter (GZSZ) ins Halbfinale der RTL-Sendung "Let’s dance" getanzt. Warum Melissa von dem Ausscheiden überrascht wurde, berichtet sie im Interview.



Verwunderung: Melissa Ortiz-Gomez, die 27-jährige Tänzerin des TTC Rot-Weiß Freiburg, die mit ihrem Partner Jürgen Schlegel Finalistin bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften war, wurde mit dem 23-jährige Soap-Star Richter von der Jury höher bewertet als das Paar, das schließlich aufgrund des Zuschauervotings weiterkam.


Nun stehen Sophia Thomalla und Massimo Sinato, Sylvie van der Vaart und Christian Bärens sowie Nina Bott und Roberto Albanese im Halbfinale. Melissa lässt ihr Ausscheiden Revue passieren:

Man kann ja schon ausscheiden, aber so war es schon enttäuschend, oder?

Melissa Ortiz-Gomez: Ja, keiner im Saal hatte das erwartet. Wir waren sehr, sehr enttäuscht, denn wir waren uns unserer Sache schon sicher, es hatte sich gut angefühlt, und Raúl hatte auf seine Fans gehofft beim Zuschauervoting. Wir hatten am Ende wohl nur zwei Prozent weniger als das drittplatzierte Paar.

Und wer hat wen getröstet, als die Fernsehkameras aus waren?

Ortiz-Gomez: Wir waren füreinander da – Raul hat mich in den Arm genommen und ich ihn. Wirklich verstanden, was gerade passiert war, haben wir aber nicht.

Die letzten drei Promis im Rennen bei "Let’s dance" sind allesamt Frauen. Sind sie die besseren Tänzer?

Ortiz-Gomez: Nein, das würde ich nicht sagen. Aber für Frauen ist es leichter in dieser Show, das Tanzen schön und einfach aussehen zu lassen, weil es einfacher ist, geführt zu werden, als selbst zu führen. Raúl hatte Schwierigkeiten mit dem Führen, das heißt aber nicht, dass er schlechter getanzt hat. Wenn man die Promis alleine, ohne uns Tänzer, hätte tanzen lassen, dann hätte das Ganze anders ausgehen können. Ich hatte aber auch das Gefühl, dass die Jury – warum auch immer – Raúl auf dem Kieker hatte, dabei hat er seinen Job gut gemacht, sich nie auf die faule Haut gelegt und ist nie zickig geworden.

Ich weiß nicht, was hinter den Kulissen passiert ist. Auf jeden Fall wurde ab der vierten Sendung alles, was Raúl machte, plötzlich extrem negativ gesehen. Ich fand das ziemlich unfair. Man darf aber einfach nicht vergessen, dass das Ganze eine TV-Show ist.

Als Du und Raúl im März angefangen habt, konnte er da schon tanzen?

Ortiz-Gomez: Er konnte gar nichts, wir haben bei Null angefangen. Er hat zwar gesagt, er habe einen Tanzkurs gemacht. Alles ich dann aber sagte "Okay, zeig’ doch mal, was du kannst", kam gar nichts bei raus. Beim Thema Fitness sagte er: "Ich gehe immer ins Fitnessstudio". Dann haben wir mein Fitnessprogramm absolviert – und er hat versagt.

Dabei sieht er doch super fit aus.

Ortiz-Gomez: Ja, er hat eine tolle Figur, aber das heiß nicht, dass man Kondition hat. Wir haben sehr viel Aerobic gemacht, Knie und Arme hochgezogen, sind gerannt wie bei "Rocky" und haben uns am Anfang des Trainings erst einmal mit der Grundhaltung beschäftigt – was es heißt, aufrecht zu stehen. Danach habe ich ihm verschiedene Grundschritte gezeigt. Die haben wir dann erweitert mit anderen Figuren. Auch, wie man eine Frau anfasst, war Neuland für ihn.

Wie bitte?

Ortiz-Gomez: Nicht, was Du meinst... Wenn er meine Hand genommen hat, musste ich ihm sagen: "Raul, so kannst du eine Dame nicht auf einem Ball führen." Er war so tolpatschig. Eine Dame muss anständig geführt und angefasst werden, wie etwas sehr Besonderes, Teures. Das musste er erst lernen, das war witzig.

Ging das Lernen bei ihm schnell?

Ortiz-Gomez: Es gab Phasen, da hat er sehr schnell gelernt, und Phasen, in denen er nichts mehr in den Kopf bekommen hat. Was sicherlich mit dem vielen Drehen zu tun hatte, da war er nicht mehr so aufnahmefähig. Er hat in der Regel von 8 bis 18 Uhr Dreharbeiten, und wir konnten erst ab 19 oder 20 Uhr bis Mitternacht tanzen. Sehr gut war er im Nachmachen. Ich habe mich vor ihn gestellt und dann extra männlich getanzt, das war für ihn der beste Weg zu lernen.

Hat er gejammert und geächzt oder war er folgsam und ausdauernd?

Ortiz-Gomez: Am Anfang war er wehleidig – ein echtes Weichei. Da brauchte er manchmal einen Tritt in den Hintern. Gegen Ende wollte er dann immer mehr – er ist sehr ehrgeizig in allem, was er tut. Er wollte kein Loser sein, aber das wollte ich natürlich auch nicht.

Wie wichtig ist es, dass man seinen Tanzpartner mag?

Ortiz-Gomez: Sehr wichtig. Wenn man gut schauspielern kann, dann kann man zwar einiges überspielen. Aber es wird nie so authentisch wirken, wie wenn man sich wirklich versteht, anschaut, wohl fühlt und sich auf natürliche Weise anlächelt. Der Zuschauer merkt das – Harmonie kann man spüren.

Es gab ja Gerüchte, dass es zwischen euch...

Ortiz-Gomez: Ja, ja, die gab es. Manche Leute verstehen nicht, wenn ein Mann und eine Frau sich einfach gut verstehen. Wir liegen auf einer Wellenlänge und haben auch jetzt noch viel Kontakt. Aber Raúl hat seine Freundin, und ich bin mit meinem Freund sehr glücklich.

Mit welchem Promi in der Show hätten Sie gar nicht tanzen wollen?

Ortiz-Gomez: Mit Mathieu Carrière. Das ist ein sehr schwieriger Mann. Ich weiß nicht, ob ich da genügend Geduld gehabt hätte. Der hat sich teilweise so unmöglich benommen, dass ich dachte: "Moment, mein Herr, Sie sind nicht Gott."

Musstest Du Dir auf oft die Zunge beißen?

Ortiz-Gomez: Ich musste mich sehr häufig zurücknehmen und mir immer wieder sagen: "Das ist kein Turnier, das ist eine Show, da kommt es auf andere Dinge an." An erster Stelle stand Raúl, ich wollte ihm nicht schaden, deshalb habe ich mich zurückgehalten. Uns Tänzer würde es natürlich gefallen, wenn wir mehr mit eingebunden wären und auch unsere Meinung äußern könnten.

Die Promis stehen bei dieser Show natürlich im Vordergrund, aber ohne uns würden sie das Tanzen ja nicht lernen, das könnte manchmal ein bisschen mehr geschätzt werden.

Was hat Dir die Show gebracht?

Ortiz-Gomez: Nur Vorteile, das war sehr gute PR. Ich bin eine Karrierefrau und will das jetzt auch nutzen. Ich habe auch schon sehr viele Anfragen für Shows.

[Dieser Artikel wurde heute in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung Freiburg veröffentlicht]

 

Mehr dazu:

  • "Let’s dance" läuft heute (Freitag) und am 28. Mai jeweils um 21.15 Uhr auf RTL. In der Finalshow am 28. Mai treten auch noch einmal Melissa Ortiz-Gomez und Raúl Richter auf.