Internet-Abzocke: 84 Euro für den Rezepte-Club

Christian Deker

Surfen auf einer Dialer-Website, ein Klick auf ein Betrüger-Angebot – schnell hat man im Internet teure Verträge am Hals, die man nie wollte. Gegen technische Täuschungen und juristische Tricks können sich ahnungslose User kaum wehren. Wie eine Freiburger Studentin in die Falle eines Internet-Abzockers geriet – und am Ende vielleicht doch noch Glück hatte.



Sabine Schmieder (Name geändert) traute ihren Augen kaum, als sie die E-Mail öffnete. 84 Euro für eine Jahresmitgliedschaft in einem Rezepte-Club. "Ich dachte zuerst: Spinnen die?", sagt die 24-jährige VWL-Studentin. Ihr zweiter Gedanke war: "Jetzt versuchen Internetabzocker auch noch mich über den Tisch zu ziehen."


Sabine beteiligt sich am Kochbuch des Freiburger Studentenwerks. Eine Gruppe von Studierenden erstellt ein komplettes Kochbuch aus Studi-Rezepten und übernimmt die gesamte Organisation – vom Sammeln der Rezepte über das Layout bis hin zu Produktion und Vertrieb. Sabine wollte deshalb im Internet nachschauen, wie man Rezepte am besten gestaltet.

Wie sie zu einem Account auf der Website rezepte-ideen.de gekommen sein soll, kann sie sich nicht erklären. Sie hat sich dort nicht registriert und auch keinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen zugestimmt. Vermutlich sei sie über einen Newsletter gegen ihren Willen eingetragen worden, sagt Sabine. Jedenfalls will der Website-Betreiber "Connects 2 Content GmbH" nun Geld von ihr. Sie habe eine Premium-Mitgliedschaft über mindestens zwei Jahre abgeschlossen, die jährlich 84 Euro koste.



Sabine Schmieder will das Geld nicht bezahlen; sie habe ja gar keinen Vertrag abgeschlossen, sagt sie. Hilfe suchte sie zunächst bei der Verbraucherzentrale und im Internet. Dort tauschten sich in Foren viele andere Betroffene aus, die offenbar in dieselbe Falle getappt waren.

In einer E-Mail an den Portal-Betreiber schrieb sie schließlich, dass sie keinen kostenpflichtigen Account beantragt habe, und kündigte auch vorsichtshalber alle möglichen Verträge, auf die sich die Betreiberfirma berufen könnte. "Ich habe Bürgerliches Recht an der Uni belegt und hatte deshalb eine grobe Idee, was ich denen schreibe."

Die Antwort folgte prompt: "Die Mitgliedschaft wurde nicht ohne Ihre Einwilligung vorgenommen. Beachten Sie bitte, dass wir Ihnen mit unserem Newsletter vom 14.01.2009 und 10.02.2009 nachweisbar mitgeteilt haben, dass wir zukünftig einen Mitgliedschaftsbeitrag für unsere Premium-Portale erheben werden", teilte die "Connects 2 Content GmbH" aus Düsseldorf per E-Mail mit.

Diese Newsletter-E-Mails waren aber so gestaltet, dass sie zum Teil in Spamfiltern hängen blieben oder die Adressaten anders nicht erreichten, sagt die Polizei in Düsseldorf. Dort laufen inzwischen Ermittlungen gegen den Geschäftsführer der Betreiberfirma und einen weiteren Mann; weil die beiden im Verdacht stehen, in großem Stil betrogen zu haben. Ein Konto des einen Tatverdächtigen wurde von der Kriminalpolizei bereits eingefroren.

Nach rechtlicher Bewertung durch die Staatsanwaltschaft Düsseldorf seien die Forderungen der "Connects 2 Content GmbH" rechtlich nicht durchsetzbar oder einklagbar, sagt ein Polizeisprecher. Deshalb rate die Polizei den Betroffenen dazu, kein Geld an die Portalbetreiber zu überweisen. Die "Connects 2 Content GmbH" ließ eine Anfrage von fudder unbeantwortet.

Sabine Schmieder wehrt sich noch immer gegen die offenbar unberechtigten Forderungen der rezepte-ideen.de. Obwohl die Portalbetreiber von den laufenden Polizeiermittlungen wussten, verschickten sie Anfang April noch immer Mahnungen an die User. "Ich weiß jetzt ganz ehrlich nicht mehr, was ich denen schreiben soll", sagt Sabine.

Inzwischen haben rund 2000 Geschädigte bei der Polizei Anzeige erstattet, von denen offenbar viele die 84 Euro bereits überwiesen haben. Die Staatsanwaltschaft will deshalb die Fälle, in denen nicht bezahlt wurde und es nur zu einem versuchten Betrug gekommen ist, nicht mit in die Anklage einbeziehen. "Die Erstattung einer Anzeige durch Nutzer, die nicht gezahlt haben, erscheint daher entbehrlich", sagt der Polizeisprecher. Sabine Schmieder hat sich vorsorglich dennoch bei der Polizei gemeldet.

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Web: Verbraucherzentrale Baden-Württemberg