Internationales Heilsteinsymposium: Steine, Chakren, Aura-Fotos

Jan Beck

Vergangenes Wochenende fand im Bürgerhaus am Seepark ein 'Internationales Heilstein-Symposium' statt. Heilsteine? Was ist das für ein Esorkam? Neben Vorträgen und Workshops fand auch eine Mineralienbörse statt. Jan hat sich dort für fudder umgeguckt.



Von außen sieht das Zelt eher nach einem Bierzelt aus, wie man es von Dorffesten und ähnlichen Gelegenheiten kennt. Doch dem ist nicht so. In einem großen Rund an der Außenwand des Zeltes steht Stand an Stand und auch in der Zeltmitte sind einige Reihen Stände aufgebaut. Auf den ersten Blick scheint es eine gewöhnliche Mineralienbörse zu sein.


Beim näheren Hinsehen fallen zwischen den Steinen, Ringen, Ketten und Kunstgegenständen jedoch Blätter auf, die auf die Besonderheiten der jeweiligen Steine und Waren hinweisen. So liegen in durchsichtigen Plastikbeuteln nicht einfach Steine, sondern zum Beispiel „Wasser-Steine“, denen laut Beutelaufdruck besondere Kräfte innewohnen. An einem der Stände, die solche Steine verkaufen, erfahre ich, dass die Steine, je nach Art, unterschiedliche Energien ans Wasser abgeben würden. Manche Steine gäben Energie, manche ließen Energie abfließen.



Neben den Glaskrügen, in denen die Steine sind, steht eine seltsame Apparatur. Ein nett wirkender Herr mit einem Vollbart, der schon an der Grenze zum Grau werden ist, klärt Unwissende Besucher wie mich auf: „Wie Sie sehen kommt da nur sehr langsam etwas zusammen. Das liegt daran, dass hinten schmutziges Wasser gesammelt wird. Das kippe ich dann nachher weg. Aus 1,8 Litern Leitungswasser bekomme ich 1,2 Liter sauberes Wasser.“ Was an diesem Wasser so schmutzig sein soll, erschließt sich mir nicht, daher bleibt diese Apparatur als „Maschine, die aus Wasser weniger Wasser macht“ in meinem Gedächtnis.

Am Rand des Zeltes sticht ein eigentümliches Schild ins Auge. Eigentlich ist es nur ein laminierter Computerausdruck; „Aura-Photos“. Dass es so etwas wie eine Aura geben soll, davon hat man ja schon einmal gehört. Aber, dass man die fotografieren kann? Unter dem „Schild“ hängt ein solches „Aura-Photo“. Eigentlich ein ganz normales Foto von einem Mädchen, allerdings scheint mit der Kamera etwas nicht zu stimmen. Das Mädchen ist bedeckt mit allen möglichen Farben. Ich frage nach. Eine ältere Frau mit Lockenkopf und Brille, die sehr überzeugt wirkt, erklärt, dass im Grunde jeder Mensch solch eine Aura habe und man diese mit solchen Fotos sichtbar machen könne.

Relativ unscheinbar in der Mitte des Zelts befindet sich ein kleiner Stand. Auf dem Tisch liegen Holzkisten mit Edelsteinkugeln darin. Was man wohl mit solchen Kugeln macht? Boule spielen? Hilfsbereit nähert sich eine Frau mittleren Alters mit rotem Lockenkopf und einer gelben Bluse. Sie erklärt, dass es sich hierbei um Massage-Steinkugeln handelt, die in eine Art Holzring geklemmt werden und dann eben zur Massage verwendet werden. Während ich in die Welt der Steine und ihrer Energien eingeführt werde opfert sich meine Begleiterin für einen Test.



Während die Frau erzählt, dass die Steine durch Licht und Schwingung die Körperzellen beeinflussen und jede Steinart unterschiedliche Wirkungen hat, scheint es meiner Begleitung gut zu gehen. Ob das aber an dem Stein oder der Massage an sich liegt, sei dahingestellt. Wenige Meter weiter liegt ein Stand, der wie ein normaler Schmuckstand aussehen würde, wenn da nicht wieder ein neues, diesmal kleineres, weißes Schildchen liegen würde. Dieses Schildchen preist kleine Schächtelchen mit neun nummerierten, bunten Steinchen als „Chakrasets“ an. Wieder so ein Begriff. Laut der Verkäuferin ist jeder der Steine für einen anderen Teil des Körpers gut. Man legt sich also hin, bekommt diese kleinen, teuren, bunten Steinchen aufgelegt und alles soll besser werden. Ich bin überwältigt. Mir kommen Gedanken an Superman und Kryptonit. Ob der auch so angefangen hat?



Beim Gang durch die Reihen sticht einem unweigerlich ein weiterer Stand in einem der Mittelgänge ins Auge. Hinter einer kleinen Vitrine mit bunten Tuben sitzt Ewald Kliegel auf einem Barhocker. Er ist ein älterer Herr mit Halbglatze und Vollbart. Um ihn herum stehen noch mehr Schautafeln mit den gleichen, bunten Farben wie auf den Tuben. Mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen erklärt er dem Besucher, dass es sich hierbei um Salben aus zerstoßenen Edelsteinen handelt. Also im Grunde die gleiche Geschichte wie an den anderen Ständen auch, nur eben in Salbenform. Im Gespräch erfährt man aber auch, dass er seit über 20 Jahren ein Massageverfahren anbietet, dass Reflexzonenmassage und die Energie der Steine verbindet. Auch, wenn man seine Euphorie für die Kraft der Steine nicht teilt, so ist seine Fröhlichkeit dennoch ansteckend.

Ein wenig weiter stehen Fläschchen mit bunten Etiketten auf einem langen Tisch. Jedes der Fläschchen ist mit anderen menschlichen Launen und Eigenschaften beschriftet. „Liebe und Beziehung“, „Lampenfieber“, „Kraft und Erfolg“, ja sogar „Krisenlösungen“ stehen da nebeneinander aufgereiht. Eine nette Dame mittleren Alters mit dunklen, langem Haar und Brille erklärt bereitwillig, dass die Essenzen keineswegs über den Geruch wirken sollen. Vielmehr sollen sich die Energiepartikel der Steine auf die Haut setzen und so auf den Körper Einfluss nehmen. Die Steine kommen in eine Destilliermaschine und das Destillat wird dann mit ätherischen Ölen versetzt, damit es besser riecht. Demnach sind diese Fläschchen aufgepepptes Wasser, in dem einmal Steine gelegen haben.



Trotz der vielen seltsamen und teilweise nicht nachvollziehbaren Erklärungen, konnten mir diese vielen unterschiedlichen Leute dennoch den Eindruck vermitteln, dass von den Steinen eine gewisse Kraft ausgeht: Sie scheinen den Leuten, die daran glauben, soviel Lebensfreude und Freundlichkeit zugeben, wie ich sie selten auf einem Fleck erlebt habe.