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Instagram-Expertin: "Wer seine Bilder optimieren will, der optimiert"

Tamara Keller

Instagram hat die Art, wie wir Bilder wahrnehmen, verändert. Katja Gunkel hat ein komplettes Buch zum "Instagram-Effekt" geschrieben. Im Interview erzählt sie, warum Aufklärung zu Medien wichtig ist.

Fudder: Was halten Sie von dem Verbot von Schönheits-OP-Filtern auf Instagram?
Gunkel: Ich finde das Verbot total absurd. Der Filter, der jetzt verboten wurde, thematisiert Schönheits-OPs explizit. Das kann ich nicht gefährlich finden. Ich finde es viel gefährlicher, dass die Grafik-Filter bei Instagram den Hautton auf Bildern auch aufhellen. Das basiert auf dem Schönheitsideal der Hellhäutigkeit und ist eine Form von Rassismus. Wenn man selbst Weiß ist, fällt das einem selbst vielleicht nicht auf. Das Gefährliche an dem Effekt ist, dass er so unauffällig ist und so dargestellt wird, als wäre es die natürliche Sichtweise auf Menschen – was aber nicht so ist. Ich glaube nicht, dass ein Verbot von Schönheitsfiltern etwas bringt.


"Die Medien sind zwar neu, die Geschlechterbilder spiegeln aber veraltete Rollenklischees wider."

Fudder: Warum nicht?
Gunkel: Dieses Jahr gab es verschiedene Studien zu den Geschlechtsdarstellungen in den sozialen Medien, die von Stiftungen in Auftrag gegeben wurden. Dort ging es vor allem darum, wie sich junge Mädchen und Frauen dort zeigen. Diese Studien sind zu einem ernüchternden, aber für mich nicht verwunderlichen Ergebnis gekommen: Die Medien sind zwar neu, die Geschlechterbilder spiegeln aber veraltete Rollenklischees wider. Da wurde sehr deutlich, wie unglaublich hart junge Menschen mit ihrem eigenen Körper ins Gericht gehen und diesen in der Pubertät als mangelhaft empfinden. Dass die Bilder auf Instagram geschönt sind, wissen wir alle – das wissen auch die jungen Menschen. Aber diese Studien zeigen, dass die Bilder trotzdem ihre Wirkmacht haben. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn man diese Filter verbietet. Es gibt genügend weitere Apps, die die Bearbeitung trotzdem ermöglichen.

Fudder: Wenn ein Verbot nicht sinnvoll ist, was wäre ein gesünderer Umgang?
Gunkel: Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man mit einer kritischen Bild- und Medienkompetenz Aufklärung betreibt. Aber nicht, indem man sagt, wir verbieten jetzt diese bestimmten Filter. Diese Konzerne haben keinen bildungspolitischen Auftrag, sondern sind ökonomisch motiviert. Wer seine Bilder optimieren will, der optimiert sie. Das ändert nichts daran, dass wir tagtäglich – nicht nur auf Instagram – sondern auch in der Werbung oder Zeitschriften mit Bildern konfrontiert werden, die nicht real sind. Aber die haben trotzdem eine reale Konsequenz: Nämlich, dass man sich minderwertig fühlt, obwohl man weiß, dass die Person im realen Leben nicht so aussieht.
Zur Person

Katja Gunkel (38) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstpädagogik an der Goethe-Universität in Frankfurt. Dort lehrt und forscht sie zu digitalen Bildkulturen, Pop und Internetkultur.

Fudder: Was hat Instagram an der Fotografie verändert?
Gunkel: Wir haben heute die Möglichkeit, unsere Bilder per Knopfdruck zu verschönern. Das digitale Bild ist beliebig modifizierbar. Desktopprogramme wie Photoshop sind nun in abgespeckter Version in Instagram enthalten und so vereinfacht worden, dass sie jeder ohne Vorwissen bedienen kann. Es geht nicht mehr um eine Sache, die sich so real vor einer Kamera befunden hat. Das ist komplett konstruiert – und es ist immer wieder offen für Remodellierung. An einem Tag kann ich ein Bild mit einem Filter versehen, an einem anderen mit einem anderen. Es gibt nicht mehr das eine Bild. Bei Instagram ging es am Anfang mit seiner Polaroid-Optik um die Imitation eines Retro-Looks. Davon hat sich die Plattform wegentwickelt. Potenzielle Konkurrenten wie Snapchat und Vine wurden ausgeschaltet durch Möglichkeiten wie die Filter- oder Videofunktion. Die Plattform ist darum bemüht, ein Monopol zu bilden – das ist sichtbar.

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