Infight: Impulsive Hüftschwünge und die ganz große Show

Gina Kutkat

Donnerstagabend spielt mit Infight eine Band aus Freiburg im Finale des Red-Bull-Tourbus-Contests, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihr Publikum durch ekstatischen Diskopunk zum Tanzen zu bringen. Gina war auf Proberaumbesuch, bevor sich die Jungs von Infight morgen auf den Weg nach Hamburg in den Club Uebel&Gefährlich machen.



Es riecht nach abgestandener Luft. Ein bisschen muffig und verschwitzt. Es riecht, wie ein Proberaum riechen muss: Nach arbeitsamen, energischen und schweißtreibenden Sessions. Auch optisch werden alle Proberaum-Kriterien erfüllt: Teppiche und Schaumstoffpaletten als Dämpfung an den Wänden, vereinzelte Poster, Instrumente, ein Laptop und ein paar leere Bierflaschen. Die Band, die zu diesem Proberaum gehört, heißt Infight. Hier, auf dem Gelände des Freiburger Güterbahnhofs, haben sie ihre Zentrale eingerichtet.


Unter einem einsamen Haus führt ein langer Gang mit kahlen Wänden und kaltem Licht zu verschiedenen Türen. Auf der rechten Seite ist der Proberaum. Er ist gerade groß genug für eine vierköpfige Band und bietet nicht einmal Platz für ein Sofa, da noch ein zweites Drumset aufgestellt ist. "Wir teilen uns den Proberaum mit zwei anderen Bands, sonst könnten wir uns die Miete als Studenten gar nicht leisten", sagt Gitarrist Johannes Sauter. Seit Anfang des Jahres proben sie hier und schreiben an neuen Songs. Heute Abend ist die Generalprobe: In zwei Tagen spielt Infight beim Finale des Red-Bull-Tourbus-Contest im Hamburger Club Uebel & Gefährlich.

Aufregung ist den Vieren nicht anzumerken. "Wir sehen das ganze einfach als Chance an, auch mal außerhalb von Freiburg zu spielen. Außerdem freuen wir uns auf Hamburg." Gitarrist Johannes Sauter, Drummer Paul Walden und Sänger Matthias Rosa kennen sich aus ihrem Heimatort Tuttlingen, Bassist Christian Schneider ist seit Anfang des Jahres dabei. Wenn sie gerade nicht Musik machen, geht jeder Infighter seinem Studium nach. Von kreativ bis technisch sind alle Interessen und Talente vertreten: Johannes studiert Kunstgeschichte, Germanistik und europäische Ethnologie, Paul Mikrosystemtechnik, Matthias macht eine Ausbildung zum Physiotherapeuten und Christian studiert an der Hochschule Offenburg Medieninformationstechnik.

"Sexy Music For Sexy People" heißt der Slogan, mit dem Infight seit März ihr Unwesen in der Freiburger Musikszene treiben. "Wir finden unsere Musik einfach ziemlich sexy und möchten, dass sich jeder dadurch angesprochen fühlt. Denn eigentlich findet sich doch jeder ein bisschen sexy, oder nicht?" Die Zutaten für die Sexyness von Infight sind impulsive Hüftschwünge, ekstatisches Gezappel auf der Bühne, die ganz großen Gefühle gepaart mit der ganz großen Show. Johannes beschreibt die Zauberformel von Infight mit einem Bild: "Die mit Pomade zurückgegelten Haare unseres Bühnentiers Matthias, kombiniert mit einem weißen, engen Rippshirt und schließlich seine Hände, mit denen er das Mikro dramatisch umfasst."

Paul, Johannes und Matthias machen schon seit über zehn Jahren zusammen Musik, angefangen haben sie mit Grunge. "Was man eben so macht mit 16", sagt Paul. 2002 gründeten sie die Band Infight. Den Namen fanden sie beim Blättern im Wörterbuch. "Infight gefiel uns einfach. Es steht für den Nahkampf beim Boxen und passt irgendwie gut zu uns." Bis 2005 spielten Infight - damals noch mit anderem Bassisten - über 100 Konzerte, unter anderem als Vorband von The Bones oder T.M. Stevens - dem Bassisten von Tina Turner und Joe Cocker. Danach legten sie erst einmal drei Jahre Pause ein, um anderen Projekten - unter anderen dem Bandprojekt Lazuright - nachzugehen. Das Jahr 2009 sehen sie als Neustart an.



Gossip, Franz Ferdinand, Kings Of Leon, Nine Inch Nails, Peaches, Gary Newman - die Referenzliste ist lang und bunt, beschreibt den vielfältigen Sound der Band aber nur unzureichend. Denn Infight flechten die verschiedensten Einflüsse in ihren Sound ein und kombinieren diese mit einer verführerischen Rockstar-Attitüde. So tummeln sich Discoklänge der 70er und 80er neben quietischigen Gitarren, Synthesizern, Elektrosounds und dem Grunge der 90er. Wenn schon eine Stilschublade, dann Diskopunk. Aber diese Band erlebt man am besten live.

Paul trommelt schnurgerade, treibende Beats, Matthias steuert die unverzichtbaren Synthesizer bei, Johannes kümmert sich um die knarzenden Gitarren und Christian ist für die Basslinien zuständig. Getragen wird alles vom ausdrucksstarken, theatralischen und stechend scharfen Gesang. Die Songs sind ordentlich tanzanimierend und klingen so gar nicht nach muffigem Proberaum.

"Wir wollen die Leute zum Tanzen bringen" erklärt Johannes. "Das hat bei den letzten Konzerten auch immer gut funktioniert. Vor allem, wenn Shorty sein inneres, wildes Bühnentier rauslässt."

Womit wir auch schon bei den Pseudonymen wären. Shorty McPimp, Johnny No-Star, Doc Crisis und Captain Zorkon heißen die vier Infight-Rolemodels, die das Konzept komplettieren.

Ein Dutzend Songs hat die Band bis jetzt geschrieben. Im Oktober gehen die Jungs ins Studio nach Wurmlingen, um ihre erste EP aufzunehmen. "Danach beginnen wir mit den Bookings für das nächste Jahr," sagt Christian. "Natürlich wollen wir auch irgendwann mal auf Tour gehen." Vielleicht klappt das schon früher als geplant. Morgen Abend haben Infight beim Contest-Finale die Chance, eine Zehn-Tages-Tour auf dem Red-Bull-Bus zu gewinnen.

Neben den Rock'n'Roll-Klischees, den Sexy-Sprüchen und den wilden Tieren auf der Bühne bleibt am Ende doch ein ganz bescheidener Wunsch. "Wir wollen einfach, dass die Leute zu unseren Konzerten kommen und Spaß haben."

Mehr dazu:

  • Red-Bull-Tourbus-Contest: Website
Was: Finale Red-Bull-Tourbus-Contest mit Big Tennis, Shew Sharlatan, Betty True, Infight
Wann: Donnerstag, 10. September, 20 Uhr
Wo: Uebel & Gefährlich, Hamburg
Eintritt:frei

Was: Infight
Wann: Donnerstag, 5. November, 20 Uhr
Wo: White Rabbit

Infight - No Fitting

Quelle: YouTube