Inditrack: Uni Freiburg startet interdisziplinäres Studienangebot

Maria-Xenia Hardt

Einfach mal ein Jahr lang studieren, was man will: Dieses Angebot macht die Uni Freiburg ab dem Wintersemester 2012/2013 Bachelorstudenten, die zwei Jahre ihres Studiums hinter sich haben. "Inditrack" heißt das Angebot. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Für wen ist das Programm gedacht?


Das Programm richtet sich an Bachelor-Studenten aller Fachrichtungen, die die ersten vier Semester ihres Fachstudiums hinter sich haben. Für das Winersemester 2012/2013 kommen also all jene in Frage, die zum Wintersemester 2012/2011 ihr Bachelor-Studium begonnen haben. Der erste Jahrgang wird ein Pilot-Projekt mit 30 Studierenden sein, in Zukunft sollen aber weitaus mehr Studenten die Möglichkeit haben, „Inditracker“ zu werden.

Woher kam die Idee zu Inditrack?

Das Programm ist Teil eines Freiburger Beitrags zum Wettebwerb „Exzellente Lehre“, der 2009 prämiert wurde und somit umgesetzt werden kann. Ziel ist, im eng strukturierten Bachelor-Studiengang Freiräume für Lehrende und Studenten zu schaffen.

Wenn ich am Pilotprojekt teilnehme, bin ich dann Versuchskaninchen?

„Wir nennen es lieber Pioniere“, sagt Harald Wohlfeil (Bild unten), einer der Veranstwortlichen des Programms, „aber das passt ja auch gut zum Programm. Selbstständigkeit und, in der Tat, Pioniergeist sind gefragt!“



Das Programm befindet sich in der Tat noch in der Testphase, an Prüfungsordnung und konkreter Umsetzung wird derzeit noch getüftelt. Zum Wintersemester geht das Programm aber auf jeden Fall an den Start.

Welche Veranstaltungen kann ich während der beiden Semester belegen?

Das Motto „All you can study“ ist durchaus wörtlich gemeint: Fast alle Fächer haben zugesagt, ihre Kurse für die Inditracker zu öffnen, Einschränkungen gibt es nur bei stark beschränkten Veranstaltungen wie Laborpraktika. Von „Class in the U.S. Fiction“ über „Modernes Hebräaisch“ bis hin zu „Experimentalphysik“ und „Kristalle, Mineral, Gesteine I“ stehen 300 Veranstaltungen zur Wahl. Dass ein Physiker nicht direkt ein Hauptseminar in Geschichte besuchen kann, ist klar. Nach einer Einführung im ersten Semester können im zweiten dann aber auch Seminare besucht werden. „Das ist sogar unsere Idealvorstellung“, sagt Harald Wohlfeil, „dass die Studenten nach einer Orientierung auch tiefer in eine fremde Wissenschaft einsteigen.“

Ein verpflichtendes Kernprogramm soll den Blick auf die Wissenschaft allgemein weiten, auf den Zusammenhang verschiedener Fachgebiete und auch ihre unterschiedlichen Sichtwinkel.

Bis wann kann ich mich bewerben?

Die genaue Bewerbungsfrist steht noch nicht fest, wird aber voraussichtlich in der erste Juli-Hälfte liegen, wenn die letzten Planungen abgeschlossen sind. Aktuelle Infos werden immer auf der Homepage bekannt gegeben. Dort kann man sich auch für einen Mail-Verteiler registrieren und bekommt so immer aktuelle Updates.

Was ist der Unterschied zu Programmen vor Studiumsbeginn, wie zum Beispiel dem Studium Generale am Tübinger Leibniz Kolleg?

„Vielen wussten noch nicht, was sie studieren wollen“, sagt Thorina Boenke, die 2009/10 am Tübinger Leipniz Kollege war, „Sie haben das Jahr zur Orientierung genutzt.“ Inditrack hat ein bewusst anderes Konzept: Die Studenten sollen die Inhalte anderer Fachrichtungen mit dem Wissen aus ihrem eigentlichen Studium reflektieren. Wissenschaftliches Arbeiten muss nach dem 4. Semester niemand mehr lernen, da bleibt mehr Zeit für anderes. „Ich glaube, dass das ein tieferes akademisches Eintauchen ermöglicht“, sagt Thorina.

Kann Inditrack eine Alternative zum Auslandsstudium sein?

Harald Wohlfeil: „Für Studenten, die aus unterschiedlichen Gründen während des Bachelors nicht ins Auslang gehen wollen, sondern vielleicht erst im Master, kann Inditrack eine gute Alternative sein: eine Chance zur persönlichen Entiwcklung und dazu, einen Zusatzwert für das Studium zu generieren.“

Wie kann ich das Jahr finanzieren?

Durch Inditrack erhöht sich die Bachelor-Regelstudienzeit auf acht Semester, so kann das Jahr aller Voraussicht nach durch BAföG gefördert werden.

Was bringt das ganze?

Die Möglichkeit, über den Tellerrand zu schauen und Neues zu entdecken – vielleicht auch Dinge, von denen man gar nicht glaubt, dass sie interessant sein können. „Ich hätte nie gedacht, dass ich Archäologie oder Kunstgeschichte spannend finden könnte“, sagt Thorina in Rückblick auf ihr Jahr in Tübingen, „gleichzeitig habe ich mich aber in meinem Studienwunsch Molekularmedizin bestärkt gefühlt. Ohne dieses Jahr hätte ich auch kein Italienisch gelernt – und jetzt gehe ich nach Italien.“

Was das ganze bringt, kommt auf den einzelnen an, auf seine Motivation und auf seinen Pioniergeist. Im Optimalfall heißt Inditrack: Leinen los, aufs Meer hinaussegeln, fremde Inseln oder gar Kontinente entdecken und nach einem Jahr in den Heimathafen zurückkehren, um das ein oder andere Abenteuer reicher.

Mehr dazu:

Was: Infoveranstaltung Inditrack
Wann:
Dienstag, 22. Mai 2012, 14 Uhr (c.t.)
Wo:
Hörsaal Weismann-Haus, Albertstraße 21a
Weitere Infoveranstaltungen sind für Juni geplant
[Bild 1: Ingo Schneider, fudder-Archiv; Bild 2: privat]