In-Zeitung: Fünf Antworten einer Redakteurin

Dominik Schmidt

"Migranten sind ungebildet, arbeitslos und können kein Deutsch." Diese gängige Klischees finden sich oft in deutschen Köpfen wieder. Der Migrantenbeirat Freiburg möchte mit der In-Zeitung das Gegenteil beweisen. Migranten sind intelligent, gebildet und talentiert, ruft das Editorial der ersten Ausgabe dem Leser entgegen. Was und wer steckt hinter der Initiative? Fünf Antworten von Redakteurin Mónica Alarcon.



   

Die Antwortgeberin:

Mónica Alarcon, geboren in Ecuador, studierte Philosophie in Chile und Freiburg. Sie ist eines der 19 gewählten Mitgliedern des Migrantenbeirats der Stadt Freiburg und Redakteurin der In-Zeitung.

Frau Alarcon, warum braucht Freiburg eine Migrantenzeitung?

Mónica Alarcon: Es war immer ein Wunsch, eine eigene Zeitung herauszugeben. Wir haben es sehr kritisch beobachtet, wie Migranten in den Medien dargestellt wurden. Migranten sollen nicht immer nur Objekt in den Medien sein, sondern selbst aktiv in Bezug auf Migration etwas sagen. Was wollen und meinen Migranten wirklich? Das ist wichtig zu wissen.

Die Idee einer Zeitung haben wir bereits vor vielen Jahren gehabt. Es wurde immer wieder in Workshops angesprochen, ist zwischendurch in Vergessenheit geraten und konnte jetzt zum Glück endlich umgesetzt werden. Im Juli wird der Migrantenbeirat neu gewählt, dieser Termin war letztendlich der Anreiz, das Zeitungsprojekt endlich umzusetzen. Da der Beirat von Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund in Freiburg gewählt wird, ist es wichtig diese zu erreichen. Dabei wird die In-Zeitung hoffentlich helfen.

Was ist wichtiger? Anpassung oder das Bewahren der kulturellen Vielfalt?

Kulturelle Vielfalt zu bewahren ist wichtig. Im Endeffekt muss es aber eine Kombination sein. Anpassung von beiden Seiten. Sowohl Deutsche, als auch Migranten, müssen kulturell aufeinander zugehen. So kann eine Pluralität von Kulturen geschaffen werden, die eine Bereicherung ist und neue Inspirationen bringt.
 

Wie wird die In-Zeitung finanziert?

Die erste Ausgabe ist von den Mitgliedern des Beirats selbst finanziert worden. Zusätzlich haben wir Unterstützung vom Büro für Migration und Integration und dem Kulturamt bekommen. Außerdem kommt natürlich viel ehrenamtliche Arbeit. Die Kosten sind auf Dauer allerdings von uns nicht tragbar. Der Druck alleine kostete 5000 Euro, außerdem mussten wir einen PC und die nötige Software kaufen. All das konnten wir für die erste Ausgabe aufbringen, aber zukünftig brauchen wir auch andere Einnahmequellen.

Wir suchen die Unterstützung der Stadt und es wird auch überlegt, ob wir Anzeigen in der Zeitung schalten sollten. Freiburger Unternehmer mit Migrationshintergrund hätten vielleicht Interesse.



Wie geht es weiter mit der Zeitung?

Die zweite Ausgabe ist bereits in Arbeit. Wir haben für die 16 Seiten immer nur drei Monate. Das ist nicht viel und speziell die erste Ausgabe hat enorm Zeit gekostet. Aber man sagt ja, die erste Nummer ist die schwierigste. Konzept, Layout und Inhalt mussten grundsätzlich besprochen werden, und auch mit den deutschen Kollegen gab es Diskussionen über das Konzept. Aber im Endeffekt sind wir alle zufrieden mit der ersten Ausgabe.

Das Layout wird in der zweiten Ausgabe gleich bleiben, aber die Themenschwerpunkte variieren in jeder Ausgabe. Wir möchten auch mehr kurze Beiträge in Fremdsprachen im Heft haben und die Leser für die Wahlen des Migrantenbeirats im Juli mobilisieren.

Was ist Ihre persönliche Geschichte? Warum engagieren sie sich bei der In- Zeitung und dem Migrantenbeirat?

Ich komme ursprünglich aus Ecuador, habe dann aber in Chile Philosophie studiert. Nach Deutschland zog es mich dann aus zweierlei Gründen. Mein Professor damals in Chile hatte selbst bei Martin Heidegger, dem deutschen Philosophen, gelernt. Deutsche Philosophen spielten für mich also immer schon eine große Rolle und weckten mein Interesse.

Der zweite Grund ist, dass ich einen deutschen Mann in Ecuador kennenlernte. Er bekam Heimweh, zog zurück nach Deutschland und ich folgte ihm. Letztendlich hielt die Liebe nicht, aber ich schrieb meine Dissertation in Deutschland und blieb.

Besonders anfangs war es nicht leicht in Deutschland. Ich wurde mit Diskriminierung konfrontiert, einmal fragte mich ein Mann in der Bahn, ob man Frauen wie mich kaufen könnte. Daraufhin entschied ich mich, dass man sich engagieren muss, um das Leben der Migranten zu verbessern.

Die In-Zeitung

Die In-Zeitung erscheint viermal jährlich als Beilage zum Amtsblatt. Die Auflage beträgt 106.000 Exemplare. Produziert wird die Zeitung von einem Redaktionsteam bestehend aus unterschiedlichsten Nationalitäten. Teilweise gewählte Mitglieder des Migrantinnen- und Migrantenbeirats, aber auch ehrenamtliche Helfer, arbeiten an den 16 Seiten. Wer sich bei der In Zeitung engagieren möchte, kann am 15. März 2010 um 18.30 Uhr bei einem Redaktionstreffen in der Uhlandstraße 4 vorbeischauen.

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