In vier Workshops zeichnen Geflüchtete und Einheimische ihre persönlichen Stadtpläne

Anja Bochtler

Immer im Kreis herum, vom Mundenhof zum Schlossberg und weiter: An diesen Orten wurden Mohammad Alsakkas (27) erste Eindrücke von Freiburg geprägt, als er vor 14 Monaten hier ankam. Er hat diese Erfahrungen auf zwei Bildern verarbeitet.

Immer im Kreis herum, vom Mundenhof zum Schlossberg und weiter: An diesen Orten wurden Mohammad Alsakkas (27) erste Eindrücke von Freiburg geprägt, als er vor 14 Monaten hier ankam. Er hat diese Erfahrungen auf zwei Bildern verarbeitet: Neben dem Kreis mit den Orten auch auf einem selbstgezeichneten Freiburg-Stadtplan. Beides entstand im Projekt "Mapping Freiburg" des Literaturbüros und des Illustrierenden-Vereins "Illu", das nun zu Ende ging.

Die Werke von Mohammad Alsakka hängen an einer Leine im Heliodrom, dem Zelt an der Lörracher Straße. Dort organisiert der Verein "Fairburg" das Projekt "Zwischenraum", das aus vielen Einzelaktionen mit geflüchteten Menschen besteht. "Mapping Freiburg" ist eines davon. Und Mohammad Alsakka, der seine persönlichen Freiburg-Karten schon fertig gezeichnet hat, ist trotzdem auch beim letzten von vier "Mapping Freiburg"-Workshops wieder dabei.


Neben ihm sitzen Omar Alshomari (23) und Mohamad Nour Salameh (26), die zum ersten Mal da sind, alle drei stammen aus Syrien. Die anderen der insgesamt 16 überwiegend jüngeren Menschen am Tisch haben ihre Wurzeln unter anderem in Chile, Spanien, Gambia, Russland und Freiburg. Es ist eine zufällige Mischung, bei jedem der jeweils zweitägigen Workshops kamen andere Leute.
Mittendrin sind Katharina Knüppel und Lukas Kübler vom Literaturbüro und Tilmann Waldvogel und Ludmilla Bartscht vom Verein "Illu". Zusammen haben sie die Kartenidee entwickelt, die Zeichnen und Geschichtenerzählen verbindet und sich deshalb anbietet für Geflüchtete, die noch nicht perfekt Deutsch sprechen. Wie gut das hinhaut, beweist Mohammad Alsakka, wenn er von den Orten auf seinen Bildern erzählt: Seine allerersten Tage hat er auf dem Camp am Mundenhof verbracht, in den Containern der damaligen Flüchtlingsunterkunft.

Wie war das? "Schlimm", sagt er. Doch nach der gefährlichen und anstrengenden Flucht aus Syrien war’s zumindest ein sicherer Ort. Danach konnte er in eine Flüchtlingsunterkunft in Gundelfingen umziehen, das war besser.

Am besten aber ist es jetzt, denn seit ein paar Tagen lebt Mohammad Alsakka, der inzwischen als Gasthörer Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule studiert, mit deutschen Freunden in einer Freiburger WG. In seiner Anfangszeit haben ihn der Schlossberg und der Seepark begeistert, und der Schauinsland, der ihn sehr überrascht hat: "Vor einem Jahr im Frühling bin ich mit der Gondel hochgefahren, im T-Shirt und mit einfachen Schuhen", erzählt er. Oben dann kam der Schock: Alles war verschneit. "Das war eine Katastrophe", sagt er und lacht. Nach der ersten Stunde mit Zeichenübungen ziehen alle los. Sie wollen in kleinen Gruppen die Orte erkunden, die für sie Freiburg bedeuten, und sie danach auf ihren persönlichen Freiburg-Stadtplänen festhalten.

Wohin zieht es Omar Alshomari und Mohamad Nour Salameh, die vor drei und sieben Monaten hier ankamen? Auf jeden Fall zum Bahnhof und zu ihrer Sprachschule "IOR" ganz in der Nähe. Dort sind die Wege, die sie täglich gehen. Für Mohamad Nour Salameh ist aber auch das Münster ganz wichtig, und für Omar Alshomari das "Cinemaxx"-Kino, denn er liebt Filme, obwohl er bisher vieles sprachlich noch nicht versteht. Auf keinen Fall fehlen wird auf ihrer Karte auch der Opfinger See, zu dem sie schon mehrmals Ausflüge gemacht haben.
Wenn alle Karten fertig sind, werden sie mit dem Risographen gedruckt, erzählt Katharina Knüppel. Dieses Kartendruckgerät konnte durch die 10 000-Euro-Finanzierung, mit dem der Innovationsfonds des Landes das Projekt ermöglichte, angeschafft werden. Die Karten können in den Buchhandlungen Schwarz und Josfritz gekauft werden und sind in einer Ausstellung beim Bürgerbühnenfestival in der zweiten Maihälfte am Theater zu sehen.