Müll in Freiburg

In Studentenwohnheimen wie in Vauban gibt es keine Biomülltonnen

Jana Luck

Im Studentendorf Vauban und anderen größeren Wohnanlagen in Freiburg gibt es keine Biomülltonnen. Einigen Studenten stinkt das. Die "Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg" (ASF) nennt als Grund falsche Mülltrennung.

"Wenn Sie in der ,Green City’ Freiburg in dem Stadtteil ankommen, der ,grüner’ ist als andere – dann sind Sie im Vauban gelandet": So beschreibt das Studierendenwerk Freiburg (SWFR) auf seiner Homepage das von ihm verwaltete Studentendorf Vauban.


Für Clemens Wulf, einen der Bewohner, klingt das ironisch: "Green City Freiburg? Und wir können nicht einmal Restmüll und Biomüll trennen?"

Es stimmt – die 606 Bewohner haben keine eigenen Biomülltonnen. Woran liegt das? "Ich bekam vom SWFR immer nur sehr knappe Auskünfte", sagt der 27-Jährige, der Umwelt- und Naturwissenschaften studiert und sich als "Garten-Tutor" in der Wohnheim-Selbstverwaltung engagiert: "Da hieß es, es gebe keine Biotonnen wegen des Ungezieferbefalls. Und weil die Studierenden den Müll nicht sauber trennen."

Für Wulf sind das keine schlüssigen Argumente. "Warum sollen die Ratten an den Biomüll gehen und nicht an den Restmüll? Das ist doch eine Ausrede. Ich kenne viele, die gerne ihren Biomüll richtig entsorgen würden." Bislang gibt es nur einzelne umweltbewusste Studierende, die mit viel Findigkeit ihre eigene Lösung finden – so wie Isabell Schlangen, die sich einen WG-Küchen-Komposter gebaut hat.

Schlechte Erfahrungen beiMülltonnen-Test in "Stusie"

In der "Stusie" – der "Studentensiedlung" beim Seepark (Betzenhausen) – habe es vor einigen Jahren noch Biomülltonnen gegeben, sagt Renate Heyberger vom Studierendenwerk: "Wir haben aber sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht." Die Biomülltonnen hätten tatsächlich mehr Ungeziefer angezogen als Restmüll: "Auch deshalb gibt es mittlerweile in keinem Studentenwohnheim in Freiburg mehr Biomülltonnen."

Das größte Problem sei aber die unzureichende Mülltrennung gewesen. "Über die Hälfte des Mülls in den Studentenwohnheimen wird nicht korrekt getrennt", sagt Heyberger. Das SWFR kläre die neuen Bewohner mit Tutoren und Flyern über die richtige Müllentsorgung auf, "aber bisher hat das wenig geändert." Die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) bestätigt, dass schlechte Mülltrennung der Grund sei, weshalb es in Studentenwohnheimen keine Biomülltonnen gibt.

Wer selbst kompostiert, spart 8 Euro pro Jahr

"Insgesamt haben wir in Freiburg aber einen vergleichsweise hohen Anschlussgrad, was den Biomüll anbelangt", so Geschäftsführer Michael Broglin. Mehr als 90 Prozent der 110 000 Haushalte in Freiburg verfügten über eine Biomülltonne. In der Freiburger Abfallwirtschaftssatzung ist geregelt, wie welcher Müll entsorgt werden muss. Darin verzeichnet ist auch das sogenannte "Anschluss- und Benutzungsrecht" – gekoppelt mit einem "Anschluss- und Benutzungszwang". Wer die Abholung des Biomülls nicht in Anspruch nehmen will, muss dazu einen Antrag stellen. Und befreit wird laut Satzung nur, wer nachweislich selbst kompostiert. Rund 4000 Haushalte seien das in Freiburg, sagt Michael Broglin. Die Antragsteller können etwa durch den Kaufbeleg einer Kompostiertonne nachweisen, dass sie keine Biomülltonne brauchen. Die jährlichen Gebühren von 8 Euro werden ihnen dann erlassen. Im Studentenwohnheim wird aber nicht flächendeckend kompostiert.

Und auch in anderen Stadtteilen Freiburgs, in denen hochgeschossige Gebäude stehen, verzichtet die ASF zum Teil von sich aus auf Biotonnen – auch ohne Kompostierungsnachweis. Michael Broglin erklärt den Ablauf so: "Zum einen meldete uns zum Beispiel das Studierendenwerk öfter, dass es Probleme mit der Mülltrennung gibt. Aber auch unsere Mitarbeiter informieren uns, wenn sie an bestimmten Stellen regelmäßig feststellen, dass die Bewohner nicht korrekt trennen." Fällt das über einen "längeren Zeitraum" auf, dann kann die ASF entscheiden, dort keinen Biomüll mehr abzuholen. Möglich wird das durch einen anderen Paragraphen in der Abfallwirtschaftssatzung. Da heißt es: "Die Stadt kann bestimmen, welche Art und Anzahl von Abfallbehältern von den Anschlusspflichtigen zu verwenden sind." Also auch, dass in einigen Gebieten keine Biomülltonnen stehen.

In der Altstadt ist’s zum Teil zu eng für Biotonnen

Die Stadtteile und Wohneinheiten, in denen das so ist, möchte Michael Broglin nicht im Detail nennen. Auch zur Zahl der Haushalte, die in diese Kategorie fallen, macht er keine konkreten Angaben: "Ich will da keine Stadtteile denunzieren. In manchen Gegenden haben wir eben einfach die Erfahrung gemacht, dass eine Biomülltonne keinen Sinn macht, weil nicht richtig getrennt wird. So würde nur der ganze restliche und gute Biomüll verunreinigt." Denn der soll später als Dünger oder Kompost wieder in die Erde gelangen. Auch in der Innenstadt gibt es teilweise keine Biomülltonnen. Hier liegt es laut Broglin aber an "massiven Stellplatzproblemen."