In meiner Plattentasche: Ray Hoffmann im Drifter's Club

Bernhard Amelung

"Mehr eskalieren im Club, bitte", fordert Ray Hoffmann. Der Freiburger Disc Jockey legt am Samstagabend im Drifter's auf. Mit welchen Stücken er euch zur orgiastischen Ekstase treiben wrid:"



Mit welchem Track beginnst Du am Samstag Dein DJ-Set?

Das weiß ich noch nicht. Dennoch plane ich mein erstes Lied oft, da es für mich die wichtigste Platte des ganzen Gigs ist. Wer von der ersten Sekunde an das Publikum verführt und für sich gewinnt, muss das nicht mühsam über das ganze Set verteilt nacharbeiten. Es ist auch schöner und einfacher, wenn das Publikum einem von Anfang an vertraut. Meine erste Platte könnte in diese Richtung gehen:



Was ist die perfekte Platte für ein Warm-up?

Bei einem Warm-up ist es aus meiner Sicht wichtig, leicht verdauliche Lieder zu spielen, die einen nicht zu aggressiv zum Tanzen auffordern. Das i-Tüpfelchen ist es, dabei noch ein Grinsen auf die Münder der Meute zu zaubern. Man sollte sich auch bewusst sein, dass man nicht der Hauptdarsteller des Abends ist, aber dennoch einen guten Job abliefern kann. Es ist auch Immer der Fall, dass es schwieriger für einen DJ ist, das Publikum beim Warm-Up zufriedenzustellen, als es das für den Headliner zur „Prime-Time“ ist. Eine harte Nuss, aber man wächst daran.

Welche Platte darf der Disc Jockey vor Dir auf keinen Fall spielen?

Was vor mir gespielt wird, ist mir eigentlich relativ egal. Trotzdem zucke ich manchmal zusammen, wenn ein Lied gespielt wird, was zwar wirklich gut ist aber leider schon von jedem DJ, mir eingeschlossen, 2783945579 Mal gespielt wurde. Das killt den Vibe und ist oft der Grund für viele, den DJ abzustempeln.

Wenn es darum geht, welches Lied nicht direkt vor meinem Auftritt gespielt werden sollte, ist das etwas anderes. Ich finde es wichtig, egal welchem Sub-Genre man angehört, es dem DJ, der nach einem spielt, nicht zu schwer zu machen. Etwas mit Klasse, was nicht zu penetrant in eine Richtung schiebt und keinen krassen Bruch mit sich bringt, wäre meiner angebracht.

Welche Platte hast Du immer dabei, hast sie aber noch nie gespielt?

Boah! Da gibt es Unzählige. Ich hab mir sogar extra einen Ordner dafür angelegt, der klischeehafterweise auch noch „sometime in Berghain“ heißt. Oft sind auch die Genre, die einfach nicht in meine Bookings passen, der Grund dafür, dass ich bestimmte Lieder nicht spielen kann. Bestimmt denken sich jetzt einige: Als Künstler darf man sich doch nicht einschränken lassen blaablablaaablaaah. Ich finde, dass es eine Herausforderung an mich selbst ist und ein berechtigter Anspruch des Veranstalters, dass ein DJ sich in der goldene Mitte zwischen Künstlerfreiheit, Publikum, Uhrzeit und Ort bewegen sollte, wer immer nur sein Ding durchzieht und nicht auf seine Umwelt achtet, hat entweder mal einen Gig im Berghain oder gar keine mehr… aber ich schweife ab.

Welche Platte spielst Du am häufigsten?

Kann ich ohne Gelaber beantworten:

Welche Platte bringt den Club am Samstag zum Ausrasten?

Ich habe mir eigentlich fest vorgenommen mich nicht zu beschweren und auch nicht rumzumeckern aber: Ich finde allgemein, dass in Freiburg mehr Emotionen auf die Tanzfläche gehören. Zeigt dem DJ, was euch gefällt und macht es ihm einfacher auf euch einzugehen und einen schönen Abend zu gestalten. Ich bin oft einer der wenigen, die rumschreien, jubeln und wenn ich könnte, würde ich auch pfeifen. Viele Menschen im Club wissen gar nicht, was ein kollektives Jubeln beim DJ als auch im Publikum auslösen kann. So was macht Spaß, motiviert, ist null peinlich und man ist heiser. Was macht eine gute Party denn sonst aus? Also mehr eskalieren bitte!

Bei welchem Track verlässt Du das DJ-Pult und tanzt selbst?

Ich tanze allgemein durchgehend hinterm DJ-Pult und es kommt sogar auch wirklich manchmal vor, dass ich nach vorne komme um mitzutanzen. In Freiburg ist das Monitoring meistens noch um einiges schlimmer als die Anlage selbst (ich nenne dass, das Kamikazephänomen), das heißt um richtig zu genießen, wird man fast dazu gezwungen bei manchen Liedern auf die Tanzfläche zu gehen.

Welches ist Dein liebster Guilty Pleasure-Song?

PAM!

Welche Platte würdest Du gerne spielen, traust Dich aber nicht?

Siehe „Welche Platte hast Du immer dabei, hast sie aber noch nie gespielt?“ - Aber dass ihr nicht leer ausgeht hier noch eine:

Welche Platte spielst Du, wenn das Licht im Club angeht?

Ich bin kein Fan davon, beim letzten Lied nochmal ordentlich reinzubrettern. Um einen gelungenen Spannungsbogen zu schaffen, sollte man den Höhepunkt meiner Meinung nach im zweiten Drittel des Abends geschehen lassen und dann langsam wieder runterfahren. Dem Zuhörer sollte beim Hören bewusst werden, dass es das letzte Lied ist.

Im besten Fall ist er so zufrieden, dass er sich für die Nacht bedankt, lächelnd zur Garderobe spaziert und eventuell noch mit dem Barkeeper diskutiert, warum er jetzt nicht noch sein letztes Bier auf den Weg nehmen kann, worauf hin der Barkeeper zum 99. Millionsten Mal erzählt, dass der Gast die Flasche draußen doch sowieso kaputt macht und die ganzen Spießerinnenstadtbewohner sich darüber aufregen.

Das Wichtigste ist eigentlich, nicht den DJ anzubetteln, ob er noch ein aller-aller-aller-allerletztes Lied spielen will, denn ja, das wollen wir! Immer! Können wir aber nicht. Ich hab es sogar das ein oder andere Mal geschafft fast aus dem Club rausgeschmissen zu werden, weil ich nicht pünktlich aufgehört habe.

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Mehr dazu:

Was: Oxbox Nacht mit Oxalis, Ray Hoffmann, u.a.
Wann: Samstag, 7. Februar 2015, 23 Uhr.
Wo: Drifter's Club