In meiner Plattentasche: Lastyearsman und Roger Mikele von UnPopUlar im Slow Club

Bernhard Amelung

Heute kaum noch vorstellbar: Uschi Glas als Königin der Münchner Nouvelle Vague-Szene. Trotzdem - oder gerade deswegen - legen Roger Mikele und Lastyearsman heute Abend einen Song von ihr bei UnPopUlar im Slow Club auf. Warum sie ihn spielen und was sonst noch auf die Plattenteller kommt:



Mit welchem Song beginnt ihr am Freitag euer DJ-Set?

The Divine Comedy - At the Indie Disco. Für den Beginn zwischen Rumstehen und Mitwippen etwas Programmatisches. Wenn wir Indie Disco sagen, meinen wir allerdings nicht zwingend den alten Scheiß der Class of 2005. Tatsächlich meinen wir nämlich auch den noch älteren Scheiß: „Give us some Pixies and some Roses and some Valentines (we’re in heaven)“. Und dass die Nacht wieder „under the poster of Morrissey with a bunch of flowers“ stattfinden wird, ist ja sowieso selbstverständlich. (Lastyearsman).



Was ist die perfekte Platte für ein Warm-up?

Frankie Valli - You’re Ready Now. Da wir ja nicht nur Indie und Twee spielen, sondern auch recht unPOPuläres Sixties-Zeugs, darf ein Ausflug in Richtung Northern Soul nicht fehlen! Um die Übergänge zwischen den Genres genauso (ähm) smooth hinzubekommen wie letztes Mal, wird Frankie Valli bevor es Soul zu hören gibt nochmal kurz nachfragen: „You’re ready now?“ (Roger Mikele).



Welche Platte darf der Disc Jockey vor Dir auf keinen Fall spielen?

The Pains Of Being Pure At Heart – Simple And Sure. Drums und Keyboards erinnern hier stark an Modern Love von David Bowie. Und auch in Sachen Tanzbarkeit stehen die Twee-Popper dem alten Hasen Bowie in nichts nach. Da ich auch noch das „Original“ spielen will, darf Lastyearsman mir nicht mit „Simple and Sure“ zuvorkommen – sonst wäre der Diebstahl allzu offensichtlich und die Pains bloßgestellt, was ja nun wirklich niemand verantworten möchte! (Roger Mikele).



Welche Platte hast Du immer dabei, hast sie aber noch nie gespielt?

The Left Banke - Evening Gown. Nachdem die Herren dieser eher obskuren 60iger Band jetzt sogar unsere Plakate zieren, müssen sie diesmal natürlich auf jeden Fall dabei sein. Großartig wie sie hier ihren Baroque-Pop (dieses Cembalo!) in die Garage verlegen und eine tanzbarer Hit dabei herauskommt. Am Freitag gilt: Let’s baroque’n’roll. (Lastyearsman).



Welche Platte spielst Du in allen Deinen DJ-Sets?

Curtis Mayfield - Move On Up. In den Soul-Momenten der Nacht darf dieser Hit nie fehlen. Curtis, der auch wütend und gleichzeitig tieftraurig über die „people who are darker than blue“ singen kann, ist hier – unterstützt von großartigen Streichern und Bläsern – einmal völlig optimistisch. Für uns: „Nothing less than the supreme best“. (Lastyearsman).



Welche Platte bringt den Club am Freitag zum Ausrasten?

Metronomy - Love Letters. Jan Wigger, der uns ja jeden Dienstag in seiner Kolumne netterweise sagt was wir hören sollen, bezeichnetet „Love Letters“ als „unwiderstehlich“! Und man muss dem Herrn da mal Recht geben. Nach 1:15-minütigem Trompeten-Intro nehmen einen die Keyboards gefangen und lassen einen auch nicht mehr so schnell los! Wer also Lust hat am Freitag zu Metronomy auszurasten, der sei herzlich in den Slow Club eingeladen! (Roger Mikele).


Bei welchem Song verlässt Du das DJ-Pult und tanzt selbst?

The Burning Hell – Amateur Rappers. Wenn der Kollege Mikele auflegt, tanz ich ja sowieso die meiste Zeit und so später die Nacht, um so fließender die Grenzen zwischen auflegen und tanzen. Bei diesem Song kann ich mich aber zu keinem Zeitpunkt zurückhalten: Denn „inside every one of us is a comedian, a cult leader, and an amateur rapper“! Geniales Video auch und im September übrigens wieder live in Freiburg zu erleben. (Lastyearsman).

 

Welches ist Dein liebster Guilty Pleasure-Song?

Uschi Glas - Wenn dein Herz brennt. Uschi Glas, die Queen der Münchner Nouvelle Vague Szene, mit ihrer Version des Smash Hits „Love Grows (Where My Rosemary Goes)“ von Edison Lighthouse. Großartig! Vor Jahren mal in einem 2nd-Hand-Plattenladen auf 7“ erworben und seitdem täglich, und vor allem heimlich gehört! Diesen Freitag dann ganz ungeniert im öffentlichen Rahmen. (Roger Mikele).



Welche Platte würdest Du gerne spielen, traust Dich aber nicht?

The Pipettes – Pull Shapes. Ich habe eine Schwäche für den von Phil Spector überproduzierten Girlgroup-Pop der frühen 60iger. Und sogar für diese 2000er Version. Aber das anderen Menschen zumuten? Kommt vorbei und findet heraus, ob ich mich diesmal traue. Und: „Clap your hands if you want some more." (Lastyearsman).



Welche Platte spielst Du, wenn das Licht im Club angeht?

Stanley Brinks & The Wave Pictures. Eigentlich ja „There’s a Light“ von den Smiths, wäre da nicht dieser Stanley Brinks. Spätestens seit der grandiosen Single „Orange Juice“ sind wir der besseren Hälfte von Herman Dune verfallen! Wenn er dann auch noch mit der most unpretentious band on this planet (The Wave Pictures) gemeinsame Sache macht, dann muss selbst der Jodel-Mozzer schauen wo er bleibt. (Roger Mikele).



Mehr dazu:

Was: IndieDisco mit dem UnPopUlar DJ-Team. Davor: Konzert mit Herr Berlin.
Wann: Freitag, 6. Juni 2014, 23 Uhr (Party); Konzert: 21 Uhr.
Wo: Slow Club