In jedem Laptop steckt ein Däne

Lorenz Bockisch

Es war einmal ein Wikingerkönig namens Harald, der lebte im zehnten Jahrhundert. Zunächst wurde er zum König der Dänen und sein wichtigster Verdienst – neben den für Wikinger üblichen Raubzügen – war die Christianisierung und Einigung Dänemarks. Doch in Erinnerung blieb von ihm hauptsächlich seine legendäre Fähigkeit zu kommunizieren – und sein ungewöhnlicher Spitzname, der heute nicht nur in aller Munde ist.

Dieser König Harald I. Gormson hatte den Beinamen Blåtand, was ins heutige Deutsch „Blauzahn“ bzw. im Englischen „Bluetooth" heißt. Diese Bezeichnung wird heutzutage seltener einem Wikingerkönig zugewiesen, sondern eher Kommunikationsschnittstellen zwischen technischen Geräten.


Als in den 90er Jahren von verschiedenen Technologiekonzernen gemeinsame Standards entwickelt wurden, um die kabellose Datenübertragung zwischen kleineren Geräten zu ermöglichen, gewann schnell die Infrarotschnittstelle. Doch ihr Nachteil, dass zwischen Sender und Empfänger stets Sichtkontakt herrschen muss, ließ einen zweiten Standard erstehen.

Denn Funkwellen im Mikrowellenbereich benötigen diesen Sichtkontakt nicht. Und an der Entwicklung dieses zweiten Standards war zu großen Teilen die schwedische Firma Ericsson beteiligt. Deshalb bekam dieses Übertragungsprotokoll einen passenden skandinavischen Namen – nämlich Bluetooth.

Dass der Name des kommunikationsfreudigen Herrschers jedoch wirklich etwas mit einem blauen Zahn zu tun hat, ist nach heutiger Forschung stark zu bezweifeln. Das Tand in seinem Namen könnte auch, je nach Lautverschiebung, eher so viel wie Häuptling heißen. Und das Blå ebenso eher dunkel oder auch groß. Die Beinamen „Großzahn“, „großer Häuptling“ oder „dunkler Häuptling“ sind also deutlich wahrscheinlicher.

Trotzdem haust in jedem modernen Computer, Telefon oder Organizer ein Wikingerkönig.