DIY

In Freiburgs offenen Werkstätten kann man selbst Sachen bauen und reparieren

Holger Schindler

Wer DIY machen will, braucht Werkzeug – und jemanden, der ihm helfen kann, es richtig zu benutzen. In Freiburgs offenen Werkstätten findet man beides – und sogar 3D-Drucker.

Wer ein neues Bett braucht, kann es im Möbelmarkt erwerben. Er kann es sich aber auch selbst bauen, wenn er weiß wie und über die nötigen Maschinen und die erforderliche Werkstattausstattung verfügt. Möglich ist dies in sogenannten offenen Werkstätten, die sich auch in Freiburg vermehren. Das neue Projekt Freilab zum Beispiel hat innerhalb von drei Monaten bereits mehr als 90 Mitglieder gewonnen. Do-it-yourself-Reparaturen sind ein nicht unbeträchtlicher Wirtschaftsfaktor.


Seit März gibt’s das Freilab

"Ich habe mir hier ein neues Bett zusammengezimmert", erzählt David Derix vom Freilab-Verein. Der 32-jährige Elektroingenieur, der beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme beschäftigt ist, gehört zum Vorstand und Gründerteam der Einrichtung. Seit März mietet der Verein 120 Quadratmeter große Räume in einem rückwärtigen Gebäude in der Ensisheimer Straße 4 an, unweit vom Eisstadion. Den ganzen März über wurde dort renoviert, umgebaut und eingerichtet, zuvor war dort ein Kfz-Betrieb ansässig. Seit April läuft der operative Betrieb als sogenannte offene Werkstatt. Seither ist der Verein bereits auf mehr als 90 Mitglieder angewachsen – Monatsbeitrag regulär 25 Euro. Auch am Tag der offenen Tür am Samstag war der Andrang groß.

"Reparaturen sind ein wichtiger Bestandteil."Robin Grab, Freilab-Vorstand
"Die Grundidee ist, dass wir hier relativ teure Maschinen und Geräte sowie den Werkstattraum teilen und so für eine größere Zahl von Menschen zugänglich und verfügbar machen", erläutert Robin Grab (34), ebenfalls Fraunhofer-Elektroingenieur und ebenfalls Mitinitiator von Freilab. Wer Mitglied ist, bekommt eine elektronische Zugangskarte und kann die Werkstatt im Prinzip rund um die Uhr nutzen – mit Nähmaschinen, Schreinerhandgeräten, Fahrrad-Reparaturausstattung und mehreren 3D-Druckern und einem Laser-Cutter. "Ein Schwerpunkt bei uns ist Herstellung von Prototypen, aber auch Reparaturen sind ein wichtiger Bestandteil", sagt Robin Grab. Die Nutzer seien zwischen fünf und 70 Jahren alt.

Offene Werkstätten wie Freilab sind bundesweit auf dem Vormarsch. Der Verbund Offener Werkstätten zählt aktuell fast 260 Mitglieder. Die Idee ist verwandt mit dem Konzept der sogenannten Reparatur-Cafés, die in Freiburg seit rund vier Jahren laufen.

Das gemeinsame Arbeiten, der Austausch und das Lernen stehen im Fokus der Entwicklung. Wie effizient und wirksam die Werkstätten wirtschaftlich und im Bezug auf die Umwelt sind, darüber lässt sich streiten. Die Studie "Wertschöpfung in offenen Werkstätten" vom Oktober 2016, hinter der mehrere Forschungseinrichtungen stehen, zog ein eher ernüchterndes Fazit. "Der effektive Material- und Energieeinsatz für Produkte der offenen Werkstätten kann nicht als ökonomisch oder ökologisch nachhaltig eingestuft werden, da 46 Prozent der eingesetzten Materialien in den offenen Werkstätten neu gekauft wurden", heißt es dort. Andererseits stellt die Studie auch fest, dass die Werkstätten "zum Erproben neuer sozialer Wege des Konsumierens, Zusammenarbeitens und Lernens" ausgesprochen dienlich sind.

Technikbegeisterung kann auch die Berufswahl beeinflussen

Reparaturprofis sehen die Entwicklung zwiespältig: "Natürlich kann man auch als Laie zum Beispiel elektronische Geräte auseinanderschrauben und wieder zusammenbauen – und auch mal das eine oder andere reparieren", sagt Mirtion Gashi, Mitbetreiber des Handy- und IT-Reparaturservice Fix-Point in der der Habsburgerstraße 133 a. "Man muss sich aber im Klaren darüber sein, dass man dabei auch erheblichen Schaden am Gerät anrichten und sich und andere sogar erheblich gefährden kann, etwa man einen Akku beschädigt", so der Technikprofi weiter. Er und sein Kompagnon Oleg Kokorin sind mit ihrem Geschäft bereits seit zweieinhalb Jahren am Start.

Auf der anderen Seite könnten offene Werkstätten aber dazu beitragen, junge Leute vermehrt für Technik zu begeistern. "Meiner Erfahrung nach ist das Basteln und Ausprobieren ein wichtiger Schritt, wenn Leute sich für einen technischen Beruf entscheiden", sagt Gashi.
Offene Werkstätten in Freiburg

In Freiburg gibt es mehrere Anbieter von offenen Werkstätten und Treffen für Do-it-yourself-Reparaturen.

Dazu gehören:
  • Freilab in der Ensisheimer Straße 4 – Holz, Textil, Elektro, Fahrrad, 3D-Druck; freilab.de
  • Reparatur-Café Im Grün, Im Grün 5
  • Reparatur-Café Rieselfeld, Maria-von-Rudloff-Platz 2