Glückwunsch!

In Freiburg wurden erstmals zwei Männer getraut

Lilly Schlagnitweit

In Freiburg haben sich die ersten gleichgeschlechtlichen Paare das Ja-Wort gegeben: Jörg M. Krause und Andreas Wand dürfen sich nun Eheleute nennen – nach 30 Jahren. Am Rathaus wehte zur Feier dieses historischen Datums die Regenbogenfahne.

Ein historisches Datum: Am Mittwoch, 4. Oktober, haben sich im Freiburger Standesamt die ersten gleichgeschlechtlichen Paare das Ja-Wort gegeben. Seit Monatsbeginn ist das Gesetz in Kraft, das die Ehe für alle öffnet. Jörg M. Krause und Andreas Wand sind eines der zwei Paare, die sich seither Eheleute nennen dürfen.


"Gefühlt haben wir schon die silberne Hochzeit hinter uns." Andreas Wand
"Gefühlt haben wir schon die silberne Hochzeit hinter uns", sagt Andreas Wand, 59, kurz, nachdem er aus dem Trauzimmer des Standesamts gekommen ist. Seit wenigen Minuten sind er und sein langjähriger Lebensgefährte Jörg M. Krause, 58, offiziell verheiratet. Einen Bund fürs Leben eingegangen waren die beiden, die sich schon vor 30 Jahren auf einem Konzert kennengelernt hatten, aber schon lange. Bereits vor zwölf Jahren ließen sie im Freiburger Standesamt ihre Lebenspartnerschaft eintragen. "Verpartnerung" nannte sich das. "Wir haben aber schon aus politischen Gründen immer von unserer Hochzeit gesprochen", erzählt Andreas Wand, "denn steter Tropfen höhlt den Stein."

Viele haben auf diesen Tag gewartet

Tatsächlich war der Kampf um die Gleichstellung aller Paare erfolgreich. Seit 1. Oktober lösen Eheschließungen ganz offiziell die "Verpartnerungen" ab – die bleiben zwar gültig, doch viele Paare entschließen sich wie Andreas Wand und Jörg Krause dazu, aus der Partnerschaft eine Ehe zu machen. Dominique Kratzer, Leiterin des Standesamts, hat die Beiden getraut: "Es macht zwar keinen großen Unterschied bezüglich der Rechte. Aber viele empfinden die Lebenspartnerschaft als zweitklassig."

19 gleichgeschlechtlichen Eheschließungen angemeldet

Von den 19 gleichgeschlechtlichen Eheschließungen, die in Freiburg bis Ende des Jahres bereits angemeldet seien, handle es sich vor allem um solche Umwandlungen. Der Mittwoch ist laut Kratzer einer von bislang drei Tagen, die das Standesamt speziell für die Eheschließung gleichgeschlechtlicher Paare reserviert hat. Vor Jörg Krause und Andreas Wand habe sich am Vormittag ein anderes Paar trauen lassen. Es habe nicht nur an diesem Tag den ersten Termin erwischt, sondern auch 2001 am erstmöglichen Tag die Lebenspartnerschaft begründet.

Es gebe viele Leute, die auf diesen Tag gewartet hätten, sagen Andreas Wand und Jörg Krause. Dass es so lange gedauert habe, sei reine politische Taktiererei gewesen. Beruflich habe ihre Homosexualität nie eine Rolle gespielt, sagen Heilpädagoge Wand und Sänger Krause. Die Atmosphäre in Freiburg sei sehr offen. Trotzdem hätten sie durchaus auch die Bemerkung hören müssen: "Jetzt wollen die auch noch die Ehe."

Am Rathaus wehte die Regenbogenfahne

Dass sie ihre Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln wollen, sei für sie klar gewesen, als der Bundestag den Weg dafür freigemacht hatte. Die Grundsatzentscheidung zum Zusammenleben – "für unsere Quasi-Ehe" – sei ja bereits 2005 gefallen. "Das Gefühl war schon da", sagt Jörg Krause. Damals gab es ein großes Fest mit allen Emotionen. Am Mittwoch hingegen hat das Paar seine Heirat eher klein gehalten, nur einige enge Freunde waren dabei. Ein ganz besonderer Tag ist es trotzdem: Nicht nur Jörg Krause und Andreas Wand freuen sich über die Hochzeit, auch die Stadt feiert ein bisschen mit und lässt am Rathaus die Regenbogenfahne wehen.