Privater Blick

In Freiburg sollen Einheimische bald Stadtführungen anbieten

Andreas C. Braun

Einheimische sollen Touristen an ihre Lieblingsorte führen. Das ist das Konzept ehrenamtlicher Stadtführer, die sich Greeter nennen. Nun soll auch in Freiburg eine Gruppe gegründet werden.

In vielen Städten gibt es bereits Gruppen, die kostenlose Stadtspaziergänge anbieten. Sogenannte "Greeter" (vom englischen Verb "to greet" – grüßen) zeigen Gästen ganz privat ihre Stadt. Nun soll auch in Freiburg eine Gruppe von Ehrenamtlichen gegründet werden. Es werden noch Interessierte gesucht, die Besuchern ihre Stadt und Lieblingsecken zeigen möchten. Zu professionellen und bezahlten Stadttouren wollen sie aber keine Konkurrenz darstellen.


Nachdem Michael Meyer-Heisig in London (England), Haarlem (Niederlande) und Marseille (Frankreich) mit einem einheimischen Greeter seine Urlaubsorte erkundet hatte, war er von der Idee begeistert. Doch zurück in Südbaden musste er feststellen, dass es in Freiburg noch keine entsprechende Gruppe dieses Formats gibt, die Stadtspaziergänge anbietet. Nun möchte er selbst eine Greeter-Gruppe in Freiburg gründen. Die Idee stammt aus den USA. Inzwischen gibt es mehr als 140 Gruppen in 38 Ländern weltweit, darunter bislang auch zehn Gruppen in deutschen Städten. Dazu gehören zum Beispiel Berlin, Darmstadt und München.

Ergänzung zum bestehenden Angebot

Die dahinter stehende Idee erklärt Michael Meyer-Heisig bei einem Greet, einem Stadtspaziergang, mit Freunden und Bekannten. Der Leitgedanke hinter den Greetern sei, so sagt er, dass Einheimische kostenlos und ehrenamtlich Gästen aus aller Welt ihre Stadt zeigen. "Die Greets sollen Ergänzungen zum bereits bestehenden Angebot von Stadtführungen sein, aber keine Konkurrenz", stellt Michael Meyer-Heisig klar.

Der 58-jährige Diplomforstwirt läuft an diesem Nachmittag mit Gästen durch Freiburgs Altstadt und zu seinen Lieblingsplätzen. Vom Schwabentor durch die Gerberau und Fischerau, hin zum Adelhauser Platz und dem Blumencafé in der Wallstraße. Bei der Tour wird schnell klar, dass, anders als bei professionellen Stadtführungen, Jahreszahlen und auch der Zeitrahmen für den Spaziergang kaum eine Rolle spielen.

Lieblingsorte statt Hotspots

Die von dem Greeter geführten Kleingruppen von bis zu sechs Personen können auch selbst entscheiden, wo sie stehenbleiben wollen und welche Häuser und Schaufenster sie interessant finden. Vor dem Stadtspaziergang müssen Gäste lediglich einen Fragebogen im Internet mit ihren Interessen ausfüllen. Der gastgebende Greeter führt dann zu seinen Lieblingsorten und nicht den touristischen Hotspots. Er erzählt Wissenswertes, gibt Tipps, aber teilt auch private Erlebnisse und was er mit den Orten verbindet.

Bei dem ersten privaten Greet von Michael Meyer-Heisig stellt Elisabeth Ban nach dem rund anderthalbstündigen Spaziergang fest, dass sie, obwohl die gebürtige Französin öfter in Freiburg unterwegs ist, einiges Neues erfahren und noch mehr Gassen und Plätze in der Stadt kennengelernt hat. Herbert Krickl pflichtet ihr bei und zeigt sich interessiert. "Das kann ich mir auch vorstellen, mit Fremden durch unser Freiburg zu spazieren."
Die wichtigsten Infos im Überblick

Ein Infoabend für Interessierte an der Greeter-Idee findet am Donnerstag, 24. Januar, statt. Treffpunkt ist um 19 Uhr das "Café Einstein", Klarastraße 29 (Stühlinger). Es wird gebeten, sich unter Tel.  0172/ 7603847 oder per Mail an die Adresse freiburg-greeter@t-online.de anzumelden.



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