Wetter

In Freiburg gab es dieses Jahr mehr Sommertage als im Rekordjahr 2003

Christian Engel

Weil auch September und Oktober extrem warm waren, gab es in diesem Jahr mehr Tage mit einer Temperatur von über 25 Grad als vor 15 Jahren. Zwischen 2003 und 2018 gibt es aber einen enormen Unterschied.

Sowohl der meteorologische als auch der kalendarische Sommer haben vor einer Weile dem Herbst Platz gemacht; angesichts sich sonnender Menschen, boomender Eisläden und Temperaturen um 25 Grad liegt man nicht falsch, wenn man sagt: Der Sommer ist noch immer unter uns – und am Himmel über uns. Er ist noch so präsent, dass ihm am Sonntag fast Unvorstellbares gelungen ist: Er hat das Jahr 2003 und dessen Rekordsommer übertrumpft – zumindest bei den Sommertagen.


Zur Erklärung: Ein Tag ist ein Sommertag, wenn das Thermometer 25 Grad oder mehr anzeigt. Das gilt auch für die Monate, die nicht in den kalendarischen oder meteorologischen Sommer fallen: April, Mai, Oktober. Im Rekordjahr 2003 kletterte die Temperatur 103 Mal über 25 Grad, im aktuellen Jahr nun 104 Mal.

Dass es geklappt hat, liegt am Wetter der vergangenen sechs Wochen, das "außergewöhnlich sommerlich war", wie Andreas Pfaffenzeller vom Deutschen Wetterdienst (DWD) sagt.

Derzeit ist es so warm, weil Deutschland genau zwischen einem Hoch- und Tiefdruckgebiet liegt: Das Hoch im Osten hält die Temperaturen stabil, das Tief aus dem Süden schaufelt warme Luft vom Mittelmeerraum nach Mitteleuropa. Zudem sorgt eine schwache Inversion dafür, dass sich die warme Luftschicht mit der unten liegenden kalten Schicht vermischt – "daher ist auch die Bodentemperatur derzeit noch so hoch", sagt Meteorologe Pfaffenzeller.

Keine extrem hohen Werte in diesem Jahr

Einen enormen Unterschied gibt es aber 2003 und 2018 bei den "heißen Tagen": Tage, an denen 30 Grad oder mehr gemessen werden. 55 der 103 Sommertage waren vor 15 Jahren heißer als 30 Grad, an etlichen kletterte das Thermometer sogar über 40 Grad. Dieses Jahr war dies nur an 29 von 104 Tagen der Fall. "Wir hatten dieses Jahr hohe Temperaturen über einen sehr langen Zeitraum, aber keine extrem hohen Werte in der Spitze", sagt Pfaffenzeller. 2003 seien es andere Luftmassen gewesen als 2018, unter anderem kamen sie aus der Sahara. "Im Schnitt war der Sommer 2003 also deutlich heißer als der diesjährige."

104 Sommertage in einem Jahr seien sehr viel, sagt Pfaffenzeller. Ob dieser Wert allerdings zum Allzeitrekord reicht, weiß er nicht, weil er nicht weiß, wo der Allzeitrekord liegt: Der Deutsche Wetterdienst führt keine Statistik über die Sommertage jedes Jahres (für diesen Artikel hat der DWD sich extra die Mühe gemacht, die Jahre 2003 und 2018 Monat für Monat durchzuzählen). Viel mehr Sommertage werden dieses Jahr wohl nicht mehr dazukommen. "25 Grad werden wir diese Woche in Freiburg wahrscheinlich nicht erreichen", sagt Pfaffenzeller. Gegen Ende der Woche werden mehr Wolkenfelder erwartet, die Temperaturen sinken – der Sommer gibt dem Herbst die Chance, Herbst zu sein.