In Freiburg fehlen Proberäume für mehr als 50 Bands

Frank Zimmermann

In Freiburg suchen etliche Bands händeringend Proberäume, viele stehen zurzeit auf der Straße. Zugespitzt hat sich die Lage, weil auf dem Gelände des einstigen Güterbahnhofs Nord die alten Gewerbegebäude Neubauten weichen.



Dort war zum 31. Dezember vielen Musikern der Raum gekündigt worden. Auf der Warteliste des Vereins Multicore, der sich um Proberäume bemüht und auch selbst welche verwaltet, stehen aktuell mehr als 70 Bands.


50 von ihnen, schätzt Multicore-Vorsitzender Grischka Brand, hätten aktuell gar keinen Ort zum Proben mehr; allein im vergangenen halben Jahr seien 40 Anfragen bei ihm eingegangen. Auch HipHopper Till Neumann, der mit seinem Zwillingsbruder Felix das Duo Zweierpasch bildet und mit der Band Khandroma ein Gebäude auf dem Güterbahn-Areal genutzt hat, sagt: "Das war ein guter Proberaum." Etwas in Freiburg zu finden, sei "richtig, richtig schwer". Wobei Khandroma Glück hatte: Ein Bekannter vermittelte einen Raum in Zähringen.

Auf der Suche ist auch die Fusion-Rockband "One you know". Anfang Dezember musste sie ihren Proberaum im Industriegebiet Nord nach drei Jahren räumen. Der Vermieter, eine Tischlerei, hatte Eigenbedarf angemeldet. "Seitdem stehen wir auf der Straße", sagt Gitarrist und Sänger Peter Herrmann. "Es ist absolut nichts zu finden." Für ihre letzte Bleibe zahlte die Band 210 Euro; viel mehr könne sie auch künftig nicht ausgeben, sagt Herrmann.

"Die Not ist groß. Wir müssen etwas tun", weiß auch Tilo Buchholz, früherer Vorsitzender von Multicore. Der Musiker, seit 2011 für die Grünen im Freiburger Gemeinderat, hat schon vieles versucht. Zuletzt bat er Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und die städtische Immobilientochter FWI, bei der Suche nach leerstehenden Gewerbeimmobilien zu helfen.

Musiker wünschen sich ein großes Proberaumzentrum

"Wir sind restlos ausgelastet. Dabei würden wir gerne sehr viel mehr Räume an- und weitervermieten", sagt Multicore-Chef Grischka Brand. Der Verein hat seit 2005 im Untergeschoss des Kunsthauses L6 in Zähringen neun Räume angemietet, die er für 7,50 bis 8 Euro pro Quadratmeter an rund 30 Bands untervermietet. Der Vorteil dieses Modells: Immobilienbesitzer müssen nicht mit einzelnen Bands Mietverträge machen. "Für Vermieter ist das bequem und sie haben kein Theater", sagt Buchholz.

Multicore zählt derzeit 74 Bands als Mitglieder, bezuschusst wird der Verein von Stadt und Land mit insgesamt knapp 4000 Euro pro Jahr. "Es hat im L6 immer wunderbar geklappt. Es gab nie Mietrückstände", erinnert sich Buchholz.

Buchholz, Brand und Herrmann träumen von einem Probehaus mit Räumen für viele Bands. "Das würde auf einen Schlag viele Probleme lösen." Herrmann glaubt, dass es weniger an Investoren – mit dem Fensterbauer Bernd Veeser hat er jüngst diesbezüglich Gespräche geführt –, sondern mehr an geeigneten Standorten in der Stadt mangelt. Ein solches Proberaumzentrum gibt es beispielsweise in Berlin-Friedrichshain an der Warschauer Straße. Die "Noisy Rooms" kosten je nach Tageszeit, Größe und Ausstattung zwischen 4 und 20 Euro pro Stunde. Er habe, sagt Tilo Buchholz, in den vergangenen Jahren bestimmt schon 15 leerstehende Gebäude besichtigt, sei aber stets gescheitert, wenn es darum ging, große Hallen in kleine Räume zu unterteilen.

Die Stadtverwaltung, die selbst nur im Kepler-Gymnasium zwei Proberäume vermietet, denkt auch über neue Konzepte nach. "Das Kulturamt sieht den Bedarf", sagt Rathaussprecherin Eva Amann. Eine Lösung könnten wie in München Container sein, sagt Christian Pertschy, Geschäftsführer der Jazz- und Rockschulen und Vorsitzender des Vereins Pop-Frequenz. Allerdings kostet auch diese Variante Geld – je besser ausgestattet und schallisoliert die Container sind, desto teurer wird ihre Anschaffung oder Anmietung.

Dass das Raumangebot für Bands knapp ist, scheinen einige Vermieter auszunutzen, ärgert sich Pertschy. Er hat von Räumen gehört, für die 500 bis 600 Euro Miete im Monat verlangt werden. Er sorgt sich um die hiesige Bandszene: "Wenn es keine Probenräume gibt, gibt es keine Bands, und dann fehlt der kreative Nachwuchs. Das ist ein wertvoller und wichtiger Faktor für die Stadt."

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[Foto: Ingo Schneider]