Initiative

In einer ehemaligen Metzgerei in Herdern gibt’s einen Spieltreff für Alte und Junge

Anja Bochtler

Seit Oktober findet in derzeit in leerstehenden Geschäftsräumen in der Hauptstraße in Herdern ein regelmäßiger Spieletreff statt. Initiiert hat den Treff Ursula Zumkeller-Grünthal.

Die Jüngsten stürzen sich auf die spiralförmige Murmelbahn am Boden, die Ältesten spielen versunken "Rummikub" – so geht’s zu im Spieletreff, den Ursula Zumkeller-Grünthal im Oktober in zwei der einstigen Metzgerei-Räume in der Hauptstraße 72 gestartet hat. Die Räume standen seit Ende 2016 leer, Ursula Zumkeller-Grünthal kennt die Besitzer und setzt hier eine Idee um, die ihr wichtig ist. Doch spätestens bis Ende April muss ein neuer Ort gefunden werden.


Brettspiele, Autos und Rummikub

Nicht immer läuft alles, wie Benni (3) es will: Die kleinen Autos stecken in der Garage fest, er bekommt sie nicht raus auf die Plastikrennbahn. "Blöde Autos!" sagt er und wartet, bis ihm seine Mutter Eva Stötzel hilft. Auch Bennis zehn Wochen alte Schwester ist dabei und schläft. Als Eva Stötzel den Spieletreff auf dem Weg zum Herdermer Bauernmarkt entdeckte, war sie sofort interessiert – zuerst traute sie sich nicht, einfach reinzugehen, obwohl genau das erwünscht ist.

Weil Benni in derselben Kita wie Ursula Zumkeller-Grünthals jüngste Tochter Maruschka (4) ist, sprachen die Mütter irgendwann über den Spieletreff. Seitdem kommt Eva Stötzel oft mit den Kindern vorbei. Sie findet es toll, dass sie Benni dabei beobachten kann, welche Spiele er auswählt. Meist haben die irgendwas mit Bauen, Maschinen oder Autos zu tun. Daheim spielt Benni meist Lego oder Verkleiden, seine Mutter mag das Brettspiel "Siedler". Auch Edelgard Böhl (70) wohnt, wie Bennis Familie, in Herdern. Sie hat über einen Aushang im "Weltladen" vom Spieletreff erfahren. Als sie zum ersten Mal kam, hat sie "Rummikub" mitgebracht, ein Spiel, bei dem Zahlenkombinationen zusammengesetzt werden – doch das gab’s im Spieletreff bereits. Seitdem spielt sie hier regelmäßig montags und hat so Friedhilda Ullmann (81) kennengelernt, die in Neuburg wohnt und über die Begegnungsstätte vom St. Carolushaus hergefunden hat.

Öfters haben die beiden junge Mitspielerinnen, wie Ranya und Anouschka (beide 9). Anouschka ist eines der drei Kinder von Ursula Zumkeller-Grünthal. Ranya geht in Anouschkas Klasse. Ranya und Anouschka lieben Rummikub, aber sie spielen auch gern Schach. Mehr als 100 Spiele, die auch ausgeliehen werden können, liegen in den Regalen, nach Altersgruppen geordnet von der "Affenbande" für Zweijährige bis zu "Nobody is perfect" oder "Tabu" für Jugendliche und Erwachsene. Das sind die Favoriten von Ursula Zumkeller-Grünthal, genau wie Puzzles, von denen es auch etliche gibt.

Sie hat vieles von zu Hause mitgebracht und einiges geschenkt bekommen. Schon vor Jahren hatte sie von Freunden in der Schweiz erfahren, dass es dort Spieletreffs zum gemeinsamen Spielen oder Leihen von Spielen gibt – die Idee hat sie fasziniert. Jetzt setzt sie das um, auch wenn sich bald einiges ändern wird: Zum einen wird sie bald in Teilzeit zu arbeiten beginnen, als Arzthelferin – sie hat außerdem noch Forstwissenschaften studiert.

Spätestens im April braucht der Treff einen neuen Ort

Und zum anderen wollen die Besitzer die Räume, die sie ihr mietfrei vorübergehend überlassen haben, bald privat nutzen. Spätestens Ende April muss der Spieletreff umziehen – denn Ursula Zumkeller-Grünthal will zumindest einmal in der Woche irgendwo weitermachen: Sie ist im Gespräch mit dem Jugendforum Herdern und der katholischen Gemeinde St. Urban. Ihr geht es dabei nicht nur darum, einen Treffpunkt zum Spielen zu schaffen, sondern auch ums ökologisch vertretbare Ausleihen und Weitergeben: Deshalb finden im Spieletreff nun auch ab und zu Reparaturcafés statt. Und auf einem Tisch hat sie eine kleine Tauschbörse eingerichtet, unter anderem gibt’s dort Kindersocken und Hautcremes.
Spieletreff(wahrscheinlich) bis Ende April 2019 montags, mittwochs und freitags jeweils zwischen 15.30 und 17.30 Uhr und dienstags von 10 bis 12.30 Uhr in der Hauptstraße 72. Alle sind willkommen, Eintritt frei. Infos: ursula_zumkeller_gruenthal@posteo.de.