Modische Accessoires

In einem Laden in Freiburg gibt es jetzt Schmuck aus Fischresten

Stefan Mertlik

Maike Hansen aus Schleswig fertigt Accessoires aus Fischhäuten. Die Freiburgerin Monika Schwab verkauft diese ab sofort in ihrem Laden. Die Herstellung des Leders erfordert viel Muskelkraft.

Aus Fischhäuten fertigt Maike Hansen Handtaschen und andere Accessoires. Am Freitag hat die Schleswigerin ihre Arbeiten in der Fischerei Schwab vorgestellt. Das Fischgeschäft in der Herrenstraße 56 hat vor rund einem Jahr eröffnet und verkauft nun auch modische Artikel – natürlich aus Fisch.


"Hier sind viele erstmal verwundert, aber bei mir zu Hause gehen die Menschen mit Fisch von vornherein anders um." Maike Hansen
Eigentlich wollten die Besucher der Fischerei Schwab ihren Freitagsfisch kaufen. Ihr Interesse gilt nun aber nicht Hering, Aal und Lachs, sondern Handtaschen, Armbändern und Gürteln. Die Gerberin Maike Hansen ist zu Besuch in Oberlinden und verkauft Handwerksarbeiten, die sie aus Fischhäuten hergestellt hat. Die Reaktionen auf ihre Produkte fallen je nach Region unterschiedlich aus, erzählt die Schleswigerin: "Hier sind viele erstmal verwundert, aber bei mir zu Hause gehen die Menschen mit Fisch von vornherein anders um."

Historische Fischmäntel begeisterten Maike Hansen

Berührungsängste mit Meeresbewohnern kennt die 49-Jährige nicht – schon ihr Großvater arbeitete als Fischer. Die Idee, Accessoires aus Fischhaut herzustellen, kam ihr allerdings erst vor sieben Jahren. Die Erlebnispädagogin lehrte zum Thema "Eiszeit in Schleswig-Holstein". Die Fischmäntel, die sie dabei in den Museen sah, begeisterten sie so sehr, dass sie selbst welche herstellen wollte. Ihr Wissen über nordische Naturvölker und deren Handwerk halfen bei den ersten Schritten. Zwei Jahre vergingen trotzdem bis zum ersten brauchbaren Fischleder.

Die Gerbung ähnelt der anderer tierischer Häute. Erst entfernt Hansen Schuppen und Fleischreste von der Haut. Anschließend kocht sie einen Tee aus Baumrinde, der die Gerbsäure aus dem Holz freisetzt. Ist die Flüssigkeit abgekühlt, massiert sie das natürliche Gerbmittel in die Haut ein. Bis zu zwei Stunden kann dieser Vorgang täglich dauern. Dringt die Säure in die Fischhaut ein, entsteht richtiges Leder. Nun zieht sie den Stoff per Handarbeit acht Stunden trocken. Diese Aufgabe erfordere viel Muskelkraft, erzählt Hansen. Für die anschließende Verarbeitung stützt sie sich auf traditionelle Techniken, weshalb sie jedes Produkt von Hand näht.

Monika Schwab verkauft das Handwerk nun in Freiburg

Die Häute stammen von Fischern aus ihrer Heimat, die die Tiere in der Schlei – einem Meeresarm der Ostsee – fangen. Hansen arbeitet am liebsten mit Aalhaut, denn die ergibt elastisches und belastbares Leder. Durch die neue Zusammenarbeit mit der Fischerei Schwab erhält sie nun aber auch alle zwei bis drei Monate eine Lieferung mit Lachshaut.

Monika Schwab hatte über Maike Hansens Handwerk in der Zeitung gelesen. Begeistert nahm sie vor einem Jahr den Kontakt auf: "Der Funke ist sofort übergesprungen von Freiburg nach Schleswig." Nun verkauft sie Hansens Produkte in ihrem Laden. Damit will sie zeigen, dass es den Fisch nicht nur in der Pfanne gibt, wie sie scherzt.

"Das ist Resteverwertung und passt gut in die heutige Zeit." Maike Hansen
"Das ist Resteverwertung und passt gut in die heutige Zeit", sagt Hansen und betont, dass ihr Leder auf natürliche Weise ohne Chemikalien entsteht. Da sie aus gesundheitlichen Gründen nur noch drei Stunden täglich nähen dürfe, denke sie über das Anbieten von Workshops nach. Anfragen erhalte sie jetzt schon. Erlernen könne das Handwerk jeder. Hansen: "Man braucht nur Geduld, Ruhe und man muss es mögen, Fischhaut anzufassen."

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