fudder-Interview

In diesem Workshop lernst Du, offener auf andere zuzugehen

Valentin Heneka

Im Artik-Workshop "Who Am I" kannst Du zusammen mit Menschen mit und ohne Migrationserfahrung etwas über nonverbale Kommunikation lernen. Organisator Odysseas Giuris erklärt, warum Du davon nur profitieren kannst.

Wie kamst Du auf die Idee, Who Am I, einen Workshop zu nonverbaler Kommunikation für Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, zu organisieren?

In einem Kommunikationskurs an der Uni habe ich zum ersten Mal bewusst über meine Kommunikation nachgedacht. Vordergründig ging es nicht um kulturelle Unterschiede oder nonverbale Kommunikation, aber ich habe gemerkt, welches Potential in dem Thema steckt. Etwa, wie wichtig der erste Eindruck ist: Er entsteht noch bevor man mit einer Person spricht, alleine durch nonverbale Signale.

In Situationen, in denen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenkommen, ist mir aufgefallen, dass oft Hemmungen entstehen. Nicht weil es an Verständigung mangelt, aber an Verständnis. Dabei haben Menschen ein großes Bedürfnis, verstanden zu werden. So kam ich auf die Idee zu dem Workshop. Interkulturelle Kommunikationstrainings gibt es bisher hauptsächlich für Firmen, die internationale Beziehungen unterhalten, aber selten für die Allgemeinheit. Auch die Integrationskurse für Geflüchtete behandeln nonverbale Kommunikation nicht im Detail.

Was ist das Ziel des Workshops?

Die interkulturelle Kommunikation soll gefördert werden. Die Teilnehmenden sollen lernen, offener und mit mehr Zuversicht und Vertrauen aufeinander zuzugehen. Menschen interpretieren nonverbale Signale unbewusst und in Bruchteilen von Sekunden. Schnell hält man sein Gegenüber als zu aggressiv oder zu unsensibel. Solche Dinge gilt es im Kurs zu hinterfragen, um sich danach selbstbewusster im interkulturellen Kontext bewegen zu können.

Eine Theaterpädagogin wird den Workshop leiten. Wie kann sie und ihr Fachgebiet helfen, dieses Ziel zu erreichen?

In der Kunstform des Theaters spielt nonverbale Kommunikation eine große Rolle. Man muss versuchen, aus sich herauszugehen und lernt dabei Neues. Theaterpädagogik ist die Disziplin, die Theater und Pädagogik verbindet und die Kunst anderen auf spielerische Art vermittelt. Vera Fehrenbach, die den Workshop leiten wird, bringt unter anderem aus FSJ-Seminaren große Erfahrung mit, sowohl mit der nötigen Methodik als auch der jüngeren Zielgruppe.

Welche Methoden kommen im Workshop zum Einsatz?

Die Devise ist: So wenig Frontalunterricht wie möglich, die Teilnehmenden sollen untereinander in Austausch treten. Dafür wird es Gruppenübungen im Stile der World-Café-Methode geben, bei der zwei Menschen wie beim Speed-Dating miteinander sprechen und nach ein paar Minuten die Gesprächspartner wechseln. Oder zwei Menschen spielen eine Alltagssituation, während die andern gezielt auf Gestik, Mimik und Körperhaltung oder auf die paraverbale Ebene achten, also die Art und Weise, wie jemand spricht. Laut oder leise, mit oder ohne Pausen und so weiter.

Die Wirkung der Signale auf die Teilnehmenden wird anschließend besprochen, wodurch ein Verständnis für diese entsteht. Dadurch werden stereotype Interpretationsmuster abgebaut. Wenn ich meinem Gegenüber beispielsweise mit verschränkten Armen gegenübersitze, kann das als distanziert wahrgenommen werden. Vielleicht ist mir auch auch einfach nur kalt oder es ist eine chillige Sitzposition.

Wer kann am Workshop teilnehmen?

Teilnehmen kann jeder junge Mensch, der mehr über Kommunikation lernen will. Ein genaues Alter will ich nicht definieren, aber im Idealfall liegt der Altersdurchschnitt nicht über 30. Der Workshop richtet sich ausdrücklich an Menschen mit und ohne Zuwanderungserfahrung. Der Workshop findet auf deutsch statt, aber grundlegende Deutschkenntnisse genügen. Wer die Absicht hat, länger hier zu bleiben, für den könnte der Kurs genau das richtige sein.

Wie profitieren Deutsche ohne Migrationserfahrung von einem interkulturellen Kurs?

Gerade im Austausch mit einer anderen Kultur lernt man die eigene Kultur und Kommunikation besser zu verstehen. Insofern können Menschen aus unterschiedlichen Kulturen bei diesem Thema zusammen viel über sich selbst lernen.


Der Workshop

Bis Juli findet der Workshop an vier verschiedenen Wochenenden statt, die Termine bauen nicht aufeinander auf. Ein Workshop dauert zwei Tage, samstags von 10 bis 16 Uhr, sonntags von 11 bis 16 Uhr. Zwischendrin gibt es Pausen, am Sonntag wird zusammen gegessen. Die Teilnahme kostet vier Euro.

Nach den vier Wochenenden gibt es einen weiteren Termin, zu dem alle Teilnehmenden der Workshops eingeladen werden, damit man sich in größerer Gruppe über die Zeit nach dem Kurs auszutauschen kann.

Zur Person

Odysseas Giuris kam 1994 im griechischen Thessaloniki zur Welt, seit 2010 lebt er in Deutschland. Aktuell studiert er VWL an der Uni Freiburg, arbeitet als Sounddesigner und in verschiedenen Jugendhäusern. Im Artik absolviert er derzeit ein Praktikum, in seiner Freizeit macht er unter dem Namen Odysseas elektronische Musik.

  • Was: Workshop: Who Am I – Interkultureller Workshop zu nonverbaler Kommunikation
  • Wann: 23. und 24. März, 27. und 28. April, 29. und 30. Juni oder 13.und 14. Juli 2019, Sa 10 bis 16 Uhr, So 11 bis 16 Uhr
  • Wo: Artik