Holst-Sinfonietta

In diesem Workshop lernen Jugendliche, wie man selbst ein Stück komponiert

Elisa Engler

In der Werkstatt der Holst-Sinfonietta lernen Jugendliche, wie man ein Musikstück methodisch und experimentell erstellt. Das Gewinnerstück wird im April uraufgeführt.

Der C-Block des Droste-Hülshoff-Gymnasiums liegt im Wochenendschlummer: Die meisten Fenster sind dunkel. Nur in einem Klassenzimmer brennt Licht. Ein fröhliches Pfeifen auf dem Flur kündigt den Cellisten Philipp Schiemenz an. Seine Mission: sechs Nachwuchstalenten sein Instrument näherbringen.


Schiemenz ist Teil des Ensembles der Holst-Sinfonietta, dem auch Klaus Simon (Pianist und künstlerische Leitung) und Cornelius Bauer (Violinist) angehören. Die Musiker geben einen mehrstündigen Workshop, unter Anleitung von Carlotta Rabea Joachim. Sechs Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren nehmen teil. Sie sollen lernen, wie man komponiert.

Wie ein Drehbuch, bloß für Musik

Ein dreiminütiges Werk für Duo soll entstehen. Das Gewinnerstück wird im April von der Holst-Sinfonietta im Rahmen der "Spiegelungen" uraufgeführt werden.

Noch ist es ein Pilotprojekt. Doch es ist geplant, die Kompositionswerksatt jährlich stattfinden zu lassen. Werkstattleiterin Carlotta Rabea Joachim gewann mehrere Preise bei "Jugend musiziert", jetzt studiert die 23-Jährige Komposition und Violine an der Folkwang Universität der Künste in Essen. "Als junger Mensch arbeite ich gerne mit jungen Menschen."

Peter Gerster, 14, hat seine bisherigen Kompositionen selten zu Ende gebracht. Dem Schüler des Kepler-Gymnasiums fehlt, wie er sagt, "eine Strategie zum Dranbleiben". Carlotta Rabea Joachim erklärt ihm, dass es einfacher ist, erst eine Großform des Werks anzudenken, um diese anschließend in kleinere Einheiten aufzuteilen. Durch Prozesse und Gesten wird die Form mit einem Plot gefüllt. Wie ein Drehbuch, bloß für Musik.

Es geht auch darum, Freiheiten zu lassen

"Die Notation eines Stücks muss zwar gelernt werden", sagt Carlotta, aber dennoch "soll jungen Musikern keine bevorzugte Stilistik aufgedrängt werden." Sie zeigt ein Spaßstück, in dem der Sänger gewollt husten muss. Die Laute vermischen sich mit dem Kichern der Jugendlichen. Klar wird, dass es vor allem darum geht, Freiheiten zu lassen. "Freie Ideenfindung durch Methodik", nennt Carlotta ihre Lehre. Unterstützt wird diese, indem Klaus Simon ein Blatt Papier zwischen die Saiten seines Klaviers klemmt.

Auf den Gesichtern der Jungkomponisten macht sich Begeisterung für die sonderbaren Geräusche breit. Doch Merlin Fischer, 13, hört am liebsten wohlbekannte Sinfonien. Ein bisschen beunruhigt fragt er, ob man sich auch was Klassisches ausdenken dürfe. "Was euch gefällt, ist erlaubt!", ist die eindeutige Antwort der Leitung.

Kekskrümel und Kompositionen verbinden

Die jungen Künstler sind aufmerksam, nur selten ein verstohlener Blick auf die Uhr. In einer Pause sind die Jugendlichen bei Keksen und Plaudereien kurz mal nur das: Jugendliche. Kekskrümel und Kompositionen verbinden eben. Und Gewinner des Wettbewerbs sind sie letztendlich alle – denn wie der 15-jährige Yves Scheuring sagt, will er nur "schlauer aus den Workshops rausgehen, als er reingekommen ist." Das sollte klappen.
Tipps fürs Komponieren

Carlotta Rabea Joachim gibt hilfreiche Ratschläge:
1. Viel Musik hören und Partituren angucken
2. Sich mit Musikern unterhalten
3. Niemals aufgeben, dranbleiben
4. Offen sein, Eigensinn beibehalten
5. Stolz sein auf die eigene Kunst
6. Mit einer Großform anfangen, die später in kleinere Einheiten aufgeteilt wird: ein Drehbuch für Musik schaffen
7. Legende zur Partitur simpel gestalten